Southside 08: So wars

Ging ab wie die Feuerwehr: Southside 2008
Southside Festival, Neuhausen ob Eck. Sonne, Musik, Campen. 50.000 Leute, 3 Tage, 3 Bühnen, 63 Bands. Zu den Headlinern in diesem Jahr gehörten unter anderem Maximo Park, Radiohead, Beatsteaks, Billy Talent, The Kooks und die Chemical Brothers. Warum Flip-Flop-Tragen gefährlich ist und was The Wombats zu den Sturmwarnungen zu sagen hatten, sagt euch Eva Deinert.

Zum Reinhören: Kill the Director von The Wombats


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Ausgestattet mit Zelt, Dosenravioli, Sonnencreme und festem Schuhwerk konnten drei Tage Festival auf dem idyllisch gelegenen Hochplateau bei Neuhausen ob Eck kommen.

 

Bereits am Donnerstag strömten die Festivalbesucher auf das Flughafengelände, so dass die begehrten Campingplätze in der Nähe des Festivaleingangs schnell belegt waren. Nach dem Zeltaufbau hieß es dann aber erstmal Deutschland anfeuern. Dank der am Partyzelt aufgebauten großen Leinwand verpassten die Southsider den Viertelfinalsieg der deutschen Mannschaft nicht und feierten ausgelassen bis spät in die Nacht beim Public Viewing.

 

Freitag eröffneten dann Wongkong, die Beck’s On Stage-Gewinner, das Festival auf der grünen Bühne und gaben somit den Startschuss zu einem Line-up, das seinesgleichen sucht! Etwas später weihten Die Mannequin die blaue Bühne mit ordentlichem Punkrock ein. Dass Frontfrau Care Failure dabei immer alles gibt, ist besonders an den von der Gitarre blau geschlagenen Knien auch noch in den hinteren Reihen für alle sichtbar. Abends gaben sich die großen Acts die Klinke in die Hand und der Festivalbesucher hatte die Qual der Wahl: Während die Donots aus Ibbenbüren die Bühne in gewohnt sympathischer und energischer Weise rockten und gleich dem Southside das „Du“ anboten, stimmten schon Razorlight auf der großen Bühne ihre Saiten und The Cribs versorgten die rote Zeltbühne mit 50er Jahre Feeling.

 

Egal ob man sich anschließend für Flogging Molly oder The Pidgeon Detectives entschied, eine Verschnaufpause bei Sigur Rós war vor den großen Headlinern Kooks und Radiohead auf jeden Fall eine gute Idee. Die Isländer sorgten mit geschätzten 20 Klangkünstlern für eine bizarr-entrückte Atmosphäre und ein entspanntes Sit-in rund um die große Bühne.

 

Die Kooks wurden besonders vom weiblichen Publikum mit Sehnsucht erwartet und sorgten für Kreischattacken, die an damalige Take That-Zeit erinnerten. Doch Luke lieferte eine Show ab, die einfach nur mitreißend war und setzte mit seinem weiß-goldenen Haarband mal wieder einen Trend, den es gleich am nächsten Tag im Publikum zuhauf zu bewundern gab.

 

Ein kleiner Wermutstropfen: Parallel zu den Kooks traten Nada Surf auf der Zeltbühne auf, was mich bis zuletzt in einer mittelschweren Entscheidungszwickmühle festhielt. Wer derweil bei Radiohead war, hatte mit tausenden Neonleuchtröhren nicht nur eine sagenhafte Kulisse geboten bekommen, sondern auch eine abgefahren gute Show, trotz des fehlenden Creep.

 

Nach diesem ersten ereignisreichen Tag ging es auch am Samstag schnell zur Sache und die männlichen Festivalbesucher hatten um halb zwei ihr erstes Date. Schließlich hatte sich Rockerbraut Jennifer Weist mit ihrer Band Jennifer Rostock angekündigt und brachte die blaue Bühne zum Beben und Jan Delay im Backstage-Bereich zum Tanzen. „Hast du Feuer?“, fragt Jennifer in ihrem Song völlig unnötiger Weise, wo sie doch selbst ein Vulkan auf der Bühne ist, der auch Frontfrau-Bands-Skeptiker überzeugt!

