| Melt! 10: So war's |
| Thursday, 22 July 2010 21:24 | |||
|
Es macht den Eindruck, das Melt! könnte niemand mehr aufhalten. Die Location ist unvergleichbar, wenn nicht die beste Festival-Location Deutschlands: Entspanntes Camping, Badesee, Natur und Abgeschiedenheit und natürlich Ferropolis, die "Stadt aus Eisen". Vom alten Eisenabbau- zum Festivalgelände hat es diese weit gebracht und als Zeugen dessen ragen noch immer die alten Abbaukräne weit in den Himmel. Schon die ersten Schritte über das Festivalgelände versprachen etwas besonderes. Von weitem ließen sich satte Beats aus dem Sleepless Floor erkennen und als die goldenen Sonnenstrahlen immer spärlicher wurden, nahmen die Strahler der gigantischen Lichtshow deren Platz ein. Dieses Gefühl wollte einen bis zum Ende auch nicht loslassen. Die Party war allgegenwärtig. Zum musikalischen Einstieg gab es nach dem Audiolith Pferdemarkt am Donnerstagabend, auf dem Bratze, Frittenbude und Egotronic vertreten waren, am Freitag die volle Ladung an indielastigen Bands. Verantwortlich für schweißtriefendes Tanzschuhwerk zeigten sich dafür unter anderem Bonaparte, wie immer mit viel nackter Haut und einer recht skurilen Bühnenshow, die Shout Out Louds, deren letztes Album Work allem Anschein nach genauso gut live ankommt, wie es der Charterfolg versprechen ließ, sowie Tocotronic und Two Door Cinema Club. Wenn man hier die Publikumsstimmen zum direkten Vergleich nimmt, stand es allerdings eindeutig 1:0 für die Newcomer gegen die alten Festival-Hasen. Während sich alle tanzwütigen bei Delphic und Groove Armada den Restschweiß aus dem Körper strampelten, wurde es auf der Mainstage geradezu besinnlich. Jónsi, Sänger der Band Sigur Rós, spielte und verzauberte das Publikum mit einer Mischung aus hymnischer Melancholie und - für viele sicher unerwarteter Weise - auch mit durchaus tanzbaren Rhythmen. Dazu noch eine Bühnenshow, die in ihrer simplen Schönheit ihres Gleichen suchte - und das Herz tanzte. Im Anschluss konnte man sich der seeligen Gelassenheit gleich weiter ergeben und durch den Sand am Ufer des Sees zu Four Tet tanzen, während auf dem gegenüberliegenden Ufer die Natur ihre ganz eigene Lichtshow ausgedacht hatte und apokalyptische Blitze zu Boden knallen ließ. Nach dem folgenden, eher beschaulichen Konzert von The XX, die nach dem Tod eines Bandmitgliedes zu ihrer Stärke zurück gefunden haben, hatten alle mit viel Durchhaltevermögen noch die Wahl den nahezu perfekten ersten Festivaltag bei Booka Shade, Simian Mobile Disco oder Ricardo Villalobos ausklingen zu lassen. Am Samstag ging es dann gediegen los, mit dem jungen Singer-Songwriter Philipp Poisel und Bands wie Jamaica oder den Blood Red Shoes. Erst der Wortakrobat Dendemann, der Hip-Hop Rhythmen mit Elektro Beats unterlegt und das ganze auch noch mit Gitarren und Drumsets verfeinert, hat die Menge erst wieder in Tanzstimmung gebracht. Die perfekte Einstimmung auf den umjubelten Jamie T, der vor allem mit seinem Abschlusssong Sticks 'n' Stones die Menge unkontrolliert zum Kochen brachte. Auf der nebenan gelegenen Gemini Stage wartet dann schon der nächste Jamie. Dass Mr. Lidell eine der coolsten Säue auf der Bühne ist, konnte er schon nach dem ersten Takt beweisen. Seine überragende Musikalität zeigte er unter anderem mit einem komplett selbst und a Capella eingesungenen Song, den er über Loops steuerte, dessen Drive den instrumentalisierten Stücken in nichts nach stand. Nachdem sich der Videokünstler Chris