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Das Melt! war schon immer ein ganz besonderes Festival. Relativ geringe Besucherzahl, fantastische Lage am Gräfenhainicher See, Ranzen unter überdimensionalen Disco-Kugeln, die von den alten Kränen ragen, die von der Zeit des Eisenabbaus dort übrig geblieben sind - was will man mehr? Außer natürlich zahlreichen Bands und DJs, die es sich lohnt zu hören und sehen lohnt. Eine Auswahl welche das sein werden, bekommt ihr hier.
Atari Teenage Riot Nach zehn Jahren Pause, ist die Zeit der Aufstände wieder angebrochen. Mit MC CX Kidtronik als neue Verstärkung, sind die drei mit Geschrei und Getöse wieder auf der Bildfläche aufgetaucht. Ohne Einbußen an Energie und einem Mehr an Professionalität, eine der wenigen Reunions, die zu Recht gefeiert werden darf.
Bodi Bill Die Berliner Avantgardetruppe, die intertextuelle Bezüge in ihren Songs nicht nur mit Roggenfängern sondern auch mit ganz anderen Kalibern in’s Spiel bringt, die darüber hinaus auch mit Uhrzeitknochen oder Affenkostümen auf die Bühne hampelt, beweist sehr gut, dass Zirkus nicht gleich ein Mangel an Qualität sein muss. Denn nur selten schaffen es Elektro-Künstler treibende Beats durch ihre Kombination an Härte und Konzeption so anschmiegsam klingen zu lassen.
Boys Noize Der junge Gott des Elektrohimmels ist allgegenwärtig. Egal ob es musikalische Kollaborationen mit Feist, Kelis, oder Chilly Gonzales betrifft. Sein eigenes Label. Sein Dasein als Produzent und DJ. Was Alex Ridha in seinen jungen Jahren geschafft hat, muss eigentlich gefeiert werden. Mit seinen Songs von &Down bis zum neueren Yeah wird er mit Sicherheit alles dafür tun, damit der Feier nichts im Wege steht.
Bpitch @ Sleepless Floor Die Garde von Grande Dame Ellen Allien ist seit je her fester Bestandteil des Melt! Festivals, am Sonntagabend werden neben ihr Kiki, Chaim und Skinnerbox auf dem Sleepless Floor die letzten Acts sein, die das Festival mit Getöse ausklingen lassen werden.
Calvin Harris Der noch erstaunlich junge Schotte, ist ein Garant für anspruchsvollen Elektro-Pop. Zu seinen Referenzen gehören nicht weniger, als Kylie Minogue, Scissor Sisters oder Sophie Ellis-Bextor. Für die etwas zarter besaiteten Elektro-Fans die perfekte Mischung, die im Gegensatz zu vielem anderen, was den Stempel Dance aufgedrückt bekommt, nicht an der stupiden Oberfläche hängen bleibt, sondern durchdachte Nummern schafft, wie es schon sein Acceptable in the 80s bewiesen hat.
Cold War Kids Seit ihrem letzten Album Mine is yours hat die Truppe mit ihrem Elektro-Blues ihre Ecken und Kanten ein klein wenig abgelegt und den Weg zu größeren Bühnen und besseren Chartplatzierungen geebnet und das sogar ohne negative Gefühle hervor zu rufen, sondern mit einem Schritt mehr in ihre Großartigkeit.
Crystal Castles Was als Nintendo-Gedudel angefangen hat und von den süßen Indiekindern in der Retro-Welle bereitwillig aufgenommen wurde, hat sich inzwischen zu durchdachtem Elektro entwickelt. Wenn Alice Glass hoffentlich auf der Höhe ihrer körperlichen Fähigkeiten die Bühne betritt, wird auch das Melt! Publikum dieses Jahr von der Ästhetik des Chaos ihrer Musik mitgerissen werden.
