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The Gaslight Anthem: "Ich schlaf nicht gern in Betten"
Friday, 12 November 2010 13:56

Brian Fallon und Alex Levine von The Gaslight AnthemSamstagnachmittag. Zwei große Nightliner stehen vor dem Backstageingang der Tonhalle. Vor ein paar Stunden sind The Gaslight Anthem in München eingetroffen. Den Abend vorher haben sie in Berlin gespielt. Fast alle Shows der Deutschlandtour sind ausverkauft. Genau wie letztes Jahr im Februar bei der The 59 Sound Tour. Der Unterschied: Damals waren es kleine Clubkonzerte, heute sind es große Konzerthallen.

Als ich den Backstage-Bereich betrete, sitzen alle noch etwas verschlafen auf der Treppe herum, eigentlich sollte jetzt Soundcheck sein, aber der Zeitplan hat sich verschoben. Erst am frühen Abend wird man auf die Bühne können. Alex Levine, der Bassist, nimmt sich Zeit für das Interview. Ob er sich nachher noch ein wenig die Stadt anschauen will, wenn er nun doch mehr Zeit als gedacht hat, frag ich ihn. Wahrscheinlich nicht, meint er. Seine Verlobte sei gerade angekommen und heute Abend mit dabei. Er wolle lieber ein bisschen Zeit mit ihr verbringen. Eigentlich seltsam, denke ich, wie auch für diese Band die Zeit manchmal etwas so Zähes sein kann, wo man doch denken könnte, bei denen läuft alles nur mit Fuß auf dem Gaspedal ab. Schließlich haben sie in so kurzer Zeit einen Quantensprung an Popularität hintergelegt. Das viele Zeit haben scheint mir da irgendwie absurd zu sein.


Nach dem Interview gesellt sich Sänger Brian Fallon hinzu. Touren ist eben auch viel warten. Man hat Zeit. Als es dann darum geht, noch ein Foto zu machen, meint Brian, dass dann die Leute denken könnten, er sei mit beim Interview dabeigewesen. Ich versichere ihm, "not that kind of a journalist" zu sein und es deutlich niederzuschreiben. Versprochen, ist versprochen:
Hier nun das Interview mit Alex Levine, dem Bassisten, auf dem Bild rechts zu sehen. Links ist Brian Fallon, der zwar auf dem Foto, aber nicht im Interview dabei war.

Das letzte Mal als ihr hier wart, vor anderthalb Jahren, habt ihr in einem kleinen Club gespielt. Mit vielleicht gerade mal 200 Leuten.

Levine: Oh ja, daran kann ich mich noch gut erinnern.

Heute steht ihr vor 2000 Leuten.

Das ist wirklich krass, oder? Die letzten eineinhalb Jahre waren wirklich heftig und intensiv für uns. Unser Leben hat sich komplett geändert.

Was hat sich auf Tour geändert?

Oh, ziemlich viel. Wir haben inzwischen Leute, die für uns arbeiten, besseres Equipment auf der Bühne und wir kriegen jetzt jeden Tag was zu essen (lacht). Und nicht zuletzt kommen viel mehr Leute zu unseren Shows. Und unsere Setlist ist inzwischen viel länger geworden.

Vermisst du manchmal die Zeit, als ihr nur in kleinen Clubs gespielt habt?

Nein, eigentlich nicht. Wir spielen immernoch hin und wieder kleine Konzerte. So groß wie hier in München sind unsere Shows nicht überall. In Kopenhagen zum Beispiel haben wir vor nur etwa 500 Leuten gespielt. Das war großartig. Es ist schon immer cool, zwischendrin auch mal wieder einen Schritt zurück zu machen und eine kleine Show zu spielen. Da kriegt man doch einen ganz andren Vibe vom Publikum.

Letzes Jahr in Glastonbury kam Bruce Springsteen zu euch auf die Bühne, um mit euch zu spielen. Was denkt man sich da?

Es war total ergreifend. Schließlich ist er eine Ikone des Rock'n'Roll. Nicht nur ihn kennen zu lernen, auch zu wissen, dass er unsere Musik hört und sogar so sehr mag, dass er mit uns auf die Bühne kommen wollte ... Das war einfach unglaublich. Eine einmaliges Erlebnis.

