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Southside 09: So war's
Tuesday, 30 June 2009 21:01

Geregnet und gerockt: Southside 2009Neuhausen ob Eck 2009. Während im letzten Jahr der Wettergott dem Southside Sonne nonstop bescherte, schien er in diesem Jahr den Wasserhahn gar nicht mehr abstellen zu wollen. Trotzdem rockten wieder über 50.000 Festivalisten derbe zur Musik von The Ting Tings, Franz Ferdinand, Kings of Leon, The Rakes, Kraftwerk und vielen anderen.

 

Wer schon am Donnerstag angereist war, erhaschte nicht nur die letzten Sonnenstrahlen vor dem Wochenende, sondern konnte auch sein Zelt im Trockenen aufbauen. Auch wenn zu diesem Zeitpunkt das Festival noch nicht mal ausverkauft war, hatten sich schon mehrere tausend Menschen eingefunden, die besten Plätze zu sichern. Musikalisch ging es dann am Freitag unter anderem mit Paolo Nutini los, gefolgt von den bärtigen Fleet Foxes auf der Blauen Bühne. Parallel war Lily Allen auf der großen Grünen Bühne zu bewundern und verdrehte erwartungsgemäß den männlichen Besuchern den Kopf. Dort ging es weiter mit Keane, gefolgt von den deutschen Live-Acts Fettes Brot und Die Ärzte.

 

Im Zelt der Red Stage hingegen wurde der Freitag elektronisch beschlossen. The Whip verlangten den Zuschauern alles ab und schlossen mit ihren Hit Trash ein gnadenlos energisches und sensationelles Konzert. Zu toppen war diese Performance nur durch den sagenhaften Hüftschwung des Friendly Fires-Frontflummys Ed Macfarlane, der nicht nur herumsprang, tanzte, sang und performte was das Zeug hielt, sondern sich auch im Rhythmus zur Musik das Mikrofon an den Kopf hämmerte. Wem nicht die Tanzwut angesichts der Burner wie Paris, Jump in the Pool, On Board oder Photobooth packte, der stand mit aufgerissenem Mund vor der Bühne und verfolgte kopfschüttelnd die Show von Macfalane. Nick Cave sang währenddessen seine großen Hits und beschloss mit einer ebenfalls energiegeladenen, wenn auch etwas weniger exzentrischen Performance den Freitag auf der Blauen Bühne.

 

Der Samstag startete bereits am Mittag mit Bosse, für den extra um die 2.000 Menschen das warme Zelt gegen den Regen auf dem Festivalgelände getauscht hatten. Gelohnt hat es sich alle Mal. Bosse gab das Mikro an den Geheimtipp des Festivals schlechthin weiter: Friska Viljor aus Schweden. Dass Schweden rockt, wissen wir nicht erst seit Mando Diao. Doch Friska Viljor sind ein anderes Kaliber, sie spüren und versprühen ihre Musik, die einfach ins Bein geht durch eine Mischung aus Indierock mit Ska- und Spaßpunk-Einschlägen. Friska Viljor - ein Name, den man sich unbedingt merken und unbedingt in Old Man und Gold vom Album Bravo! reinhören sollte. Danach folgte von Johnossi wie immer eine Hammerrockshow dafür, dass da nur ein Sänger/Gitarrist und ein Schlagzeuger auf der Bühne sind. Zu zweit lassen sie es auf der Bühne immer krachen, wie es andere nicht mal zu fünft hinbekommen. 18 Karat Gold und Man must dance waren die gefeierten und hart betanzten Hits.

