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Enter Shikari: Einmal Major und zurück
Saturday, 29 October 2011 13:02
enter-shikari.jpgSo richtig wach wirkt Rory Clewlow noch nicht, als wir uns am frühen Nachmittag zum Interview im Münchner Backstage treffen. Eigentlich hätte auch die restlichen drei Viertel von Enter Shikari anwesend sein sollen, doch Sänger Rou Reynolds, Bassist Chris Batten und Schlagzeuger Rob Rolfe haben sich spontan entschlossen, ihren Aufenthalt in Wien zu verlängern und erst am Nachmittag mit dem Zug nach München zu fahren. Trotz Abwesenheit der restlichen Bandmitglieder erklärt sich Rory aber bereit, bei Cola und Zigaretten ein paar Fragen zum nächsten Enter Shikari-Album A Flash Flood Of Colour zu beantworten.

Ihr habt gerade eure neue Single Sssnakepit veröffentlicht. Können wir daraus schon schließen, wie sich euer nächstes Album im Januar anhören wird, oder ist der Song eher untypisch?

Rory: Der Song ist nicht wirklich typisch, sondern spiegelt nur eine der vielen Facetten des Albums wider. Wir versuchen einfach, jedes Mal etwas völlig Neues zu machen. Auf dem Album wird es viel Dubstep geben, aber auch wirklich dreckigen Rock und ruhige Momente. Dieses Mal haben wir noch mehr verschiedene Einflüsse eingebracht als bisher.

Ihr seid vor einiger Zeit zum Plattenriesen Warner gewechselt. Euer neues Album wird nun aber doch wieder vom Indie-Label PIAS vertrieben werden. Hat die Arbeit mit dem Major nicht so funktioniert, wie ihr euch das vorgestellt habt?

Rory: Nein, die ganze Major-Sache hat für uns nicht funktioniert. Die großen Labels sind einfach nicht flexibel genug. Die Musikindustrie hat sich in den letzten Jahren enorm verändert, und wir sind eine Band, die ganz eigene Vorstellungen davon hat, wie sie ihre Musik aufnimmt und veröffentlicht. Wir machen sehr viel selbst. An unseren Videos sind zum Beispiel immer Freunde von uns beteiligt. Die großen Labels denken da aber immer noch zu altmodisch, und deswegen gab es ständig Konflikte. Jetzt sind wir wieder bei PIAS, und alles läuft so viel besser. Die Leute da sind immer offen für unsere Ideen und arbeiten mit uns und nicht gegen uns.

Ihr habt dieses Jahr eine Live-DVD veröffentlicht. Wie war es denn für euch, diese ganzen alten Videos anzuschauen und die besten Szenen auszusuchen?

Rory: Ehrlich gesagt war unser Bassist Chris wohl der Einzige, der sich wirklich alles angesehen hat. Wir anderen haben das immer ein bisschen vor uns hergeschoben, bis dann letztlich der Release-Termin vor der Tür stand. Wir haben einfach darauf vertraut, dass schon alles in Ordnung sein wird. Aber wenn ich mir manche Szenen jetzt anschaue, finde ich sie schon wirklich peinlich! Die DVD gibt den Fans einen guten Überblick darüber, was wir bisher gemacht haben. Es sind einige kleine Shows zu sehen, aber auch die großen, altes und neues Material - von allem etwas. Wir wollten den Leuten einfach einen ehrlichen Einblick in unsere Arbeit geben.

Ihr seid momentan sehr viel auf Tour. Was hast du immer dabei, und wie schafft ihr es, euch nach Wochen im Tourbus nicht völlig auf die Nerven zu gehen?

Rory: Ganz wichtig sind Bücher und mein Laptop. Und Bier! (lacht) Ja, Bier ist wirklich wichtig. Davon abgesehen ist es uns aber gelungen, über die Jahre hinweg unsere Freundschaft aufrecht zu erhalten. Touren ist wirklich nicht besonders anstrengend für uns. Man muss eben manchmal eine gewisse professionelle Distanz wahren. Dinge, die man seinen Freunden im Affekt an den Kopf werfen würde, muss man eben in der Band manchmal für sich behalten, weil wir ja auch zusammen arbeiten müssen.

Ihr seid sehr aktiv auf Facebook und Twitter. Ist es für euch wichtig, auf diesem Weg unmittelbares Feedback von den Fans zu bekommen, oder sind diese Plattformen für euch einfach nur weitere Marketing-Wege?

Rory: Vor allem sind Twitter, Facebook und Co. für uns weitere Möglichkeiten, uns kreativ auszuleben. Rou und ich bearbeiten im Bus zum Beispiel unsere Tour-Vlogs. Außerdem macht es einfach Spaß, lustige Sachen zu posten und unmittelbar mit den Fans interagieren zu können.


Was war denn bisher der beeindruckendste Moment für dich mit Enter Shikari?

Rory: Da gibt es natürlich eine ganze Menge. Wirklich überwältigend in letzter Zeit war unser Auftritt beim Reading Festival dieses Jahr. Leeds war auch toll, aber da hatten wir viele technische Probleme. In Reading schien dann alles perfekt zu laufen. Und dann die ganze Atmosphäre. Ich kann mich erinnern, wie wir früher als Kids nach Reading gefahren sind und uns vorgestellt haben, wie großartig es wohl wäre, da mal zu spielen. Und dann plötzlich auf der anderen Seite der Absperrung zu stehen und wirklich auf dieser Bühne zu spielen, war noch viel besser, als ich es mir je vorgestellt hatte.

 

Bei Rory Clewlow von Enter Shikari bedankt sich für das Interview: Bettina Koch.

(2011)

 

Reinschauen: Enter Shikari - Sssnakepit

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