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Moosenmättle 09: So war´s
Monday, 20 July 2009 01:00

Plus Guest waren der unerwartete Favourit des Moosenmättle Open Air 2009Auf einer kleinen Lichtung mitten im Schwarzwald, da ist die Welt noch in Ordnung. Während die Festivalsaison in ganz Deutschland an Unwettern zu scheitern droht, fragen sich Bands und Besucher des Moosenmättle Open Airs 2009, ob am Ende des engen, mit Schotter besäten Weges tatsächlich ein Festival wartet.


Als Sonnenrot, Obstwiesenfestival und Melt ihre Campingplätze evakuieren und vorzeitig das Programm abbrechen müssen, wird auf der kleinen Lichtung im Sonnenschein getanzt und Glühweintassen gegen die Kälte gen Himmel gestreckt.

So zeigt sich der Wettergott also gnädig, als acht Bands aus dem Kinzigtal und der Welt die knapp 800 Besucher des Moosenmättles anheizen und ihre Konzentration weg von den eisigen Temperaturen hin zur Sonne und den fabelhaften Klängen lenken.

Um halb sieben Uhr abends startet das heimelige Schwarzwald-Festival ungewohnt früh und nach 26 Jahren auch zum ersten Mal an einem Samstag. Solange sich die rüstigen Rock-Dinos von Los Brillos aus Wolfach auf ihren Auftritt auf der "Bühne der Generationen" vorbereiten, spielt sich die Schülerband Fullstop mit ihren drei bezaubernden Frontmädchen und eigens aufbereiteten Coverversionen die Seele aus dem Leib. Einsatz, der mit selbstgemalten Fanplakaten der Realschule Haslach und Jubelrufen belohnt wird.

Ebenfalls bejubelt werden die sieben Musiker von LateCastle AndHe WhiteAutumn, die das Hauptprogramm des Abend eröffnen: Spontan eingesprungen für Contenance in the fridge begeistern die Furtwängler mit Rockabilly edelster Sorte, eigenen Songs und einem mehr als gelungenen Queens Of The Stone Age-Cover. Die Performance überrascht mit einer Professionalität, die über die einheitliche Kleiderwahl hinausgeht und sich nicht zuletzt in der ausgewählten Stilmischung von Rock´n´Roll, Pop und Folk offenbart.

Ein Stilmix, der beim Moosenmättle funktioniert und langsam aber sicher tanzendes Publikum für die Bühne lockt. Zur Freude von Jake Roeder, der mit Band und eigener Gitarre die Nachfolge von LateCastle AndHe WhiteAutumn antritt und seine Singer/Songwriter-Qualitäten unter Beweis stellt. Gute-Laune-Songs in Jack-Johnson-Manier treffen auf tiefgreifende Lieder über die Liebe und das Leben und lassen die Festivalbesucher zwar ruhiger werden, aber auch enger zusammenrücken.

Doch für Kuscheln bleibt nicht viel Zeit. Nach einer dreiviertel Stunde wird softes Saitenzupfen von kreischenden Gitarren abgelöst, die das Konzert von Plus Guest aus Straßburg einleiten. Garage-Rock, der sonst die Indie-Clubs in Frankreich und Berlin füllt, wird innerhalb kürzester Zeit zum absoluten Highlight des Festivals erkoren. Im Publikum wird getuschelt über "die Franzosen, die da oben echt eine wahnsinns Show abliefern" und "bestimmt noch ganz groß rauskommen" - die da kamen, sahen, siegen und deren Titel Tested me, right? sich an diesem Abend und für immer in den Gehörgängen der Besucher festfrisst.

Papalagi, ihrerseits Nationalhelden des Kinzigtals, und die Headliner The Intersphere alias Hesslers vervollkommnen den Abend mit atmosphärischen Shows, fesselnden Instrumentenriffs und Melodien, die tiefer ans Mark gehen als die Kälte dieser Sommernacht. Steigern kann diese Emotionsmomente keiner mehr, höchstens anpassen:

Zur Nachtschicht um kurz vor zwei Uhr betreten Desaster Area die Bühne, bekannt für rockig-schnelle Covernummern aus eigener Interpretationsfeder und mit Dosenfreibier bewaffnet, um die immer noch feierwillige Masse vor der Bühne in ihren Feierabend im wortwörtlichsten Sinne zu spielen.

Nach acht Bands und neun Stunden ist das Schwarzwald-Spektakel schließlich zu Ende, die Gäste glücklich, auf beiden Seiten der Bühne. "We were a little be afraid of the setting of the night but it was awesome!", schwärmen Plus Guest und fassen, was Einheimische längst wissen: Das Moosenmättle Open Air ist etwas Besonderes. Nina-Carissima Schönrock


(18.07.09)


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