Die Hochkultur der Subkultur.
Home icon Home»Laut»Interviews»The Dalles: "Wir sind ein bisschen anders"
The Dalles: "Wir sind ein bisschen anders"
Saturday, 08 December 2007 16:10
Irgendwie anders: The Dallas
Indie-Bands sieht man oft mal in wechselnder Besetzung. Doch was sich aus den Gruppen Readymade, Monochords, Crash Tokio, Seesaw usw. zusammen getan hat, ist eine wirklich starke und überzeugende Essenz aus bereits etabliertem Indie-Pop-Rock: The Dalles, das ist eine Band mit Rückrat und der richtigen Attitude. Sänger Pese erzählte Redakteurin Mirjam vor dem Konzert so einiges über die Tour-Kollegen Neat Neat Neat, Musik machen in „reiferen“ Jahren und die Liebe.

 

Ihr habt gerade eine 7“-Vinyl-EP mit Neat Neat Neat herausgebracht und seid jetzt gemeinsam auf Tour. Wie kam es zu dieser Kooperation?

 

Pese: Nachdem wir die Single zusammen gemacht haben, war klar, dass wir, wenn es sich zeitlich anbietet, auch zusammen Konzerte spielen wollen. Man kennt sich durch Tigerbeat und unseren Gitaristen Tobi. Unsere Bands passen auch ganz gut zusammen, eine wirklich gute Mischung. Neat Neat Neat ist noch viel rockiger und rotziger als wir, dafür gibt es bei uns dann ein paar schöne Melodien. Außerdem sind sie nur zu zweit. Das ist stressfreier für’s Touren. Wenn wir noch eine Fünf-Mann-Kapelle dabei hätten, bräuchte man schon zwei Tourbusse, noch mehr Hotelzimmer usw. Vielleicht kann man das Zusammenspielen auch noch ein bisschen ausbauen, aber soweit denken wir momentan noch nicht.

 

Wie weit plant ihr denn im Voraus? Wann kommt eigentlich das erste richtige Album?

 

Pese: Das eigene Album ist auf jeden Fall in Planung. Die zwei Stücke auf der Single sind schon im Zuge der Albumproduktion entstanden. Das wird dann unser erstes Album, obwohl wir schon seit drei Jahren zusammenspielen. Fertig sind wir allerdings noch nicht damit, aber es wird auf jeden Fall 2008 erscheinen.

 

Wie „groß“ wollt ihr werden? Auftritte in den großen Hallen und auf den richtig großen Festivals oder lieber weiterhin kleine Clubs?

 

Pese: Wenn ich ehrlich bin, hängt viel daran, dass wir eine gewisse Altersschwelle bereits überschritten haben. Wenn man anfängt Musik zu machen, hat man einen wahnsinnigen Ehrgeiz, will extrem erfolgreich werden. Irgendwann versteht man dann, wie die Mechanismen funktionieren, auch wenn man es vielleicht gar nicht will. Zum Teil kann man sich dadurch natürlich auch selbst besser positionieren. Weiß man ganz genau, wo man hin könnte, stellt sich nur noch die Frage, will man das auch? Musikmachen ist immer ein extrem unsicheres Ding und ist verbunden mit viel Arbeit und Zeitaufwand. Wenn man Anfang Zwanzig ist, mag das noch richtig sein für einen Musiker. Aber irgendwann fällt man solche Entscheidungen nicht mehr einfach so aus dem Bauch raus und sagt: „klar gehe ich jetzt erstmal auf Tour für zwei Monate“. Die meisten von uns haben viel mit Musik zu tun, aber es gibt eben auch noch viel nebenbei. Es geht nicht mehr nur darum, Tag und Nacht Musik zu machen.

 

Pese, du und Drummer Seppes ihr kommt hier aus München. Wie ist so ein Heimspiel im Atomic Café?