Cunningham, der sich nun auch der elektronischen Musik verschrieben hatte, mit einem grandios-kranken Konstrukt aus Bildern und elektronischen Klängen von der Mainstage verabschiedet hatte, war inzwischen an allen sechs Bühnen der Weg für dreckige Elektrosounds geebnet. Wer nach Tiefschwarz, Moderat, A-Trak oder Tiga dann tatsächlich noch einen Fuß vor den anderen setzen und tinitusfrei hören konnte, konnte auf dem Sleepless Floor noch die Audienz bei der Technogöttin Monika Kruse in Anspruch nehmen. Wie sich das für den heiligen Sonntag natürlich gehört, hat hier auch das Melt! zu mehr Ruhe zurückgefunden. Vier von sechs Bühnen waren jetzt nur noch bespielt, und der Auftritt von den Kings of Convenience am späten Nachmittag zeigte mal wieder, dass es eben doch einen Unterschied zwischen BummBumm-Beats und anspruchsvoller elektronischer Musik und deren Hörern gibt - die beiden Norweger wurden nämlich derartig umfeiert, dass man ihnen ausnahmsweise tatsächlich abnahm, ihre Zugabe könne spontan gewesen sein - und so waren sie trotz aller Ruhe so viel Rock’n’Roll, wie es sich Johnossi auf der Parallelbühne nur hätten wünschen können. Im Anschluss gehörte die Gemini Stage dann komplett der Spiel-und-Spaß-Gemeinde von Slagmalsklubben, Fred Falke und Riton, deren Sound teilweise vor allem auch durch Remixe bekannter Songs geprägt wurde, und dadurch, dass sie sich selbst nicht todernst zu nehmen schienen. Wem es hingegen etwas beschaulicher zu Mute war, konnte sich auf der Converse Mainstage ganz den Klängen von Broken Bells und Get Well Soon hingeben. Gerade letztere passten perfekt an diesen Ort: Die Sonnenstrahlen wurden länger, das Festivalende schon fast greifbar und Ferropolis bot mit dieser Bühne, die den Charme eines antiken Amphitheaters besitzt, Konstantin Gropper mit seiner Band auch die Gelegenheit, ihrer zugleich emotionalen wie bombastischen Musik den richtigen Raum zu bieten. Weiter ging es mit der Discoqueen von Goldfrapp, die Anfangs zwar nicht zu so viel mehr zu gebrauchen schien, als posierlich in ihrem Glitzerkleid in der Windmaschine zu stehen, doch von Song zu Song nahm auch deren Qualität zu, bis sie bei den letzten Songs wie Strict Machine und Oh la la auch das zeige, was man erwartet hatte. Langsam bewegte man sich auf das Finale zu, nur noch dancy fancy Top-Acts wie Fake Blood, Crookers oder Ellen Allien standen noch aus. Fake Blood, die gerade in aller Munde zu sein scheinen, gaben ihr bestes und auch die Crookers konnten mit den Hits ihrer letzten LP live überzeugen und waren sicher für so manchen Tanz-Muskelkater verantwortlich. Der Mainstage gab nur noch Massive Attack die letzte Ehre, die es schafften, ihren trip-hoppigen, düsteren und oftmals lounge-mäßigen Style so präsent darzustellen, der trotz aller Gelassenheit so knallt, dass anschließend niemand behaupten konnte, die Band mache nur Kuschelmusik. Und so endete mal wieder ein grandioses Festival zwischen Trümmern und Träumen, zwischen Beats und Gitarren, zwischen See und Schaufelradbagger. Auf dass uns der "Schmelztiegel" noch lange erhalten bleibt! Text und Fotos: Florian Tenk
|










Schulzkowski is super unbedingt mehr davon
Noch was zum Thema: http://likeitis93.blogspot.de/2012/03/save-olli-schulz.html
diese kritik ist sehr schön, weil sie sich ausnahmsweise mal nicht schema f<...
und was war besonders? Welche Songs in der Setlist? Wie viele Instrumente
Für diejenigen, die es interessiert: Ich hab auf meinem privaten Blog noch e...