| LAXLieblinge: Ghost of Tom Joad |
| Saturday, 24 May 2008 23:07 | |
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Henrik Roger (Gesang/ Gitarre), Jens Mehring (Bass/ Gesang) und Christoph Schneider (Schlagzeug/ Gesang): Seit 10 Jahren befreundet, seit einem Konzert der schwedischen Indieband Logh 2006 eine Band und durch gute Connections zur Musikszene auch eine Band mit einer ersten Platte. Produziert von Dennis Scheider (muff potter) und im Vertrieb von Indigo, da kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen. Schon jetzt heben sich GOTJ deutlich aus dem Pool der deutschen "Newcomer" ab. Die drei sehen es gelassen, schließlich machen sie immer noch "den gleichen Quatsch wie immer". Das Album No Sleep Until Ostkreuz, seit Februar diesen Jahres in den Läden, klingt allerdings gar nicht mal so sehr nach Quatsch. Die musikalische Sozialisation von Ghost of Tom Joad mag von (kalifornischem) Punkrock ausgehen, hören tut man davon aber nicht mehr ganz so viel. Es wird zwar noch ordentlich und mit viel Drive geschrammelt, aber kein Lied VERschrammelt oder gecrasht. Alles ein bisschen reduziert bzw. elegant, aber mit viel Fun und Dynamik. Ne Menge Songs zum laut aufdrehen, Mitsingen, Abgehen, zum Hören beim zügigen Rad- und Autofahren. Schwierig, hier die Wörter "eingängig", "Ohrwurm" und "tanzbar" nicht anzuführen. Tipps für’s erste Hören: Renegades Of Love und Learning By Dying. Die Münsteraner selbst beschreiben ihre Musik wie folgt: "Wir sind eine Rockband. Also jetzt nicht Bon Jovi, Queensryche oder Kiss, sondern viel Ärger in der Pubertät, ganz viel Teenage Fanclub, die Beatles, Stress mit den Mädchen, Deutsch Amerikanische Freundschaft, Fender Telecaster, Ich weiß nicht was ich mit meinem Leben anfangen soll aber um jetzt darunter zu springen fehlt mir der Mumm und the Jealous Sound." Die Songtexte drehen sich tatsächlich um junge Themen, oder vielleicht eher um Jungs-Themen, denen sich Mädchen auch gern annehmen können. Vorgetragen werden diese von jungen, wilden Stimmen. Freundschaft, viel Liebeskummer, viel Ärger, Trotz, durchwachte Nächte und neuer Antrieb. Dahinter steckt allerdings noch deutlich mehr Tiefgang, als man anfangs meinen möchte. Das zeigen so schöne Liedtitel wie Survive n'est pas vivre! und Liedzeilen wie "Everytime they said ‚hi’, they meant ‚fuck you`". Diesem kleinen Funken Ernsthaftigkeit gekoppelt mit einer sympathischen downtoearth-attitude ist dann vielleicht auch die bewusste Abgrenzung vom Deutsch-Indie-Pop(-Klischee) und überstyltem Brit-Rock zu verdanken. Schon weit entfernt von der Keller- bzw. Garagenmusik aber noch keine übertriebene Show mit Glam und Glitzer oder den falschen Experimenten, sehr angenehm. Die Frage nach der Bestätigung durch ihren Erfolg mit dem Musikmachen beantwortete Henrik per Mail sehr treffend. Daher hier ungekürzt: "Mit der Bestätigung ist es ungefähr so wie mit Sprühsahne. Man isst jahrelang seinen Apfelkuchen pur und denkt sich ‚Alter, geil, geil. Apfelkuchen ist immer wieder super. Ich könnte stundenlang hier sitzen, Thunderdome hören und diesen Apfelkuchen essen.’ Irgendwann bleibt von der Kommunion deines kleinen Cousins eine Dose Sprühsahne über und du probierst die. Erst langsam und unschuldig doch dann geht es mit dir durch, du setzt an und machst das ganze Ding leer. Wir machen auch schon seit vielen Jahren Musik und uns war das immer irgendwie scheiß egal, wie die Leute uns fanden. Das ist auch heute noch so. Aber es ist unheimlich schön, wenn ich von Jens Freundin höre, dass sie dieses eine Lied jetzt echt super findet. So was bedeutet was, wenn dir Leute etwas Schönes sagen, die da sonst nicht so mit um sich schmeißen. Beste Bestätigung habe ich übrigens von einem Mädchen nach einem Konzert in Aachen bekommen: ‚Boah so wie du Gitarre spielst merkt man voll, dass du persönliche Probleme hast’. Geil oder? Und dann kommt der Moment, in dem ich die Sprühsahne ansetze und Gas gebe." Das Rezept "Machen worauf wir Lust haben, ohne an morgen zu denken" geht also auch in durch kommerzialisierten Zeiten noch voll auf und nicht jede Band sieht mit vom Ehrgeiz zerfressenen Gesichter auf ihr Publikum herab. Immer wieder beruhigend, dies zu erkennen. In nächster Zeit wird dann nicht nur Münster The Ghost of Tom Joad im Auge behalten. Im Sommer wird die Band gut unterwegs sein und auf zahlreichen Festival-Bühnen wie bei den Van Cleef Festen Liveeindrücke hinterlassen. Da kann man nur viel Spaß wünschen… on stage and below! Mirjam Miethe
Trivia: Für solche, die in Englisch nicht dazu angehalten wurden The Grapes of Wrath ("Die Früchte des Zorns") von John Steinbeck zu lesen, ist die Romanfigur Tom Joad wohl kein Begriff. Wer allerdings in Rockgeschichte aufgepasst hat, erinnert sich vielleicht an Bruce Springsteens Song und das gleichnamige Album The Ghost of Tom Joad von 1995. Coverversionen gibt es auch diverse u. a. von Rage Against The Machine. Aber auf den Bandnamen sind die Jungs dann wie sooft doch eher zufällig auf erwähntem Logh Konzert gestoßen.
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