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Blackmail: "Da rasten die Japaner aus"
Sunday, 22 July 2007 00:56

blackmail Ein altes Sofa in den Katakomben der Röhre in Stuttgart. Auf ihr zwei Herren, die darauf fiebern, einem überfüllten Haus ihr neues Album präsentieren zu können. Carlos Ebelhäuser (Bass) und Mario Matthias (Schlagzeug) der Rockkombo Blackmail mussten nicht erst erpresst werden, um mit uns eine Unterhaltung zu führen, die weit über den Bandnamen hinausgeht. Zwei Koblenzer über Mixed-Tapes, Japan und Sarah Kuttner.

 

Zum Reinhören: Everyone Safe

 

Eure erste Bewerbung damals bei einem Label erfolgte noch mit einer klassischen Kassette. Als Blackmail dennoch nicht wahrgenommen wurden, habt ihr eine Demo-CD aufgenommen. Ist es heute ohne eine Demoversion auf Scheibe überhaupt noch möglich, Aufmerksamkeit zu bekommen von einzelnen Plattenfirmen?

Matthias: Eine Kassette nimmt, glaube ich, heute keiner mehr wahr. Eine CD herzustellen oder mit einer CD aufzunehmen ist heutzutage wirklich einfach geworden. Du kannst ja mit einen PC nahezu alles machen, auch Musik aufzuzeichnen.

Es gibt ja auch Plattenfirmen, die bis vor ein paar Jahren noch Kassetten an die Sendeanstalten geschickt haben, weil diese nicht so gut kopiert werden konnten.

Ebelhäuser: Man macht das aber eher so als Gag, old School eben. Aber die Regel ist es nicht.

Matthias: Wobei es heutzutage wieder auffallen würde, wenn man nur Kassette spielen würde.

Würdet ihr denn heute noch einmal ein Band aufnehmen? Auch nicht der guten alten Zeiten willen?

Ebelhäuser: Das haben wir eigentlich damals schon nicht so gerne gemacht, weil ein unglaublicher Qualitätsverlust damit verbunden ist.

Wie wäre es mit aber mit einer Rarität für wahre Blackmail-Fans? Für die Sammler unter euren Hörern.

Matthias: Ein Blackmail-Tape!

Ebelhäuser: Das wäre aber eine Idee!

Matthias: Die könnten wir dann bei den Konzerten raus schmeißen.

Ebelhäuser: Ein Mix-Tape…

Matthias: Jetzt habt ihr uns aber wirklich einen Floh ins Ohr gesetzt. Oh mein Gott.

Schön, dann können wir behaupten, dass man es uns zu verdanken hat, dass es so etwas gibt.

Ebelhäuser: Unglaublich… habt ihr nicht Lust, unsere Promo zu machen?

Eine gute Promotion müsst ihr ja haben! Vor zwei Jahren hingen bei uns in der Heimat noch Tourplakate mit Blackmail in Trossingen. Kein Mensch wusste, wo das ist. Heute füllt ihr die Hallen in Stuttgart, München und anderen großen Städten. Merkt man den Boom der Band auch in anderen Bereichen?

Ebelhäuser: Wir merken es jetzt mehr denn je. Mit dem neuen Album Aerial View ist da schon ein anderes Level erreicht worden. Wir haben uns dazu auch ein tolles Videokonzept überlegt – das heißt, nicht wir, sondern wir haben da tolle Menschen kennen gelernt, die das wirklich draufhaben – und jetzt passt das irgendwie auch alles zusammen. Das ist für die kleineren Hallen oder die großen Clubs, in denen wir jetzt spielen dürfen.
Wir haben uns aber auch überlegt, speziell diese Tour nicht zu überbuchen, sondern nach dem Motto „Weniger ist mehr“ zu buchen. Das bedeutet, dass wir zum Beispiel nur direkt hier in Stuttgart spielen und nicht noch in der Umgebung. Wir wollten jetzt erstmal die großen Dinger abgrasen, werden aber im Herbst noch mal wieder kommen. Jetzt treten wir dafür aber nur in größeren Läden auf, damit sich das Ganze ballt, konzentriert. Hat bisher super funktioniert.

Was wird bevorzugt: Kleine Clubs oder eben die größeren Hallen?

Ebelhäuser: Momentan macht mir das hier am meisten Spaß. Kleine Clubs haben auch was. Ich meine, Festivals konnten wir am Anfang auch gar nicht ab und wenn du dann 30 Festivaltermine hast, macht es ab dem zehnten ungefähr doch auch richtig Spaß. Du musst dich eben bei allem immer wieder neu eingrooven.