Habt ihr danach jemals gedacht: Bruce Springsteen stand mit uns auf der Bühne. Was soll jetzt bitteschön noch kommen?

Ja, auf jeden Fall. Also mir geht es so, dass alles, was danach kam und kommt, eine Zugabe ist. Wir haben mit unserer Band bisher viel mehr erreicht, als ich mir jemals vorgestellt habe, in diesem Business erreichen zu können. Alles, was jetzt noch kommt, ist ein Bonus obendrauf.

Gibt es eine Band, bei der du auf der Bühne gerne spontan einsteigen würdest, wie es Bruce Springsteen bei euch gemacht hat?


Ja, klar. Eine Menge Bands, sogar. Es wäre ziemlich cool, wenn David Bowie spielen würde und mich fragen würde, ob ich nicht hinzukommen möchte. Das wäre super. Ich mag David Bowie. Und The Cure. Ich spiel auch selber immer eine Menge The Cure Songs nach.

Eure Musik hat sich mit dem dritten Album ja schon ein wenig verändert. Wolltet ihr eine neue Richtung einschlagen und könnt ihr schon sagen, wohin die Reise geht?


Ich glaube die Veränderung kam dadurch, dass wir in einer komplett anderen Umgebung waren, als wir das Album geschrieben haben. Wir waren zu Hause, in New York, statt in Kalifornien. Wir haben es auch in New York aufgenommen mitten im Winter, als draußen schlechtes Wetter war. Ich denke, dadurch sind noch mal andere Emotionen hinzugekommen, die sich dann in die Musik geschlichen haben. Das passiert dann einfach, wenn man ein Album aufnimmt.

Wenn die Umgebung so wichtig ist: Gibt es einen bestimmten Ort, wo ihr gerne mal an einem Album arbeiten würdet?

Ich würde gerne mal mitten im Nichts ein Album aufnehmen, wo man total isoliert ist und nur unter sich. Nur wir und das große Nichts. (lacht) Vielleicht mitten in einem Wald, mit ein paar Flaschen Whiskey. Das wär lustig ... (lacht)

Wenn in ein paar Jahren ein Biopic über The Gaslight Anthem gedreht würde, wer soll dann deinen Part spielen?

Oh Gott. Das ist schwer. Hm... Joaquin Phoenix. Er ist ein cooler Typ. Ja, er soll mich spielen. (Die Ähnlichkeit ist ja definitiv gegeben...)

Nun noch ein paar Entweder-Oder-Fragen:
Kleiner Club oder große Konzerthalle?

Großes Konzert.

Im Hotel schlafen oder im Bus schlafen?

Im Bus schlafen.

Was? Das hätte ich nicht gedacht!

Ich schlaf nicht so gern in Hotels. Oder in Betten generell ...

Wenn was Einschneidendes in deinem Leben passiert:
Schreibst du eher ein Song drüber oder lässt dich lieber tätowieren?

Ähm... (denkt lange nach) Wahrscheinlich schreib ich einen Song drüber.

Bist du lieber im Studio oder auf Tour?

Das ist wirklich schwer. Es kommt darauf an, wie lange ich auf Tour war. Das ist wirklich schwer zu entscheiden. Wenn man im Studio ist, will man lieber auf Tour gehen. Und wenn man auf Tour ist, sehnt man sich nach dem Studio. Wirklich eine schwere Frage.

Party nach der Show oder schlafen gehen?

Schlafen gehen. Zumindest meistens. Man wird ja älter ... (lacht)

CDs oder mp3s?

Wenn wir unterwegs sind, dann hab ich meinen Computer mit mp3s dabei. Zu Hause hör ich alles auf Vinyl.

Hörst du lieber neue Bands oder deine persönlichen Evergreens?

Eigentlich mehr neue Bands. Gerade hör ich viel die Sharks, die mit uns auf Tour sind. Die sind wirklich sehr gut. Deren Show solltest du unbedingt anschauen.

Bei Alex Levine von The Gaslight Anthem bedankt sich für das Interview: Eva Deinert




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