Crystal Fighters Ein Sommerabend am Mittelmeer: Das Glas Rotwein noch in der Hand und den Geruch der Sonne auf der Haut, hört man aus der Ferne sanfte Gitarrenklänge an den Strand wehen. Doch plötzlich beginnt der Wein hellrot aufzuglühen, die See kocht und brodelt und der Himmel dreht sich um seine eigene Achse und lässt die Sterne wie flüssiges Silber vom Firmament fließen. Nein, in diesem Moment hat man nicht aus Versehen Liquid Ecstasy im Wein gehabt, man hat sich nur mal eben Crystal Fighters einverleibt. So klingt das bezaubernde Debut der multikulturellen Truppe nämlich. Folk trifft auf Elektro, Meditation auf Tanzschweiß. Cut Copy Wer sich nicht festlegen will, welche Musikrichtung er am liebsten hört, ist bei Cut Copy genau an der richtigen Stelle. Es schwankt und schwankt und schwankt. Artverwandte Künstler, die von Musikredakteuren gerne als Beispiel zu Rate gezogen werden, werden sich genauso unterscheiden, wie die Stilwege, die Cut Copy schon bestritten haben. Das letzte Album war breitflächig von sehr psychodelischen Klängen durchzogen. Aber halt eben auch nicht nur, ne? Tanzen ist trotzdem immer Programm! Digitalism Mit ihrer ersten Erfolgssingle Pogo haben es Digitalism einst geschafft den Spagat zwischen Technoclub und Indiedancefloor zuschlagen, in dem sie auf die Nouvelle Vague, welche die elektronische Tanzmusik zu Beginn der 00er Jahre durchzogen hat, aufgesprungen sind und Freunde aus beiden Lagern eingeheimst haben. Ihre neue Single 2 Hearts ist die offizielle Melt!-Hymne und verspricht gleiches Erfolgspotential, da kann Omas Doppelherz sogar mal einen Abend im Schrank stehen bleiben.
Editors Mit ihrem letzten Album haben die Engländer bewiesen, dass sie auch aus ihren Indie-Grenzen ausbrechen können und auch ein gutes Händchen für elektronische Beats haben. In dieser Zwischenposition passen sie natürlich perfekt auf ein Festival wie dieses.
Ellen Allien Tja, was soll man zu ihr noch sagen? Die Chefin des Labels BPitch Control darf natürlich auf einem Festival wie dem Melt! nicht fehlen und wird in gewohnter Manier hinter dem DJ-Pult das Publikum in Ekstase treiben.
Fake Blood Wer hat nicht im letzten Sommer zu dem Discoknaller I Think I Like It getanzt? Und wer kann sich nicht erinnern, wie viel Spaß das bereitet hat? Eben. Deswegen wird Fake Blood auch wieder live auf dem Melt! dem tanzwütigen Volk einheizen bis auch die letzte Chuck-Sohle weggeschmolzen ist.
FM Belfast Eine isländische Quoten-Band scheint auf dem internationalen Festivalgeschehen eigentlich nicht mehr fehlen zu dürfen. Wie viele Bands aus isländischen Gefilden zeichnen FM Belfast auch zwei Dinge besonders aus: Hang zum schräg sein und unkategoresierbares musikalische Qualität. Við hlökkum til!
Foster the People Diese Band hatte für den Musiksommer letzten Jahres die gleiche Wirkung, wie 31 Tage Sonnenschein im August. Einen besseren Downer zwischen den harten Beat-Gefechten andere Acts könnte man sich nicht wünschen.
Fritz Kalkbrenner Eigentlich hat es der gute Fritz gar nicht nötig im Schatten seines älteren Bruders zu stehen. Zu Recht finden wir, gerade wenn man bedenkt, dass Pauls letzter Hit Sky & Sand von seinem Bruder mitproduziert wurde. Was kann schon besser sein, als Kalkbrenner auf dem Festival zu begegnen? Zwei natürlich!
Iron and Wine Einst war Iron and Wine noch sehr von seinem Aussehen und den früheren Werken als Hinterwäldler verschrien, der ungreifbar in seiner Hütt, in den tiefsten Wäldern Kanadas hausen musste um seine Stimme und den klagenden Singer-Songwriter Stil zu kultivieren. Doch mit seinem neuesten Werk Kiss Each Other Clean dürfte er wohl endlich von diesem Klischeebild befreit worden sein. Freilich hat sich das Gefühlvolle nicht verloren, doch anschwellende Bässe, Funk-Beats, episch anmutende Chöre und elektronische Klangteppiche haben das Werk von Sam Beam mit einigem Bombast gefüttert. Auch Kuschelmusik kann grooven.
José González Wohl müsste sich der Norweger mit dem südländischen Namen auf diesem Festival durchaus fühlen, hat er doch schon den ein und den anderen Song gecovert, von den richtig Großen der Elektrokünstler, die ebenfalls schon die meltischen Bühnen bespielten.
Junior Boys Auf Platte haben Junior Boys einen distanzierten Stil erschaffen, den sie mit ihrem letzten Werk sogar nochmal auf die Spitze getrieben haben. Jeder Song wirkt, als hätte er eine kalte Mauer um sich herum gebaut, die erst einmal geknackt werden muss. Doch live werden die Regler hochgejagt, so dass die unterkühlten Songperlen im aufgetauten Glanz ganz neu erstrahlen.
Junip Nicht nur als Solo-Künstler, sondern auch mit seiner alten, eigentlich schon viel länger zusammen praktizierenden Band, als er es auf Solopfaden tut, wird José González dieses Jahr auf dem Melt! Auftreten. Im Gegensatz zu seiner eigenen soften, heartbroken Cowboy Attitüde, die bunte Bälle über Straßen hüpfen und Tränen aus Mädchenaugen kullern lässt, werden mit seinen Bandkollegen aus Jungstagen etwas düstere und vor allem progressivere Saiten angeschlagen.
