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White Lies: "Bis jetzt leidet keiner unter Depressionen"
Mittwoch, den 10. Dezember 2008 um 12:35 Uhr

Guckt böse, ist aber eigentlich ein ganz lieber: Harry, White LiesNein, sie sind nicht die junge Depeche Mode, tragen aber dennoch gerne schwarz und schreiben tiefgründige Texte. White Lies haben das Zeug dazu, die britische Musikwelt in eine neue Richtung zu lenken. Ines Punessen traf sich für LAX mit Sänger Harry McVeigh im The Joiners in Southampton, um wirklich alles über die Band zu erfahren.


White Lies gibt es seit August/September 2007. Zuvor wart ihr Teil einer Band namens Fear Of Flying. Was bewog euch zu dieser drastischen textlichen, musikalischen und physischen Entwicklung?

McVeigh: Wir spielten in Fear Of Flying seit wir 15, 16 Jahre alt waren. Im Laufe dieser Zeit wurden wir erwachsen. Das Musizieren in dieser Band stellte für uns eine enorme Lernkurve dar, in der wir lernten, Songs zu schreiben und unsere Instrumente zu spielen. Als wir schließlich White Lies gründeten, wussten wir bereits, wie alles richtig gemacht wird. Unsere Songs und Lyrics waren auf einmal viel besser, sodass wir beschlossen, eine neue Band zu gründen und nochmal von vorne anzufangen. Wenn man sich Fear Of Flying und anschließend White Lies anhört, erkennt man, dass Welten dazwischen liegen.

Bevor es zu einer richtigen Tour durch Großbritannien kam, lag bereits eine Amerika-Tour hinter euch, was recht ungewöhnlich für eine junge britische Band ist. Welche Absicht verbarg sich dahinter?

McVeigh: Uns bot sich einfach die Gelegenheit, indem wir sowohl für einen Auftritt auf dem Fuji Rock Festival in Japan als auch für das Loolapaloosa Festival in Chicago gebucht wurden. Aufgrund dieser beiden Festivals war es uns möglich, nach Amerika zu gehen, was für uns bedeutete, dort auf dem gleichen Level wie in Großbritannien beginnen zu können. Entsprechend spielten wir dort einige Shows, um die Leute für uns zu begeistern. Wir wollten es wirklich wissen und ich denke, uns wurde einige Aufmerksamkeit sowohl in Amerika als auch Großbritannien zuteil.

Ihr supportet Glasvegas auf ihrer anstehenden UK-Tour. Was hälst du davon?

McVeigh: Wir sind wirklich begeistert, ein Teil davon sein zu dürfen. Glasvegas sind eine richtig gute Band und wir haben sehr viel Achtung vor ihrer Leistung. Wir haben sie schon einige Male getroffen und es sind wirklich nette, aufrichtige Menschen. Das wird sicherlich ein Spaß mit ihnen. Außerdem halte ich dieses Line-Up für ziemlich gut. Auch wenn sich unsere Musik nicht sonderlich ähnelt, liegen Look und Stimmung unserer Bands auf vielen Ebenen doch recht nah bei einander.

Eigentlich war die Veröffentlichung eures Debütalbums "To Lose My Life ..." für Ende September diesen Jahres angesetzt. Warum wurde daraus nun der 12. Januar 2009?

McVeigh: Wir hatten das Gefühl, mehr Zeit fürs Touren zu benötigen, um mehr Menschen mit unserer Musik zu erreichen. Darüber hinaus wollten wir auch für unsere Single-Veröffentlichungen mehr Zeit einräumen - vor allem in Hinsicht auf Airplay, aber auch um uns einen Namen vor dem Album-Release machen zu können. Die meisten Bands spielen zwei bis drei Jahre zusammen, ehe sie einen Plattenvertrag unterzeichnen und eine Platte aufnehmen. Mit der Verschiebung unseres Album-Releases wollten wir einfach etwas Raum gewinnen, um Erfahrungen zu sammeln und uns darüber bewusst zu werden, in welche Richtung es eigentlich gehen soll.

Ihr habt mal in einem Interview gesagt, dass - wenn ihr einen Plattenvertrag bekommen solltet - ihr ein erstaunliches Album aufnehmen würdet. Mittlerweile seid ihr bei Fiction Records unter Vertrag und außerdem hattet ihr die Gelegenheit, mit fantastischen Produzenten zusammenzuarbeiten. Zum einen Ed Buller, der einige Pulp- und Suede-Alben produziert hat und auch Max Dingel, ein Tontechniker, der Songs von The Killers und Glasvegas arrangiert hat. Sind die finalen Aufnahmen denn jetzt das, was ihr erhofft hattet?

