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Wir haben uns in diesem Jahr eher schwer damit getan, wirkliche Hit-Platten aufzutreiben. Bands, deren neueste Werke man sich verzweifelt herbei gesehnt hat, wollten einen mit mittelmäßigen Tonfolgen abspeisen. Gruppen, von denen man noch nie im Leben was gehört hat, lieferten Sounds ab, die sich im Langzeitgedächtnis ebenso wenig festsetzen wollten wie die dazugehörigen Bandnamen. Doch ob man es glaubt oder nicht: Die Musik ist bei Neuerscheinungen nicht immer das schlimmste. Wir zeigen euch Plattencover, für die einige Gestalter eigentlich ihren Job verlieren müssten.
Ganz so schlimme Katastrophen wie das Heino-Cover sind uns glücklicherweise erspart gelieben, doch ein paar üble Optiken haben wir dennoch gefunden, als wir durch unsere Plattensammlung 2011 gewühlt haben.
 Limp Bizkit - Gold Cobra
Was haben wir gelacht! Zum einen, dass es diese Band überhaupt noch gibt. Zum anderen darüber, dass Limp Bizkit offenbar genau so wenig Lust auf sich selbst haben wie wir. Das Cover ihrer neuen Platte spricht jedenfalls für sich. Eine miese Malerei mit Frieda-Kahlo-Einfluss, aber ohne Liebe, auf dem sich drei wilde nackte Frauen gegen die Schlange des Bösen wehren. So viel Interpretationsspielraum das Bild auch bietet, so wenig erschließt sich uns der Sinn dahinter. In irgendeinem Museum könnte sich das Pic vermutlich wahnsinnig gut entfalten - in unserem Plattenregal stört dieses Cover allerdings das Karma seiner Nachbarn.

Katzenjammer - A Kiss Before You Go
Vor drei Jahren wollten wir den Norwegerinnen und ihrem Debütalbum eine faire Chance geben. Mädchenpop muss ja nicht schlecht sein und wer freiwillig von Kaizers Orchestra mit auf Tournee genommen wird, ohne sich dafür nackig machen zu müssen, muss eigentlich gemocht werden. Wir haben es versucht. Wirklich. Wir haben uns sogar darüber gefreut, dass es Katzenjammer mit ihrem Polka-Pop sogar bis ins NDR-Fernsehen geschafft haben. Beim Anblick ihres Albumcovers hört der Spaß allerdings auf. Ja, Fluch der Karibik war ein toller Film. Ja, die Folge-Teile waren auch ein Erfolg. Aber berechtigt der Wahnsinn zwischen Jack Sparrow, Captain Morgan, Damien-Hirst-Totenköpfen und der Piraten-Partei tatsächlich zu solch einem Bandfoto in Massen-Auflage?

Guano Apes - Bel Air
Erinnern wir uns kurz zurück ans Jahr 1997. In der Hochzeit des Crossover machte eine Kombo aus Göttingen von sich reden, deren Bandname uns zwar Rätsel aufgab, deren Sängerin allerdings eine größere Stimme als Nase hatte. Wir waren beeindruckt. Zumindest im Vollsuff oder auf dem Hüttenwochenende. Als die Guano Apes allerdings verzweifelt an ihrem Comeback arbeiteten, waren wir beunruhigt. Das musste ebenso wenig sein wie die Reunion der Kelly Family oder das Baby zwischen Kate Hudson und Matt Bellamy. Was wir jetzt davon haben: Ein Album namens Bel Air, auf dem gefühlt fünf Songs drauf sind und auf dessen Cover Sängerin Sandra Nasic... ja, was denn eigentlich macht? Aufs Klo gehen? Nein, danke.

Radiohead - The King of Limbs
Radiohead sind zurück! Mit einem Album! Schon wieder! Welch frohe Kunde. Welche Rolle hierbei allerdings der "König der Gliedmaßen" spielt, bleibt uns ein Rätsel. Vielleicht war es von seiten Thom Yorks ein Ausdruck der Freude darüber, dass er auch im Rausch der Wohltäterei immer noch den Pinsel schwingen kann? Den Pinsel, der das Albumcover mit zwei unförmigen Gespenstern versehen hat, hätte er beizeigen weg legen sollen. Dann hätten wir uns etwas erspart, das sich möglicherweise besser auf einem Stück Holz gemacht hätte als auf dem Deckblatt einer neuen Platte.

My Brightest Diamond - All Things Will Unwind
Zugegeben, von My Brightest Diamond haben wir bisher noch nicht allzu viel gehört, außer, dass The Decemberists und Sufjan Stevens bekennende Fans sind. Shara Worden heißt der kreative Kopf hinter dem Singer-Songwriter-Projekt und hat in der Vergangenheit auch gerne viel Zeit im Kirchenchor verbracht. Ob Frau Worden in ihrem nächsten Leben lieber Florence Welch geworden wäre, wissen wir nicht. Offensichtlich ist aber, dass sie sich in Sachen Covergestaltung noch eine ganze Menge von der rothaarigen Rockrarität hätte abschauen können. Manchmal ist weniger mehr und mehr einfach zu viel.

