|
Seit über zehn Jahren dürfen wir uns darauf verlassen, mit neuen Muff Potter-Songs versorgt zu werden. Dieses Jahr ist es wieder soweit: Gute Aussicht kommt in die Plattenläden und uns haben sich eine Menge Fragen aufgefrängt. Nagel konnte sie beantworten.
Die neue Platte "Gute Aussicht" steht in den Startlöchern. Welche guten Aussichten haben euch denn zu diesem Titel veranlasst?
Nagel: Die ebenso unspektakuläre wie ehrliche Antwort: Der Titel war zunächst nur ein Arbeitstitel, ein Platzhalter sozusagen, weil einer der neuen Songs so hieß. Im Prozess des Aufnehmens hat "Gute Aussicht" uns als Titel der Platte dann immer besser gefallen, weil es so positiv klingt. Gerade in Verbindung mit dem schroffen Sound der Platte und dem Album-Artwork, den Collagen auf der Basis von kitschigen Wandbildern aus alten Abrisskalendern, war für uns gegen Ende der Produktion klar, dass zum ersten Mal bei Muff Potter der Arbeitstitel auch der richtige Titel bleiben würde. Früher hatten wir allerdings auch Arbeitstitel wie "Zossenpektus" oder "Endlich mal etwas anderes als immer nur eine normale Badeinsel"...
Euer Sound hat in all den Jahren die Punkschiene eigentlich nie verlassen. Weicht ihr mit neuen Ideen immer auf neue Projekte aus oder ist in naher Zukunft – vielleicht sogar auf dem nächsten Album - auch eine größere Veränderung in Sachen Klang absehbar?
Nagel: Es gibt auch Leute, die das genau Gegenteil behaupten und sagen, jede unserer Platten klinge absolut anders und Punk sei das sowieso nicht mehr. Ich selbst kann mich da nicht entscheiden – einserseits lassen wir schon neue Einflüsse zu, probieren immer wieder andere Arrangements oder auch andere Instrumente aus, andererseits stehen wir aber nun einmal in erster Linie auf Lautstärke, Energie und Gitarren.
Letzten Endes geht es uns um gute Songs und nicht um ausgelutschte und sinnentleerte Worthülsen. Was ist "Punk" 2009? Oder "Indie", oder "Pop"? Wir sind auch raus aus dem Alter, in dem man glaubt, alles was man bei anderen gut findet selbst machen zu müssen. Ich zum Beispiel bin großer Fan von The Notwist – aber es ist für mich völlig undenkbar, solche Musik zu machen. Dafür bin ich sowohl technisch zu unbegabt als auch viel zu ungeduldig. 2008 habe ich größtenteils schwarze Musik aus den 50ern und 60ern gehört, Soul, und ein bißchen Funk oder Jazz. Ich glaube sogar, daß es mich und mein Songwriting enorm beeinflusst hat.
Aber ob man das letztlich bei Muff Potter raushört, ist mir ziemlich egal. Wir haben jedenfalls nicht das Gefühl, dass es musikalische Ideen gibt, die wir bei Muff Potter nicht umsetzen können. Wenn man einen Hardcore-Klopper wie "Alles war schön und nichts tat weh" zusammen mit einem fragilen Song wie "Mein Freund, das Wrack" auf einer Platte unterbringen kann, ohne dass die Platte wie eine zusammengewürfelte Compilation klingt, dann hat man doch schon ein recht großes musikalisches Spektrum.
Eure Texte lassen oftmals vermuten, dass ihr mit dem System, nach dem unsere Gesellschaft funktioniert, eher weniger bis überhaupt nicht einverstanden seid. Wenn ihr die Chance hättet, der heutigen Jugend mit eurem heutigen Wissen etwas mit auf den Weg zu geben, das in jedem Fall Früchte tragen würde, was wäre das?
Nagel: Ich bin weder Pädagoge noch Politiker, und erhobene Zeigefinger sind mir seit jeher suspekt. Wenn ich in dem Zusammenhang einen Text von unserer neuen Platte zitieren darf: "Schlimmer als nichts zu wissen ist nichts zu wissen, und das Gegenteil zu behaupten". (aus "Wie spät ist es, und warum?")
Wie vereinbarst du all deine laufenden Projekte mit der Band? Ich stelle es mir sehr schwierig vor allem die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken. Bleibt manches da nicht auf der Strecke?
Nagel: Nein, ich habe umgekehrt das Gefühl, noch viel mehr machen zu können. Ich meine, die letzte Muff Potter-Platte ist vor zwei Jahren erschienen. Mein erster Roman schon vor fast zweieinhalb Jahren. Zwischendurch mal ein paar Projekte mit Kreator, Herrenmagazin oder Chuck Ragan, aber das ist ja auch nichts was einen wochenlang beschäftigt. Ich habe nun mal relativ viel Output und solange das so ist, will ich mich da auch nicht selbst bremsen.
Das haben Pablo Picasso, Henry Rollins, Billie Holiday, Greg Dulli, Paul Auster, Charles Bukowski, Jörg Fauser und Monty Python ja zum Glück auch nie getan. Wenn irgendwas auf der Strecke bleibt, dann sind es bürgerliche Aspekte wie geregelte Tagesabläufe, Sicherheit und Monotonie - worauf ich aber auch getrost verzichten kann.
Was war der für dich beeindruckendste Moment mit Muff Potter?
Nagel: Ich glaube unschlagbar war es, das erste Mal eine Vinylschallplatte der eigenen Band in der Hand zu halten. Ansonsten sind es die Momente, wenn man ein neues Lied macht, die einen jedes mal wieder kicken. Auf Tour gehen oder Platten herausbringen ist super, aber die größten Momente passieren abseits davon. Nicht im Rampenlicht, sondern wenn man alleine ist oder maximal zu viert und etwas erschafft, das es vorher nicht gegeben hat. Ein neuer Song, wie eine Geburt. Das ist toll, ein absoluter Rausch und hochgradig süchtigmachend.
Bei Thorsten "Nagel" Nagelschmidt von Muff Potter bedankt sich für das Interview: Stephanie Gmeiner
(2009)
|
Schulzkowski is super unbedingt mehr davon
Noch was zum Thema: http://likeitis93.blogspot.de/2012/03/save-olli-schulz.html
diese kritik ist sehr schön, weil sie sich ausnahmsweise mal nicht schema f<...
und was war besonders? Welche Songs in der Setlist? Wie viele Instrumente
Für diejenigen, die es interessiert: Ich hab auf meinem privaten Blog noch e...