McVeigh: "To Lose My Life ..." war die erste Platte, bei der Max Dingel als Produzent tätig war. Davor war er Tontechniker - wenn auch ein fabelhafter. Bei diesem Album handelt es sich definitiv um den besten Moment unseres Lebens. Wir haben sehr hart daran gearbeitet. Wir haben schon zuvor gewusst, dass es hart werden würde und so war es auch. Wenn ich mir das Album jetzt anhöre, halte ich es für eine erstaunliche Platte. Natürlich denke ich das, schließlich war ich daran beteiligt. Hoffentlich empfinden das aber andere Leute ebenso. Wir sind unglaublich stolz auf diese Platte und ihren Sound.

Kannst du mir etwas über die Idee hinter dem Albumcover sagen?

McVeigh: Hast du denn das Albumcover gesehen?

Ich habe nur ein sehr kleines Bild davon gesehen, konnte aber nicht erkennen, was diese drei Türme darstellen. Sind es Schornsteine?


McVeigh: Ich glaube, bei den drei Türmen handelt es sich um Wassertürme. Das Foto stammt von irgendwo in Amerika. Der Grund, warum wir uns für dieses Bild entschieden haben, ist, dass es eine Fortsetzung zum vorherigen Artwork bildet. Das Cover der Single "Death" besteht aus drei Rechtecken und das nächste Single-Cover wird ebenfalls drei Objekte aufweisen - quasi als eine Verkörperung von uns Dreien. Ausserdem finde ich, dass diese Darstellung sehr gut zu unserer Musik passt. Sie ist sehr auffallend und kräftig.

Ihr konntet also zwischen einigen Fotoaufnahmen auswählen?

McVeigh: Es war ein ständiges Hin und Her mit dem Artwork und der gesamte Prozess nahm wirklich viel Zeit in Anspruch. Als wir dann aber das Bild mit den drei Wassertürmen sahen, empfanden wir es als perfekt.

Crystal Castles haben einen Remix von "Death" aufgenommen. Wie kam es dazu?

McVeigh: Wir waren mit Crystal Castles im Frühjahr dieses Jahres im Rahmen der NME New Noise Tour unterwegs. Ethan von Crystal Castles hörte unseren Song "Death" nahezu jeden Abend auf dieser Tour. Er mochte ihn wirklich gerne und wollte ihn schließlich remixen. Nachdem er mit unserem Manager, dem Label und uns gesprochen hatte, willigten wir ein und das Resultat ist unglaublich - ein wirklich guter Remix.

Viele eurer Songtitel wie eben "Death" oder auch "Unfinished Business", "Black Song" oder "To Lose My Life" haben negative Bedeutungen. Grübelt Charles denn, der bei euch ja für die Lyrics zuständig ist, in seinem Privatleben viel über solche Themen nach?


McVeigh: Als eine Band - Charles natürlich mit einbezogen - denken wir auf jeden Fall auch über solche Themen in unserem Leben nach. Deswegen sind wir aber keine jämmerlichen oder depressiven Menschen.

Ihr verwendet häufig Metaphern in euren Texten. Vielleicht kannst du mir ja beantworten, was sich hinter folgendem Textauszug aus "Death" verbirgt: "I`ll live on the right side, and sleep on the left, that`s why everythings got to be love or death."


McVeigh: Ich kann es versuchen, bin mir aber nicht sicher, ob ich damit Charles´ richtige Intention treffe. Die zwei mächtigsten Faktoren im Leben eines jeden Menschen sind Liebe und Tod. Entsprechend denkt die eine Hälfte in einem über Liebe, die andere über Tod und Dinge, die damit in Verbindung stehen, nach.

Gab es einen Moment mit der Band, der wirklich an euch gezerrt, euch belastet hat?

McVeigh: Ich glaube, bisher hatten wir noch keine Situation, die wirklich belastend war. Mit Sicherheit ist es aber ziemlich hart für lange Zeit von Zuhause weg zu sein. Manchmal nimmt das einen schon mit. Alle in der Band sind aber Gemeinschaftsmenschen, niemand hat Depressionen oder leidet an einer Sucht. Bislang läuft alles noch gut.

Bei Harry McVeigh von den White Lies bedankt sich für das Interview: Ines Punessen.


(21.11.08)

 

Hier geht´s zum Free Download von "Unfinished Business" ->




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