Clueso - An und für sich
Clueso ist einer von den Guten. Das haben wir schon 2005 gewusst, als uns der Songwriterapperautorsinger mit seinem Song Pizzaschachteln den "Tag danach" versüßt hat. Nach was dieser Tag kam, spielte angesichts der Lyric-Sound-Kombination meist keine Rolle mehr. Klar ist allerdings auch, dass der junge Erfurter seit seinem Durchbruch vor einiger Zeit nicht nur einem Herrn namens Caspar den Weg bereitet hat, sondern auch ganz schön in die Jahre gekommen ist. Die Titel wurden seichter, die Fans immer jünger, der Held selbst immer älter. Aber das sollte doch noch kein Grund sein, um sich so zerknittert zu geben wie auf dem Cover seiner neuesten Platte.

Niels Frevert - Zettel auf dem Boden
Ein weiterer Meister der deutschen Gesangskunst ist Niels Frevert. Angesichts seiner Texte hätten wir uns allerdings niemals träumen lassen, dass er mit seiner Musik ausschließlich Mädchen ansprechen möchte, die sich ein Einhorn zu Weihnachten wünschen und still und heimlich unter der Bettdecke die "Wendy" lesen. Was Zettel auf dem Boden mit Wildpferden zu tun haben, werden wir eines Tages sicherlich noch erfahren. Bis dahin nehmen wir es uns allerdings raus, das Cover absolut ätzend zu finden.

Kele - The Hunter EP
Bloc Party waren großartig. Damals, als Kele noch eine Band hatte und genug Geld, um ein ganzes Album statt einer EP rauszubringen. Gut, wir wissen nicht, woran der Erfolg zugrunde gegangen ist. Aber wir haben da eine Vermutung: Vielleicht liegt es daran, dass die Plattencover mittlerweile den Eindruck vermitteln, man würde sich ein Album von Craig David kaufen. Ganz ehrlich, so nötig kann es Kele doch gar nicht haben.

Korn - The Path Of Totality
Die Lichtgestalten von Korn haben es eigentlich gar nicht mehr nötig, sich über Plattencover Gedanken zu machen. Die Musik ist es doch, die zählt! Angesichts dessen hätten die Herren der Kategorie "Wir schreien uns glücklich" vielleicht besser auf ihr aktuelles Kunstwerk verzichten sollen - nicht das Album, sondern dessen Bebilderung. Billige Photoshop-Effekte sollen die Special Edition der Platte mit dem nötigen Glanz versehen. Doch manchmal machen Dinge, die blenden, auch blind. Aber nicht schmerzfrei.

Two Gallants - What The Toll Tells
Oh, Die Priester haben eine neue Platte veröffentlicht! Haben sie tatsächlich, aber hätten wir die im Plattenregal haben wollen, hätten wir sie uns gekauft. Und nicht das neue Album von Two Gallants. So ausgeprägt der musikalische Geschmack auch ist, so mangelhaft ist er in Sachen optisches Gespür. Das Cover jedenfalls würde unsere Großmutter neidisch machen, nicht aber unsere Freunde.

Peter Licht - Das Ende der Beschwerde
Es hätte das Ende der Beschwerde sein sollen, doch das Plattencover zwingt uns dazu, jetzt erst recht damit anzufangen. Seltsame Formen und abgehackte Gliedmaßen rufen beim Anblick des Albums teils Kunstverständnis, teils Ekel hervor. Die Mischung aus Trash und Modern Art mag bei Berliner Hipstern mit Nerdbrille und Sucht nach Vernissagen vermutlich ein seichtes Gefühl von Freude hervorrufen. Wir wollen uns mit überschwänglichem Lob allerdings noch bis zu unserer nächsten Berlinreise zurückhalten.

Angels & Airwaves - Love: Album Parts One & Two
Manchmal wird der Mann im Mond... von einem Grafiker oder neudeutsch Photo Designer abgeschossen und endet als Motiv eines verdammt schrecklichen Plattencovers - jüngst geschehen beim neuen Werk von Angels & Airwaves. Die haben sich kurzerhand entschieden, ihren Namen zum Programm zu machen und mit viel Wortwitz und der künstlerischen Inspiration diverser Daft-Punk-Videos etwas zu schaffen, auf das wir auch hätten verzichten können.

Bright Eyes - The People's Key
An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass wir dieses Cover eigentlich gar nicht in die Mangel nehmen wollten, da eine Anhängerin der LAXMag-Redaktion unter der Hand als die imaginäre Ehefrau von Conor Oberst durchgehen könnte. Aus Rücksicht auf ihre Gefühle hatten wir uns wirklich vorgenommen, dieses Bild einfach rauszulassen. Doch wer hätte das gedacht: Eben diese Dame hat das Cover in diese Liste "geklagt" mit der Begründung: Selbst sie als großer Fan der Band sehe ein, dass dieses Cover in die Tonne gehört. Aus Rücksicht auf ihre Gefühle kommen wir also nicht umhin zu erwähnen, dass dieses Flammenspektakel selbst Freunde der Bright Eyes an ihrer Liebe zur Band hat zweifeln lassen. Zu recht.
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