Matthias: Es kommt halt darauf an. Kleine Sachen machen manchmal Spaß, große Sachen machen auch manchmal Spaß, macht man zuviel von beiden ist irgendwann einfach die Luft raus.


Heißt es nicht, der Applaus ist der größte Lohn des Künstlers? In diesem Fall müsstet ihr in großen Räumlichkeiten eigentlich bevorzugt auftreten.

Matthias: Ja klar! Wenn du auf der Bühne stehst und du siehst 500 Leute ausflippen oder stehst auf der Bühne uns siehst 50 Leute ausflippen, das ist natürlich schon ein immenser Unterschied. Es kommt darauf an, wie groß die Kapazität des Ladens ist. 50 Leute können auch unglaublich riesig Party machen.

Hört sich ja so an, als ob ihr live ordentlich Eindruck hinterlasst. Nun gibt es ja auch Bands, wie zum Beispiel die Red Hot Chili Peppers, die live keine berauschende Qualität abliefern – siehe der Gesang von Antony Kiedis (beide Bandmitglieder prusten los vor lachen) – aber dennoch sehr große Erfolge verbuchen. Glaubt ihr, dass man auch ohne große Live-Qualitäten den riesen Erfolg abräumen kann?

Ebelhäuser: Nein, eigentlich nicht! Ich finde auch, Antony Kiedis ist ein absolutes Phänomen. Der trifft zwar so was von nicht die Töne, aber wenn er sich eine Socke über den Penis streift…

Matthias: Machst du das Gerät mal kurz aus? (lacht)

Ebelhäuser: Die Melodie des Gesangs ist die Seele des Songs. Das sollte schon wirklich stimmen. Und wenn man das nicht kann… Gibt es sonst Beispiele? Also das hier ist ein hervorragendes Beispiel. Die Peppers haben wirklich viele tolle Plattengemacht, aber live waren das immer wieder Hoch- und Talfahrten.

Mit der Technik wird man ja auch einiges retten können. Die Rolling Stones und Die Ärzte sind live auf der Bühne ja auch nicht so einwandfrei.

Matthias: Ich glaube, eine Band wie Die Ärzte legt jetzt auch keinen gesteigerten Wert auf musikalische Glanzleistung. Das ist ja eh schon so eine Art Funk-Punk-Mucke. Bei den Red Hot Chili Peppers sieht das schon ein bisschen anders aus. Wobei die Musiker ja gar nicht SO schlecht sind.

Ebelhäuser: Ja ich glaube schon, dass der Gitarrist schon einiges ausmacht, der ja jetzt auch ab und zu mitsingt. Ich bin mir sicher, dass auch die eine oder andere gute Melodie auf seinem Mist gewachsen ist und nicht vom Sänger kreiert wurde. Denn wenn man nicht singen kann, dann kann man auch schlecht auf solche Ideen kommen. Es hat mich sowieso gewundert – um das Thema jetzt mal abzuhaken- welche Melodien da auf einmal ins Spiel kamen. Vorher war das mehr Sprechgesang. Aber wir sind ja jetzt bei Blackmail. (grinst)

 

Ihr hattet schon einmal den Fall, dass ein Vertreter des ersten Major-Label, welches eure Band ursprünglich unter Vertrag nehmen wollte, euer Konzert verließ, weil er von einem ominösen, exhibitionistischen Farbigen belästigt wurde. Nennt uns fünf gute Gründe, ein Blackmail-Konzert zu verlassen.


Ebelhäuser: Ich kenne keinen. (lacht)

Matthias: Fünf Gründe aus der Sicht eines Konzertbesuchers: Du stehst da, wirst von links angekotzt und von rechts, von hinten angepisst und von vorne.

Ebelhäuser: Das wären schon mal vier gute Gründe. Und wenn dann noch der Sound schlecht ist, dann wäre das vielleicht ein Anlass.

Matthias: Wenn du noch selbst kotzen musst, wären das fünf, nein sogar sechs Gründe definitiv das Konzert zu verlassen.

Dafür stimmt bei euch wenigstens der Sound. Der allerdings ziemlich melancholisch klingt. Soll eure Musik tröstend oder selbstzerstörerisch und traurig wirken?

Ebelhäuser: Die Friend or Foe? war schon relativ düster. Die neue Platte hingegen birgt irgendwie mehr Hoffnung. Live rockt das ja auch und wir kriegen das auch nicht mehr raus, wir stehen auf diese Melancholie. Diese straighten geradlinigen 0815-Rocknummern haben wir einfach nicht drauf.