Markus Kavka Wie schon die letzten Jahre, lässt es sich der MTV-Moderator Markus Kavka auch dieses Jahr nicht nehmen, mal ausnahmsweise nicht über Musik zu sprechen, sondern das Publikum von den Turntables aus damit zu beschallen.
MEN JD Samson weiß wie man seinen Mann als Frontfrau zu stehen hat. Die androgyne Sängerin, die eigentlich von Le Tigre kommt, kämpft nicht nur um Frauenrechte, sondern auch um Tanzwütige für ihre Beats. Nach dem Melt! Auftritt haben MEN gute Chancen, dass ihnen die verdiente Anerkennung endlich mehr zu Teil wird.
Metronomy Für Freunde der ballernden elektronischen Tanzmusik dürfte der Zeitpunkt für Metronomys ersten Auftritt auf dem Melt! ein wenig zu spät kommen. Was als grober Elektrosound begann wurde nach und nach immer mehr verpoppt und eingängiger. Keine Schande allerdings für die Briten, so sind sie doch nicht wie manch andere Künstler mitten in die Entstehung des Indietronics in die Musikwelt geboren, sondern haben sich authentisch weiterentwickelt, was ihre Musik im Vergleich zu den Vorgängeralben um keinen Deut schlechter da stehen lässt.
Miss Kittin Bonne anniversaire! Miss Kittin hat nicht nur 5-jähriges Melt!-Jubiläum, sondern auch ihr eigenes Alters-Jubliäum, denn sie wird an ihrem Geburtstag auftreten. Kittin is high. Wir sind high.
Noah & The Whale Zur wohlverdienten Pause für die müde getanzten Füße, die von einem Elektro-Act zum nächsten hetzen mussten, tun Noah & The Whale sicherlich ihr übriges. Von Balladen bis zu sommerlich poppigen Folkstücke hat die Band alles im Gepäck was für ein gemütliches Happening im Sonnenuntergang benötigt wird.
Patrick Wolf Gerade eben hat Patrick Wolf sein lang ersehntes neues Album Lupercalia veröffentlicht und schafft es damit auch, wie in der Vergangenheit immer schon, zu polarisieren. Einst hatte ihn und seine Musik eine mystische Aura umgeben. Er war melancholisch und irgendwie unnahbar. Seine Musik mal sanft, mal rebellisch, mal orchestral, mal beatlastig. Auf seinem neuesten Werk wird man ihn so stringent wie selten vorfinden mit klaren, eingängigen Pop-Nummern. Welche seiner Seite auf dem Auftritt mehr in Erscheinung treten wird, mag sich dann zeigen. So oder so, ein Konzert von Patrick Wolf ist immer ein Fest für Ohren und Augen.
Paul Kalkbrenner Von Jahr zu Jahr hat es Paul Kalkbrenner geschafft, sich ein höheres Treppchen auf dem Melt! zu erspielen. Dieses Jahr ist es soweit, dass er erstmala auf der Main Stage seine melodischen Elektrokünste zur Schau stellen darf. Was kann man sich mehr wünschen, als einen klaren, warmen Sommermorgen nach einer durchtanzten Nacht und dabei Sky & Sand zu hören.
Pulp Zwischen all dem Hype um jeden neuen Indie-Newcomer und den Elektro-Helden die das Melt! zu bieten hat, wirkt der Auftritt von Pulp fast schon ein wenig verloren, was eindeutig ein Verkauf unter Wert bedeutet. Doch alle etwas mehr in die Jahre gekommenen Indie-Mädchen und -Jungs, die 2002 mehr als eine Träne ob der Auflösung der Kult-Band verloren haben, werden mit Sicherheit nun Freudentränen weinen, angesichts dieses Meilensteins der Musikgeschichte der auf diesem Festival mit der Reunion geschrieben wird.
Robyn Von der Britney Spears Homage zum eigenen Label hat es die Schwedin inzwischen weit gebracht. Mit ihrem gefälligen Disco-Elektro-Sound ist Tanzaction auf dem Dancefloor garantiert. Da nun auch alle drei Teile ihrer Body Talk Minialben-Reihe veröffentlicht sind, kann man sich gespannt auf das Gesamtwerk der Künstlerin freuen.
Roman Flügel Besser bekannt ist Roman Flügel vermutlich als eine Hälfte von Alter Ego, doch schon letztes Jahr hat er auf dem Melt! gezeigt, dass er auch alleine auf der Bühne sehr gut zu Recht kommt und mit seinem Elektro-Sound dem Publikum ordentlich einheizen kann.