 

Ihnen folgte Gaslight Anthem - eines der Highlights des Festivals überhaupt! Brian, Benny, Alex und Alex hatten bei ihrem Auftritt so viel Spaß und genossen das Konzert wie kaum eine andere Band. Von Brians sympathischem Dauergrinsen und seinen Lachkrampf bedingten Gesangsausfällen hätte sich Editors Frontmann Tom Smith ruhig eine Scheibe abschneiden können. Denn er riss nicht nur sein Set runter, sondern machte dabei außerdem einen recht betrunkenen und aggressiven Eindruck, der darin gipfelte, dass er seine Gitarre auf der Bühne schrottete und anschließend auf sein Klavier stieg. Instrumentekaputtmachen war schon in den 90ern nicht mehr cool und wurde auch mit einem protesthaften „Ey!" des Publikums geahndet.

 

Doch zwischen dem grandiosen Konzert von Gaslight Anthem und dem zweifelhaften Auftritt der Editors wurde es superhot und sexy auf der Bühne: The Sounds-Frontfrau Maja Ivarsson kam mit einem Outfit auf die Bühne, für das sie eigentlich einen Waffenschein gebaucht hätte: Hotpants, Highheels und Polizisten-Ledermütze. Klar, dass sie nur "Da ist sie endlich!", "Schau dir das an" und "Uah! Geil!"-Kommentare erntete. Als sie dann auch noch mit Hit me! und Tony, the Beat (mit der berühmten Textzeile: "Don't stop push it now") ihre heiße Show eröffnete, war es gänzlich um die Männer im Publikum geschehen. Aufgeheizt von ihren aufreizenden Tanzdarbietungen, wurde der nächste Regenschauer als willkommene Abkühlung regelrecht herbeigesehnt. Maja performte nicht nur eine Mischung aus Sex und unnahbarer Rock'n'Roll-Göre, sondern sang sich auch noch die Seele aus dem Leib, so dass am Ende alle einfach beeindruckt vor der Bühne zurückblieben - und sich erstmal eine Zigarette ansteckten. Ein weiteres Show-Highlight waren Franz Ferdinand, die mit einer großartigen Darbietung ihr aktuelles, elektronisches Album kreativ live umsetzten, an Keyboard und Trommeleinlagen nicht sparten und auch ihre großen Hits wie Take Me Out, This Fire und Do You Want To anstimmten. Mit ihrer offenen, sympathischen Art verbreiteten sie eine Menge gute Laune und überzeugten auch die Franz Ferdinand-Skeptiker, die vor der Bühne eigentlich nur auch Kings Of Leon warteten.

 

Natürlich waren die Brüder aus Tennessee dann auch der Act, der außer Konkurrenz lief an diesem Tag. Sie boten eineinhalb Stunden einen Querschnitt durch ihre bisherigen Alben. Als Opener wählten die Kings of Leon Crawl von der aktuellen Platte Only by the Night, dessen Hits Sex on Fire und Use Somebody die Kracher des Abends waren. Aber auch Molly's Chambers, Fans, Slow Night, So Long und Charmer wurden euphorisch beklatscht. Um die 20 Songs präsentierten das etwas schüchterne und keineswegs arrogante Quartett, das Sympathiepunkte mit der ehrlichen und herzlichen Äußerung erntete: "Wir kommen aus Nashville, Tennessee, und hätten uns niemals träumen lassen, überhaupt eines Tages nach Deutschland zu reisen. Und nun stehen wir hier auf dieser großen Bühne." Nach einer tollen Performance verabschiedeten sich die Kings of Leon und schickten die Fans in ihre wohlig warmen Schlafsäcke.

 