Wie kam die Entwicklung von der Melancholie zur Hoffnung?

Ebelhäuser: Das hat sich daraus ergeben, dass Kurt sehr stark in das Songwriting der Friend or Foe? involviert war und das hat damit zu tun, dass wir einen Produzenten hatten. Kurt konnte sich so mehr auf das Gitarre spielen konzentrieren, einfach Musiker sein. Bei dieser Platte ist nun wieder ziemlich viele Outputs von allen Bandmitgliedern vorhanden gewesen. Das bringt dann wieder so eine gesunde Mischung. Ich finde, zuviel Düsternis oder Melancholie ist auch nicht gut. Es gibt Leute, die haben sich schon tätowieren lassen deswegen, die fanden das toll, die haben das geliebt. Ich fand die Platte natürlich auch super, aber mit der neuen bin ich doch etwas glücklicher.

 

Blackmail covern Tears For Fear Mad World



Also steckt hinter euch keine Art von Todessehnsucht wie meinetwegen bei Kurt Cobain oder Matthew Bellamy von Muse?

Ebelhäuser: Nein, das sowieso nicht. Wir lieben das Leben! (lacht) Zuviel Theatralik und dergleichen nervt ja auch ungemein. Bei uns ist das immer subtil. Der Gesang geht auch viel mehr nach vorne als sonst. Auf der Science Fiction oder der Bliss, Please war der Reiz fetter Sound, fette Gitarren und Aydos teilweise gleichgültiger Gesang, auf Anhieb nicht passend zu den Gitarren. Das hatte was. Aber wir wollten uns nicht ständig wiederholen und deshalb haben wir eine Platte gemacht, die für unsere Verhältnisse gelungen ist, behaupte ich mal.

Wie der Gesang, so wollt auch ihr jetzt ganz nach vorne, oder?

Ebelhäuser: Man muss Sachen vorher wollen, sonst klappt das eh nie. Bei den anderen Platten wollten wir nie so wirklich und bei dieser nun eben doch.

Gibt es denn Bands, an denen sich Blackmail soundmäßig oder größentechnisch orientiert?

Matthias: Also nicht spezifisch, dass wir sagen „so soll es klingen oder so soll es klingen“. Es gibt natürlich immer Einflüsse. Momentane Sachen, die man gerne hört, an denen man sich vielleicht im Entferntesten orientiert. Aber dass man sagt, „bei der Platte hat mich das und das jetzt wahnsinnig beeinflusst“, das gibt es nicht. Zumindest bei mir nicht, das gibt es eher weniger.

Ebelhäuser: Was mir jetzt einfällt: 1999 zu Science Fiction haben wir unglaublich viel Air gehört, Vertial Suicide. Klingt aber überhaupt nicht danach. Beim zweiten Album waren wir dann eher beeindruckt von dem ein oder anderen Song der Rufus Wainwright, es klingt aber immer noch nicht danach! Das finde ich das gute an uns, dass es uns unheimlich packt, aber dann nachher nicht richtig raus kommt. Das gefällt mir. Es wäre ja auch blöd, wenn das eins zu eins rüber käme.

Das verhindert die Schubladen. „Blackmail klingt genauso wie…“.

Matthias: Sehr gut.

Ebelhäuser: Es kommt natürlich auch dazu, dass man einen Sound, den man selbst kreiert hat, nicht so einfach wieder weg bekommt. Das finde ich aber auch gut so, dass Blackmail für einen gewissen Sound steht. Ich kann es sowieso nicht leiden, immer zu lesen, dass wir nach dem klingen und nach dem klingen… Dieser Placebo-Vergleich nervt ja auch total, weil die Leute uns oberflächlich mitkriegen, weil ein Video läuft oder man uns im Radio hört und dann denkt „ah, das klingt wie Placebo“. Aber weder die Harmonie noch das Songwriting noch eigentlich die Stimme stimmen überein. Und das bleibt dann auch dabei.
Der Gitarrensound hat uns auch verändert, der ist ein bisschen ausgedünnt, auch schlagzeugtechnisch, aber es bleibt immer noch Blackmail.

Was zeichnet Blackmail nun also kurz gefasst aus?