Siriusmo Einmal in der Woche schreien heißt ein Song von Siriusmo und sollte dies das Geheimrezept für ein erfüllteres Leben sein, sollten wir es ihm vielleicht alle gleichtun. Auf minimalen Schienen mit viel Gefrickel und Spielereien die selbst vor HipHop Beats keinen Halt machen, lässt der Berliner eine perfekte Mélange entstehen, die sanft um all diese Einflüsse wabert. Kein Wunder, dass auch Boys Noize oder Modeselektor gerne schon mit Siriusmo zusammen gearbeitet haben. The Drums Die heißen Sommer New Yorks haben es den vier Jungs sicher nicht schwer gemacht, das richtige Gefühl für den perfekten Sommersound zu geben. Mit viel Selbstinszenierung, Verweisen zu Joy Division aus eigenem Munde und Anleihen, die Kritiker bis in die 50er Jahre vermuten mögen ist dies alles natürlich eine perfekte Mischung für den nächsten Hype in den Indie-Dancefloors.
The Hundred in the Hands Stilistisch haben sich die Beiden nicht ganz festgelegt, ob Rock, 80s, Dance-Pop oder alle Genres in einem Topf – über allem schwebt aber immer die fesselnde Stimme von Eleanore Everdell. Auch wenn musikalisch bei The Hundred in the Hands nicht immer alles straight forward zur Sache geht, bleibt diese Konstante, die aus jedem Song ein Unikat macht und so mitreißt, dass die großen Schwestern von musikverwandten Bands wie Gossip, Yeah Yeah Yeahs oder vor allem Metric nur noch anerkennend auf die Schulter zu klopfen brauchen.
The Koletzkis Wer hätte es ihm zugetraut! Oliver Koletzki, der für treibenden Techno steht und eine feste DJ-Größe neben anderen Ur-Gesteinen wie Monika Kruse oder Ellen Allien darstellt, hat seit 2009 seine zarteren Seiten entdeckt. Immer noch minimal, irgendwie auch treibend und doch deutlich poppiger kommt die Musik seiner nach ihm benannten Band The Koletzkis daher. Dafür hat er Kollegen wie Mieze von Mia oder Bosse ins Boot geholt, die den eingängigen Beat-Grundlagen den gesanglichen Feinschliff verpasst haben. The Naked And Famous Mit Young Blood haben The Naked And Famous eine Hymne geschaffen, die stark in die Fußstapfen jener Musikrichtung tritt, die man seit einiger Zeit pauschal als MGMT-Sound betiteln kann. Lyrics die an das Leben und Freiheit plädieren, ätherisch-epische Soundkonstrukte die zwischen Indietakten und Synthiezern treiben. Sollte die Sonne das Melt! dieses Jahr im Stich lassen, werden unter Garantie die Bilder der Musik und jene aus dem Video von Young Blood Sonnenuntergänge in den Köpfen entstehen lassen.
The Streets Nach Veröffentlichung seines letzten Albums Anfang des Jahres, hat Mike Skinner bekannt gegeben, dass dies die letzte Platte unter dem Projekt The Streets überhaupt sei. Aber nicht nur das, auch mit den Live-Auftritten soll es ein Ende haben. Es wird also höchste Zeit den Briten ein letztes Mal die Ehre zu erweisen, bevor The Streets komplett Musikgeschichte geworden ist. Totally Enormous Extinct Dinosaurs Zugegebenermaßen klingt der Künstlername von Orlando Higginbottom stellenweise tatsächlich so sperrig wie seine avantgardistischen Beats, die er fabriziert. Bei seinen Songs scheint keine Schublade unverschont geblieben, keine Spielerei zu gewagt gewesen zu sein. Dieser Spieltrieb scheint auch vor seinen Outfits keinen Halt zu machen und erscheint dadurch umso überzeugender. Aber wer hat eigentlich gesagt, dass Spieltrieb etwas schlechtes sei?
White Lies White Lies müssen heimlich einen sehr, sehr guten Dramaturgen beschäftigen. Anders ist es nicht zu erklären, wie die dunklen Post-Rock Wogen ihren Weg elegant zum hymnischen Rock schlagen und dabei von Trauer und Freude erzählen, ohne dass es in Kitsch ausartet. Bigger than us, is bigger than this.
Freut auch auf diese und viele weitere Bands und DJs - das komplette Programm auf www.melt-festival.de
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Schulzkowski is super unbedingt mehr davon
Noch was zum Thema: http://likeitis93.blogspot.de/2012/03/save-olli-schulz.html
diese kritik ist sehr schön, weil sie sich ausnahmsweise mal nicht schema f<...
und was war besonders? Welche Songs in der Setlist? Wie viele Instrumente
Für diejenigen, die es interessiert: Ich hab auf meinem privaten Blog noch e...