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...Trail Of Dead: Wir haben in der Ferne Pistolenschüsse gehört
Tuesday, 01 February 2011 18:50
Conrad Keely: Trail of DeadMit Tao Of The Dead erscheint Anfang Februar das bereits siebte Studioalbum der Band ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead. Eine Platte, der Fans der Gruppe skeptisch und mit extrem hohen Erwartungen entgegen geblickt haben, denn für gewöhnlich sind ... Trail Of Dead alles andere als gewöhnlich. Sie versprühen mit jeder ihrer Aufnahmen einen gewissen Mythos, wie eine märchenhafte Geschichte.

Verfasser dieser Werke und Frontmann Conrad Keely sprach mit uns im Interview über die Kunst des Gesamtkunstwerks, die gnadenlose Überschätzung von Beethoven und das Gefühl, wenn an einem lauen Sommerabend Menschen erschossen werden.

Eine klassische Frage zu Beginn: Welche Story steckt hinter eurem neuen Album Tao Of The Dead?

Keely: Es ist weniger eine Geschichte, als vielmehr eine Novelle. Daher lässt sich das nur schwer zusammenfassen.

Mir kommen die Lyrics vor allem in moralischer Hinsicht dieses Mal besonders tiefgründig und tragend vor. Welche Themen haben dich denn in Hinsicht auf diese Platte ganz besonders bewegt?

Keely: Die Ungleichheit zwischen Arm und Reich, und die Bürde der Schuld, die auf den Schultern der Politiker lastet und wie sie auch von den USA und der Europäischen Union weiter aufrecht erhalten wird.

Wenn man Tao Of The Dead durchhört, kommt es einem so vor, als wäre das ganze Album eine Einheit, ein Gesamtkunstwerk, das man eigentlich am Stück durchhören muss, weil ein Song in den nächsten über geht. Es kommt einem vor wie ein 36-minütiges Märchen, aber war das auch so gewollt?

Keely: Es war unsere Absicht, dass du das so empfindest. Wir wollen, dass es für dich ein Auf und Ab der Gefühle ist.

Obwohl die Songs alle mit einem roten Faden verbunden zu sein scheinen, unterscheiden sie sich alle sehr stark von einander. Stärker als die einzelnen Songs eures letzten Albums?

Keely: Gemäß der üblichen kompositionellen Gepflogenheiten sollten unterschiedliche Songs auch unterschiedlich klingen. Wenn sie das nicht würden, würden wir alle dabei hängen bleiben, den Refrain von der Ode an die Freude von Beethovens gnadenlos überschätzter neunten Symphonie zu singen. Und wäre das nicht eine schreckliche Welt, in der wir dann Leben würden?

Der Anfang von Summer Of All Dead Souls ähnelt wahnsinnig dem Anfang von The Rest Will Follow. Solche musikalischen Zitate sind auf Tao of The Dead ja aber durchaus noch öfter vertreten. Wo kommt das her?

Keely: Ich könnte jetzt versuchen, das zu erklären. Aber das würde den Leuten den ganzen Spaß nehmen, das selbst wahrzunehmen und zu entdecken. Und das ist es aber, woraus ich meine größte Freude ziehe. Also danke dafür, dass es dir aufgefallen ist!

Bei einem Konzert spielt ihr eure Songs einer Platte ja nicht in derselben Reihefolge, wie sie auf der CD sind. Aber wie schwierig ist es denn für euch, so ein rundes Ding wie euer neues Album auseinander zu reißen für einen Gig?

Keely: Ich habe noch niemals darüber nachgedacht was wir live machen und was wir auf Alben packen, damit es sich in irgendeiner Weise aufeinander bezieht. Alles andere ist ein verdammt seltsamer, aber glücklicher Zufall.

Ihr habt mal in einem Interview gesagt, dass die Aufnahmen zu eurem letzten Album The Century of Self ein eher negativer Prozess für euch waren. Warum?

Keely: Unser alter Produzent war ein gehässiger, böser kleiner Mann und wir mussten ihn einfach aus dem Turm schmeißen.

In welcher Hinsicht war denn dann der Entstehungsprozess von Tao Of The Dead ein besserer?

Keely: Wirklich sehr in jeder Hinsicht. Ein Beispiel: Jeden Abend in Tornillo Texas - das ist direkt vor El Paso - wollten Jason und ich in die Stadt fahren zum ansässigen Lebensmittelhändler, um das Fleisch für zu kaufen, das wir am Abend dann auf den Grill legen wollten. Die hatten da nur eine beschränkte Auswahl, also mussten wir uns damit begnügen. Aber lass dir sagen, wir haben daraus ein ganz fantastischen Essen gemacht. Wir saßen da, draußen neben dem Pool - da gibt es nämlich einen großen Swimming Pool mitten in der Hacienca, in der alle Türen des Häuschen in die zentralen Innenhof zeigen. Das Feuer hat geknistert und der Mond hat auf uns herunter geleuchtet, und draußen in der Ferne hast du Pistolenschüsse gehört und wir wussten, dass sie aus Juarez kommen. Wir wussten, dass das die Geräusche von unschuldigen, guten Menschen waren, die sehr wahrscheinlich ihr Ende gefunden haben im Namen von ein paar sinnlosen Drogenkriegen. Und da waren wir, auf der amerikanischen Seite der Grenze, wo alles schön und ruhig war und die Baby-Waschbären gezirpt haben, mit dem Heulen der Nachbarhunde und dem Klimpern und Zirpen der Zikaden, und dem süßen Duft der Pekannuss-Plantage, der in der Abendluft hängen geblieben war. Es war so faszinierend und gleichzeitig so traurig zu wissen, dass wir das Glück haben, all diese Dinge zu genießen, während andere solche Ungerechtigkeit und solch einen Verlust aushalten mussten. Im Namen von ein paar paar moralischen Werten, die unser Land im kaufen und verkaufen von Dingen platziert, die uns eigentlich von Gott gegeben worden sind.

Das sind Bilder, die sich einprägen. Gab es eigentlich jemals einen Filmemacher, der einen ganzen Film aus einem eurer Alben machen wollte? Denn eigentlich schreien sie ja alle danach.

Keely: Ich hoffe es, aber sie müssten mir erst mal antworten.

Zum Schluss noch eine Frage, die wir allen Bands stellen: Welcher war der für dich beeindruckendste Moment mit ...Trail Of Dead?

Keely: Ich war von unserer Karriere bisher nie wirklich sehr beeindruckt. Ernsthaft enttäuscht wäre eine bessere Beschreibung dafür, aber das spricht nur dafür, dass man es ändert.

Bei Conrad Keely von ... And You Will Know Us By The Trail Of Dead bedankt sich für das Interview: Nina-Carissima Schönrock.


(2011)


Hier geht es zur Plattenkritik von Tao Of The Dead vom LAXMag ->



Anonym 2011-02-02 16:00:53

ich liiiiiiiiiiiieeeeeeebe es, wenn er spricht. das klingt immer gleich so...
lyrisch... gibts die möglickeit, das interview irgendwo im orginalwortlaut zu
hören oder zu lesen?
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