 

Übrigens war der Samstag ganz in deutscher Hand! Kettcar, gefolgt von Tocotronic und zum Abschluss des Tages Beatsteaks auf der grünen Bühne, Patrice, Deichkind und Jan Delay auf der blauen Bühne. Auf keinem Southside vorher, das in diesem Jahr übrigens zum 10. Mal stattfand, waren jemals so viele deutsche Bands geladen. „Reiner Zufall“, versicherte der Veranstalter, aber trotzdem eine lobenswerte Entwicklung!

 

Während Deichkind ihren Bassisten im Gummiboot über das Southside surfen und auf die Party-Tube drückten, lieferten die Zwillinge Tegan and Sara im Zelt einen emotionalen Auftritt Die zwei talentierten Kanadierinnen mit ihren leidenschaftlichen Texten machen Musik, die sich geradewegs ins Herz bohrt und dort bleibt. Ein absolutes Highlight des Wochenendes! Die Hauptbühne wurde derweilen von den Headlinern aus Berlin eingenommen. Die Beatsteaks als Garantieschein für Rock und gute Laune. Da weiß man, was man hat! Hinterher auf jeden Fall ein verschwitztes Shirt, keine Stimme und blaue Zehen vom Springen!

 

Als Abschluss boten die Chemical Brothers einen Auftritt der besonderen Art. Mit einer sagenhaften Lasershow rundeten sie den zweiten Tag des Festivals ab und lockten aus den total ausgepowerten Festivalgängern noch die allerletzte Tanzenergie hervor.


Am Sonntag sind besonders die Wombats hervorzuheben, die sich fleißig im Deutsch sprechen übten und auch die Unwetterwarnung der Festivalleitung um ein sympathisches „Here gibt es auk gleich eine Sturm auf die Bühne!“ ergänzten! Die Liverpooler rockten mit Kill the director und Let’s dance to Joy Divison das Publikum derart, dass man nur kopfschüttelnd daneben stehen konnte, was für unfassbar talentierte Jungbands eigentlich gerade auf unserem Planeten unterwegs sind. Die Wombats wurden auf der blauen Bühne abgelöst von den Subways und diese wiederrum von Madsen.

 

Da das angekündigte Gewitter ausblieb, rückte dann auch die Feuerwehr an und brachte den bei über 30 Grad zu Deutschrock tanzender, schwitzender Massen die ersehnte Abkühlung. Die hatte auch parallel spielender Kaiser Chiefs Frontmann Ricky Wilson bitter nötig. Mit klatschnassem T-Shirt und feuerrotem Kopf hielt er überraschend tapfer die pralle Sonne auf der grünen Bühne aus. Als dann jedoch die Feuerwehr zur großen Bühne vorgerückt war, ließ er es sich nicht nehmen zu dem Feuerwehrmann aufs Dach zu steigen und mit ihm gemeinsam das begeisterte Publikum zu erfrischen und zu rocken. So erfrischt konnten dann Hardcore-Rocker auch Billy Talent überstehen. Erst zu Maximo Park verabschiedete sich die Sonne und das Southside langsam vom über alle Maßen zufriedenen Publikum.

 

Das Southside blieb trotz rekordverdächtigen 50.000 Gäste friedlich, die häufigste Verletzungen waren Schäden durch Flip-Flop-Tragen: Flip-Flops in der ersten Reihe bei Billy Talent, Flip-Flop-Tragen wenn kochendes Wasser auf den Fuß läuft sowie Flip-Flop-Tragen und durch geöffnete Raviolidosen laufen.

 

Southside, du bist das sympathischste Festival Deutschlands! Ein Reporter, der in Unterhose bekleidet auf den Campingplatz geschickt wird und komplett gekleidet zurückkehrt, das gibt es eben nur bei dir. Wir mögen dich und kommen gerne wieder! (Text und Fotos: Eva Deinert)

 

+++ Beim LAXMag hatte Diana aus Freiburg zwei Tickets für das Southside 08 gewonnen - wir hoffen, es hat Spass gemacht und gratulieren zum jetzt 16. Festivalarmbändchen! +++

 

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