Die Hochkultur der Subkultur.
Home icon Home»Laut»Interviews»Hard-Fi: "Manche illegale Dinge genießen wir trotzdem"
Hard-Fi: "Manche illegale Dinge genießen wir trotzdem"
Monday, 08 October 2007 14:26

Lustige HipHoper im Rock-Gewand: Hard-Fi
Sie haben Löcher in der Brieftasche, mögen manche illegale Dinge obwohl sie verboten sind und sehen in Eminem eine größere Konkurrenz als in Franz Ferdinand. Hard-Fi öffnen sich unseren Redakteuren Nina und Dominik im Interview.

 

In einem Interview mit euch hab ich gelesen, dass ihr Menschen mit eurer Musik verändern wollt. Wollt ihr die Welt verändern?

 

Stephens: Ich glaube nicht. Wir wollen einfach nur ein größerer Teil von ihr sein als vorher. Es gibt sicher viele Dinge, die man gerne an der Welt verändern würde. Wir sind eigentlich nur angetreten, eine gute Platte zu machen und werden sicher nicht gleich total den Bono raushängen lassen (lacht).Es ist irgendwie eine zwiespältige Sache: Wenn du anfängst in einer Band zu spielen, willst du einfach nur eine Platte mache. Aber dann, wenn du größer wirst und die Leute deine Platte kaufen, fangen sie an viel aufmerksamer auf das zu hören, was du sagst. Früher, als wir normale Jobs hatten, hätte uns niemand nur eines Bickes gewürdigt, aber jetzt hätten wir die Möglichkeit, an bestimmten Dingen etwas zu verändern, aber wir kümmern uns eigentlich hauptsächlich um uns selbst.

 

Ihr wollt also auch in Zukunft so normal blieben?

 

Stephens: Schwer zu sagen, es ist ja erst das erste Album. Wenn wir beim dritten angelangt sind, kandidiere ich vielleicht als Papst, wer weiß.

 

Wie viele Alben habt ihr den geplant?

 

Kemp: Oh, so viel wir machen können, ohne dass die Leute uns Scheiße finden.

 

Habt ihr eine Vorliebe für Dinge, die illegal sind?

 

Stephens: Na ja (lacht), manche Dinge die illegal sind, sollten es besser nicht sein. Und manche Dinge, die illegal sind, werden auch illegal bleiben, doch wir genießen sie trotzdem.

 

Ihr habt mal gesagt, dass ihr Eminem mehr als eure Konkurrenz anseht als Bands wie The Killers oder Razorlight. Wie kann ein Hip-Hop-Künstler ein größerer Konkurrent für euch sein als eine Band aus eurer Sparte?

 

Stephens: Er war Nummer eins und verkaufte so 100.000 Platten pro Woche und wir wollten einfach auch auf diesem Level sein. Es ging nicht im Besonderen um Eminem, egal wer in dieser Position gewesen wäre, hätte auch U2 oder irgendeine andere Monster-Band sein können. Wir wollten einfach an der Spitze sein, das haben wir damit gemeint. Wir haben große Ziele.

 

Also wollt ihr kein Hip-Hop-Album aufnehmen?

 

Kemp: Ich glaube nicht. Aber einiges davon gefällt uns und wir fangen an, Elemente davon in unserer Musik zu verwenden. Aber ein Hip-Hop-Album im engeren Sinne wird's wohl nicht geben. Aber auf unserem nächsten Album wird es definitiv Hip-Hop-Einflüsse geben.

 

Wird man dann Raps von Euch hören?

 

Kemp: Manche Leute singen mit der Bürste in der Hand vor dem Spiegel Iron-Maiden-Songs, ich war da immer mehr der MC. Kein Bad-Boy-MC, sondern mehr die Comedy-Schiene.

 

Ihr wollt also eurem Musikstil treu bleiben?

 

Stephens: Wir sind eigentlich von sehr vielen verschiedenen verschiedenen Arten von Musik beeinflusst, und daher könnten wir auf dem nächste Album in jede beliebige Richtung gehen. Wir halten's gerne abwechslungsreich und wollten nicht nur nach einem Ding klingen. Wir hören so viel unterschiedliche Musik, warum sollte man das denn alles ignorieren und an einer Sache kleben.

 

In welcher Hinsicht wollt ihr den euren Stil ändern?

 

Stephens: Wir wollen uns einfach weiterentwickeln und mit jedem Album besser werden. Bis wir dann so weit sind und das nächste Album wirklich aufnehmen, probieren wir einfach rum und experimentieren. Was funktioniert, kommt drauf. Also ist es im Vorfeld schwer zu sagen. Wir werden ja das Album wie beim letzten Mal selbst produzieren, diesmal jedoch in anderer Umgebung. Es wird aber definitiv nach Hard-Fi klingen. Manches verändert sich eben mit der Zeit, und es wäre auch langweilig, einfach nur zu kopieren, was wir mit dem ersten Album gemacht haben. Das interessiert uns nicht. Unser erstes Album ist großartig, wird sind verdammt stolz darauf, aber wir wollen ein besseres machen. Und im Endeffekt wird das neue Album einfach anders klingen, weil schließlich auch andere Songs drauf sind. Man muss einfach in Bewegung bleiben. Wir haben immer ganz verschiedene Arten von Musik gehört, und an einem Stil zu kleben ist uns daher einfach zu langweilig.