Der Sonntag startete zur Abwechslung mal mit Sonnenschein und einer Stunde Verspätung. Denn die Blaue Bühne galt es für den Kraftwerk-Auftritt am Abend zu präparieren, was dazu führte, dass nicht nur die Fans, sondern auch The Rakes warten mussten. Zu verkraften war das allemal, lud doch das Heu, das am frühen Morgen vor der Bühne platziert wurde und für Trockenheit und Wärme von unten sorgte, zum Relaxen a la Urlaub auf dem Bauernhof ein. Als dann die Rakes mit ihrer schrägen, comedyhaften Performance selbst die letzte Alkoholleiche wachrüttelten und zum Tanzen brachten, gab es kein Halten mehr: Zum Höhepunkt und Rausschmeißer The World Was A Mess (But His Hair Was Perfect) setzte eine riesige Heuschlacht ein, die nicht nur vor der Bühne für gute Laune sorgte, sondern auch Frontmann Alan Donohue zum amüsierten Staunen brachte. Ein fulminanter, wenn auch stachliger Auftakt in den Abschlusstag des Southsides! Leider verzögerte sich auch der weitere Zeitplan der Blauen Bühne aufgrund der Verspätung, die - um es nochmal zu sagen - nicht an den Rakes lag.

 

Noch dazu kam, dass The Ting Tings ein wenig vom Pech verfolgt waren, denn während des Konzerts fiel immer wieder Katie Whites Mikrofon aus und / oder der Mikrofonständer sackte in sich zusammen. Als dann auch noch ihre Bass-Drum nach hinten von der Bühne fiel, nachdem sie gnadenlos auf sie eingedroschen hatte, erntete die Frontfrau mehr als Applaus, regelrechte Jubelstürme. Denn je mehr Pannen auftraten, umso energischer, wilder und leidenschaftlicher rockten Katie und Jules De Martino. Zum großen Finale - That's not my name - gab das Mikro gänzlich den Geist auf, woraufhin Katie zu Jules auf das Schlagzeug-Podest stieg, um in sein Mikrofon singend, das Lied zu Ende zu bringen - auch wenn das bedeutete, für den Rest des Songs dem Publikum den Rücken zuwenden zu müssen. Aufgeben? Ein Fremdwort für Katie, was man schon anhand der Bandgeschichte erahnen konnte und nun live zu sehen bekam. The Ting Tings waren definitiv eine der besten Bands an diesem Wochenende.

 

Den Sonntag konnte der geneigte Festivalgänger entweder ruhig und sphärisch beschließen mit Portugal. The Man und Get Well Soon im Zelt oder elektronisch mit Moby und Kraftwerk auf der Blauen Bühne oder derbe rockig mit Social Distortion und Faith No More auf der Hauptbühne. Für Portugal. The Man sprach nicht nur der einsetzende Regen, der zur Freude der Band ein volles Zelt bescherte. Die Herren aus Alaska zelebrierten einfach eine ganz andere Form von Musik, der man nicht nur zuhörte, sondern die es zu erleben und erfahren galt. Get Well Soon beeindruckten durch reinen Geang und perfektes Instrumentenspiel gnadenlos und brachten mit ihren melancholisch-schwermütigen Melodien ein wunderbar sentimentales Abschiedsgefühl in den letzten Abend des feucht-fröhlichen Festivalwochenendes. Die Laser- und Video-Show von Kraftwerk war anschließend genau der richtige Rausschmeißer, denn da galt es nur zu stehen, zu gucken und zu staunen, was zu Das Model und Autobahn gezeigt wurde.

 

Wir sagen: Bis bald, Southside! Wir freuen uns auf nächstes Jahr! Denn trotz hartnäckiger Gerüchteküche versicherte der Veranstalter FKP Scorpio und der Inhaber des Take-Off-Parks in der Abschlusspressekonferenz, dass auch im nächsten Jahr, das Festival wieder in Neuhausen ob Eck stattfinden wird. Ob dann wieder mit 50.000 Gästen und 67 Bands? Wir hoffen es sehr.
Übrigens: Auch in diesem Jahr wurden wieder für die Viva Con Aqua-Aktion Pfandbecher gesammelt. Der gespendete Pfand geht zum Aufbau von Brunnen an Projekte in Afrika. Bis Sonntag Nachmittag wurden ca. 3.400 Becher gesammelt. Davon wurden etwa 2.000 auf Die Ärzte geworfen. Eva Deinert

(19.06.21.06.2009)




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