 

Pese: Das ist immer schwierig. Von acht Konzerten, die ich jetzt hier gespielt habe, war vielleicht eins dabei, von dem ich gesagt habe, das war schön heute. Auf der Bühne schlüpft man in eine gewisse Rolle. Dann schaut man runter ins Publikum und sieht Leute, mit denen man sonst Bier trinken geht oder telefoniert oder im Proberaum steht, weil man noch andere Bands hat. Das setzt auch unter Druck, macht extrem unlocker. Aber man fängt als Band von hier natürlich an in München zu spielen. Irgendwann stellt man sich dann Aufgaben. Ich möchte unbedingt im Substanz spielen. Dann werden die Clubs größer und man will ins Atomic, ins Backstage und in die Georg-Elser-Halle. Und dann ist es vorbei, dann ist München auch langweilig. Für die anderen drei ist es natürlich in Frankfurt das gleiche.

 

Durch diese Mischung entgeht ihr auch der Gefahr als Lokalband zu enden.

 

Pese: Nee, das bestimmt nicht. Darüber sind wir zum Glück schon alle vor unserer gemeinsamen Band hinausgekommen. Wir waren alle schon in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs. Das wäre auch zu traurig. Ich kann das gar nicht verstehen. Ich kenne eine sehr gute Stuttgarter Band, die wollen zweimal im Jahr in Stuttgart spielen. Die könnten überall touren, auch im Ausland, denn sie machen ganz große Musik und haben viele Fans, aber sie wollen einfach nicht raus. Ich könnte so keine Musik machen.

 

Auf eurer Homepage habt ihr einen sehr schönen Text, der allerdings impliziert, dass ihr keine Lust auf Labels und Kategorien habt? Stimmt das?

 

Pese: Wir sind schon realistisch genug, zu wissen, dass jeder eine gewisse Orientierung braucht. Wir sind ja selbst so. Alle Musiker schauen sich Bands an und sagen „das kenn ich doch, das klingt ja wie The Kinks, das klingt wie Bloc Party“. Aber keine Band hat das gerne, jeder möchte den total einzigartigen Sound machen und nicht verglichen werden können. Was stimmt ist, dass wir generell eine „wir müssen uns nicht beweisen“-Mentalität haben. Wir sind einfach fünf Leute, die vieles gesehen haben. Deswegen sind wir auch nicht zusammen zu kommen, um uns ganz nach oben zu katapultieren, sondern weil wir uns musikalisch so gut verstehen und wir gemerkt haben, dass es beim gemeinsamen Musik machen bei jedem von uns wieder kribbelt. Es ist etwas Schönes, zu merken, dass es da eine Hammer-Energie gibt und tolle Songs dabei herauskommen. Dann hat es auch noch ein paar Leuten gefallen und so kam der Entschluss zur gemeinsamen Band, ohne Druck, ohne Verpflichtungen. Und damit sind wir bis jetzt auch ganz gut gefahren. Deswegen gibt es vielleicht bis auch noch kein Album. Der Schwebezustand ist sehr angenehm. Man existiert, aber man verweigert sich auch dem völlig normalen Kreislauf, den eigentlich alle Bands durchlaufen müssen. Man macht einfach, wenn man Lust hat, so wie jetzt, eine Single und Tour. Wir bewahren uns das ganz bewusst: Wir sind ein bisschen anders, wollen nichts erzwingen und sehen, was auf uns zukommt.

 

Jetzt noch eine abschließende Weihnachts-Frage, zum Fest der Liebe: „It all comes down to love when all comes down“, heißt es in eurem Song. Was bedeutet Liebe ganz konkret für dich?

 

Pese: In einem Satz? Ich glaube, in der Liebe kommen bestimmte Sachen zusammen. Das ist für mich Sehnsucht und Geborgenheit. Einmal die Sehnsucht nach jemandem, nach einem Gefühl, nach einem Ort. Und wenn es dann jemanden in deinem Leben gibt, entsteht Geborgenheit. Eigentlich zwei Gegensätze, doch diese beiden Gefühle zusammen ergeben für mich Liebe.

 

Bei Pese von The Dalles bedankt sich für das Interview: Mirjam Miethe

(2007)




Kommentar schreiben
Name:
Email:
 
Titel:

3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved."

 

Kommentare