 

Gibt es denn Genres mit denen ihr euch überhaupt nicht anfreunden könnt?

 

Kemp: Wir mögen alles, solange es gut ist. Es gibt viele Genres, die irgendwie verwässert sind, so die" Neue Welle der Neuen Welle der Neuen Welle" und so weiter, mit Bands, die so klingen, als hätten wir 1979. Das ist meistens nicht besonders cool, denn die Bands sind nicht gut, sie bekommen ihre Verträge nur, weil sie auf der gerade angesagten Welle schwimmen. Aber Bands wie Franz Ferdinand finden wir gut, wir mochten ihr erstes Album. Wir mögen daher eigentlich jedes Genre, da es in jedem auch diese guten Bands gibt. Wenn du erstmal den ganzen Müll beiseite lässt, gibt es gute Sachen zu entdecken.

 

Fandet ihr das zweite Franz-Ferdinand-Album nicht gut?

 

Kemp: Nun, es ist ein gutes Album. Mehr sage ich nicht. Du wirst mich hier nicht in irgendeine Band-Fehde ziehen, versuch's erst gar nicht.

 

Welche Bands sind eure Inspiration?

 

Stephens: So viele. Aus allen möglichen Richtungen. The Clash sind ein offensichtlicher Einfluss, wie auch die meisten unserer Hörer finden. Auch Bands wie die Specials, The Smiths und viel Hip Hop wie KRS One. Alles, solang es gut ist. Wir könnten die besten Bands aus allen Genres aufzählen. Wir lieben auch AC/DC, was viele Leute vielleicht nicht gedacht hätten. Sie sind eine tolle Band, die einfach rockt. Wie gesagt, in jedem einzelnen Genre gibt es einfach fantastische Bands. Bei uns geht es aber nicht darum, in die Vergangenheit zu blicken und uns zum Beispiel nur an Bands aus den 70er Jahren zu orientieren. Wir interessieren uns für Musik, die jetzt passiert. Es gibt zum Beispiele jede Menge coole Underground-Dance-Music. Da passiert gerade eine ganze Menge.

 

Habt ihr Angst, dass ihr irgendwann nicht mehr Songs von der Straße singen könnt, weil ihr zu alt oder zu reich seit?

 

Kemp: Dann singen wir halt Songs von unserem Schloss oder unserem Strandhaus. Wir werden immer noch Songs singen. Für unser erstes Album haben wir Songs über das, wozu wir damals einen Bezug hatten, geschrieben. Darüber was um uns herum passierte, was unsere Freunde erlebten. Und solche Dinge passieren immer noch in unserem Umfeld . Wir und unsere Freunde leben immer noch in Staines. Sie machen immer noch die selben Jobs wie damals. Wir haben also immer noch einen Bezug dazu. Aber in Zukunft werden sich die Alben verändern genauso wie sich die Band verändert. Wir wollen nicht für den Rest unseres Lebens auf der Stelle treten.

 

Eure Texte sind sehr von alltäglichen Problemen und Situationen beeinflusst. Habt ihr für eure Songs auch andere Inspirationen und werdet eines Tages über ganz andere Dinge schrieben? Bäume vielleicht?

 

Stephens: Wir haben ja viele Songs über Mädchen. Das übersehen die Leute gern. Es geht bei uns ja nicht immer darum, kein Geld zu haben oder betrogen zu werden. Es geht nicht nur um Probleme, sondern auch die guten Dinge im Leben. Heart to Beat handelt davon, ein Mädchen, das man schon eine Weile im Auge hatte, kennenzulernen und ins Bett zu kriegen. Es gibt auch noch ein paar andere Songs auf diesem Album, in denen es um schöne Dinge, die man mit Mädchen macht, geht. Wenn wir aber ein plötzliches Interesse an Bäumen entwickeln sollten, schreiben wir halt ein Album über Bäume. Wer weiß.

 

Es gibt einen ziemlich witzigen Part in Cash Machine, die letzte Strophe mit der Zeile There's a Hole in My Pocket. Denn Song kennt man hier aus der "Sesamstraße" mit dem deutschen Text: "Ein Loch ist im Eimer, Karl Otto".

 

Stephens: Das ist ein kleines australisches Volkslied names „A Hole in My Bucket". Wir nahmen die Zeile und haben daraus „hole in my pocket" gemacht.

 

Das ist eigentlich ein Kinderlied.

 

Kemp: Genauso in England. Also ok, wenn ihr den Text aufschreibt, singen wir für euch die deutsche Version.

 

Welche Erfahrungen habt ihr in den USA gemacht?

 

Stephens: Wir waren ja schon fünf- oder sechsmal dort. Unsere Albumverkäufe dorten steigen stetig. Es läuft ganz gut. Wir werden bald wieder dort sein.

 

Bei Kai Stephens und Steve Kemp von Hard-Fi bedanken sich für das Interview: Nina-Carissima Schönrock und Dominik Hoferer

(2006)




Kommentar schreiben
Name:
Email:
 
Titel:

3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved."

 

Kommentare