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Kevin Devine: München
Wednesday, 10 March 2010 16:26
Kevin DevineEin paar Zuschauer haben sich kurzerhand eines der Sofas vor die Bühne im Orangehouse geschoben, wo Kevin Devine & The Goddamn Band am Dienstagabend gastierten. Tatsächlich ist der New Yorker für seinen eher ruhigen Singer-Songwriter-Folkpop bekannt. Ob es eine gute Idee war, das Konzert im Sitzen zu genießen, weiß Sara vom LAXMag.

Als Support hat Kevin Devine seinen Labelkollegen Krist Krueger, Frontmann der Band Southerly mitgebracht. Der etwas kauzige wirkende Musiker aus Portland/Oregon trägt seine Songs alleine mit einer Akustikgitarre vor. Mit dem vielschichtig arrangierten, ja nahezu orchestralen Sound von Southerly hat das nicht viel zu tun, ist aber dennoch wunderbar anzuhören. Denn mit seiner charakteristisch tiefen und vollen Stimme zieht Krist Krueger die noch nicht allzu zahlreich Anwesenden schnell in seinen Bann. Zwischen den Songs teilt er dem Publikum alles mit, was ihm gerade so durch den kapuzenbehängten Kopf geht und sorgt damit für Lacher. Sympathiepunkte erntet Krist Krueger aber auch durch die Performance eines, wie er sagt, völlig neuen Songs, den er erst zwei Tage zuvor fertig geschrieben hat.

Ein gelungener Auftakt für das, was nun folgen soll. Mit You Are The Daybreak vom 2005er Album Split The Country, Split The Street eröffnen Kevin Devine und seine Goddamn Band ihr Set. Vom ersten Ton an wirkt der Sound der vierköpfigen Band wie aus einem Guss, was sicher auch ein Resultat der schon drei Wochen andauernden Tour ist. Kevin Devine und seine Mitmusiker - die nach eigener Aussage auch abseits der Bühne seine engsten Freunde sind - harmonieren perfekt und beeindrucken mit enormer Spielfreude. Spätestens bei Another Bag Of Bones von der aktuellen Platte Brother's Blood wird deutlich: Wer nur ein ruhiges Singer/Songwriter-Konzert erwartet hat, der ist hier falsch. Kevin Devine & The Goddamn Band geben tatsächlich eine lupenreine Rockband ab. Hin und wieder scheint sogar die Grunge-Vergangenheit des New Yorkers ein wenig durch - etwa wenn er sich vom Mikrofon entfernt, um seine Worte lauthals herauszuschreien.

So wirken die Zuschauer auf dem Sofa tatsächlich etwas fehl am Platz. Bis zur Mitte des Sets, wo die Band die Bühne verlässt und Kevin Devine sich dem Publikum von einer ganz anderen Seite präsentiert. Alleine mit seiner E-Gitarre trägt er einige ruhigere Stücke vor, darunter einen nagelneuen, unveröffentlichten Song. Es wird mucksmäuschenstill im Orangehouse und alles lauscht andächtig der Stimme des Sängers, die bei diesen Liedern noch reiner und weicher als sonst, ja fast zerbrechlich-schön klingt. Und den Zuhörern scheint es zu gefallen: Als Kevin Devine fragt, ob man noch ein schnelleres oder lieber ein langsames Stück hören möchte, tönt es laut und euphorisch "Slow!" aus den Reihen des Publikums. Und darum lässt sich der New Yorker nicht lange bitten

Der Enthusiasmus der Zuhörer, der sich in energischem Applaus nach jedem Stück niederschlägt, bleibt natürlich auf der Bühne nicht unbemerkt. Auch wenn das Orangehouse nicht ganz gefüllt ist, merkt man Kevin Devine und seiner Band die Freude über jeden einzelnen Besucher deutlich an. Gegen Ende des Konzerts bedankt sich der Sänger beim Publikum. Er sage so etwas nicht leichtfertig, aber von all seinen Konzerten in München habe ihm dieses am besten gefallen. Dafür revanchiert sich Kevin Devine in der Zugabe mit einem herzerweichenden Cover von Leonard Cohens Chelsea Hotel No. 2 - dies sei momentan sein Lieblingssong - und einer Akustikversion von Ballgame: "It's what you've become and it's what you will stay." Dieser junge Mann jedenfalls ist mit Leib und Seele Musiker - und gehört nirgendwo anders hin als auf eine Bühne. Das hat er an diesem Abend einmal mehr auf wunderbare Art und Weise bewiesen. Sara Haußleiter





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