| One Night Only im Portrait |
| Friday, 11 April 2008 00:37 | |||
Helmsley, Yorkshire, 2003: Ein bäuerliches Dorf im hinterwäldlerischen Niemandsland Nordenglands. Die pulsierende Rock'n'Roll-Metropole London liegt in weiter Ferne, doch es gibt auch hier eine florierende Punk-Pop-Szene. Auftritt. One Night Only: „Wir waren zu dritt", setzt der heute 19-jährige Gitarrist Mark Hayton an, „und wir hatten buchstäblich gerade erst damit begonnen, unsere Instrumente zu lernen."
Mark weiter: "Wir waren vielleicht 14 oder 15 damals, also trafen wir uns, um in unserem langweiligen Dorf ein wenig Lärm zu machen." Und dann kam George dazu. George war genau der Typ, den jede Band früher oder später braucht, um den entscheidenden Tritt und den Arsch zu bekommen. Ein richtiger Frontmann, der einschlägt wie der Blitz. George schmiss als erstes den unbegabten Drummer raus, brachte Keyboarder Jack an den Start, bestand gleichzeitig darauf, sämtliche Gitarrenparts selbst zu übernehmen, obwohl er nur als Sänger eingelant war, und machte sich daran, sämtliche Songs im Alleingang zu schreiben. Mit strubbeligem Haar und wirren Sprüchen auf der Zunge wurde George neues Mitglied bei einer Band, die sich bis dahin wenig Erfolg versprechend an Coverversionen der Beatles versucht hatte. Das Besondere: Der neue Frontmann war erst zwölf. „Irgendwie habe ich es geschafft, die Jungs davon zu überzeugen, dass ich zugleich Gitarrist und Sänger der Band sein musste, und dass, obwohl sie mich eigentlich nur als Sänger dabei haben wollten. Also überredete ich sie so lange, bis ich den Job von diesem anderen Typen auch noch übernehmen konnte." Diese Punk-Popband mit einem pubertierenden Sänger, in dessen Stimme man gerade mal die ersten Anzeichen vom anstehenden Stimmbruch vernehmen konnte, tat zwei Jahre lang ihre Pflicht in Helmsley: Den Anfängerstatus ließen sie mit ein paar unvergessen Gigs im Handumdrehen hinter sich, denn was man da auf der Bühne geboten bekam, waren ungeschliffene Punk-Pop-Bastarde, die sehr viel reifer wirkten und mit Texten beeindruckten, in denen das überstrapazierte Thema der allgemeinen Teenager-Verwirrung plötzlich überaus griffig und zugänglich verarbeitet wurde. „Ich kann mich noch an ein paar meiner ersten Songs erinnern, da ging's um die Scheidung meiner Eltern und andere Dinge, die mit Freundschaft und Beziehungsdingen zu tun hatten", erläutert der Sänger. „Und eigentlich hat sich das bis heute nicht großartig verändert." Da sich Georges Stimme und seine thematische Bandbreite weiterentwickelte, während zugleich der gesamte Sound der Band vom anfänglichen Emo-Pop-Fundament zu einer an die Kooks erinnernden Mischung aus klassischem Songwriting und locker-hymnischen Melodien heranreifte, war es letztlich nur eine Frage der Zeit, bis One Night Only auch außerhalb der Ortsgrenzen von Helmsley eine feste Größe waren. Nach insgesamt 18 Monaten, in denen sie in sämtlichen Toiletten Nordenglands aufgetreten waren, kamen die ersten Gerüchte von dieser neuen Provinz-Band auch im Süden des Inselreichs an. Im Oktober 2006 spielte Steve Lamacq von BBC Radio 1 die Demoversion von You And Me, was nicht nur bei den Zuhörern gut ankam, sondern die Band dazu brachte, die Sache noch etwas energischer anzugehen: George schmiss die Schule, und gemeinsam riefen sie jede Konzerthalle in ganz Großbritannien an, um nach Auftrittsmöglichkeiten zu fragen. Nach nur einem Monat hatte sich ausnahmslos jedes britische Majorlabel einen Termin für einen persönlichen Besuch in ihrem Proberaum geholt. Im März 2007 unterzeichneten One Night Only einen Vertrag bei Vertigo Records und gingen direkt im Anschluss auf Tour - im Vorprogramm von Milburn und The Enemy. In der darauffolgenden Tourpause nahmen sie die ersten drei Singles mit dem legendären U2-Produzenten Steve Lillywhite auf. Bereits die zweite Single Just For Tonight enterte die Top Ten der UK Single-Charts, auch das Album stieg im Februar dieses Jahres umgehend in die Top 10. Ab Mitte Mai wird der Stein erst richtig ins Rollen kommen, wenn das Album Start a Fire auch bei uns veröffentlicht wird. Christian Schober
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