Matthias: Zeichnet aus, dass wir alle auf einem Nenner sind. Wir wollen und können auch nur Musik machen, uns bleibt nichts anderes übrig…

... Der Schulabschluss…

Matthias: (lacht)

Ebelhäuser: … kein Schulabschluss! Das haben wir uns eben schon mit 13 oder 14 vorgenommen, sind inzwischen seit 1993 dabei, nachdem wir davor zehn Jahre lang nur vor uns hingedümpelt sind. Natürlich gibt es Höhen und Tiefen, wir sind auch schon ultralang zusammen. Aber wir wissen genau, es gibt keine Alternativen. Wir wissen genau, wir werden nichts anderes machen, es sei denn, es will uns wirklich gar keiner mehr hören und haben. Ich glaube nicht, dass wir uns dann aufdrängen würden. Aber solange uns die Leute hören wollen, Platten kaufen und haben wollen, werden wir noch da sein.

Was wäre denn das Schlimmste, was ein Label euch jetzt vorschreiben könnte, dass etwas an euch verändern wollen würde?

Matthias: Was uns alle sehr aufgeregt hat, noch zu Warner-Zeiten, zur Majorlabel-Zeit, war die Frage nach der Single. Man liefert ein stimmiges Gesamtwerk ab, und dann bekommt man zu hören „da ist ja gar keine Single drauf, nichts für´s Radio!“. Irgendwann wird man von diesen Gedankengängen dann angesteckt und verwässert man sich selber so gewisse Herangehensweisen.

Für die Fans von Blackmail wäre es doch sicher auch ein Schock, wenn Liedgut von euch im Radio laufen würde, oder?

Ebelhäuser: Andererseits ist es natürlich auch ein kommerzieller Gedanke, der uns fragen lässt, warum man uns NICHT im Radio spielen sollte. Was soll daran schlimm sein? Ich meine, es gibt genügend schlechte Musik, die dort rauf und runter läuft. Von daher wäre es mal schön, wenn unsere Musik laufen würde. Dann gibt es halt die Kandidaten, die meinen, sie wollten uns nicht teilen mit anderen…

Ich denke, in der Indie-Szene ist das aber schon öfter der Fall.

Ebelhäuser: Ja, wir haben auch grundsätzlich nichts dagegen. Das sieht man, finde ich, auch an Never forever. Das ist so eine straighte Nummer und auch wieder so für mich Blackmail-typisch, aber es ist so was von einer Single-Auskopplung geworden… unbewusst, aber sie hat danach geschrieen.

Matthias: Also keine Zwangsauskopplung. Wir haben alle lange überlegt, finden die Entscheidung aber gut. Also auf jeden Fall stehen wir dahinter. Es ist nicht so: „Ja, wir mussten, weil…“, so war es nicht.

Ebelhäuser: Wir mussten irgendwie nie was. (lacht) Dabei können wir eigentlich vieles! Wir können straighte Sachen machen, die auf den Punkt kommen, wir können Zehn-Minuten-Lieder machen, wir können düstere Platten machen, wir haben Filmmusik gemacht. Wir wollen also nicht da und da bleiben, sondern auch mal woanders hin.

Also würdet ihr euch auch mal einfach dem Mainstream hingeben, euch selbst publizieren, auch mal in TV-Shows setzen?

Ebelhäuser: Man muss sich mal vorstellen, dass wir ganz damals mal schon ernsthafte Anfragen vom ZDF bekommen haben für das Frühstücksfernsehen oder so was.

Matthias: War das nicht Drehscheibe?

Ebelhäuser: Weiß ich nicht mehr. Aber das waren ernsthafte Anfragen, wo die überhaupt nicht gerafft haben, was Blackmail ausmacht. Da war die Single ganz nett anzuhören, aber hätten wir dort richtig aufgedreht, wäre denen wahrscheinlich sonst noch was runter gefallen. Da müsste man, wenn man soweit käme, schon austüfteln. Bei Kuttner haben wir ja schon überlegt, aber es gibt nun mal nicht viele Plattformen im deutschen Fernsehen für Live-Musik.

Matthias: Schade eigentlich.

Wobei die Kuttner an sich einen recht guten Musikgeschmack hat, wenn man sich auch sonst über sie streiten kann.

Ebelhäuser: Ja, genau das ist es halt eben. Es müsste mehr davon geben!

Matthias: Auch wenn die sonst schon… tut mir leid, ich will jetzt keinem weh tun. (lacht)

Kein Problem, wer schaut die Sendung nicht nur wegen der Musik.

Ebelhäuser: Ja und es müsste mehr davon geben!

Matthias: Aber ich mag sie eben nicht.

Gut, sie war schon schlimmer. Aber vielleicht wurde Blackmail durch sie etwas bekannter? Wo feiert ihr als Band derzeit noch Erfolge? Was zählt zu den größten Erfolgen?

Matthias: Vor zwei Jahren fing das in Japan an, das war der Hammer. Da kamen wir endlich in den Genuss des Ausländerbonus. Die Musik kommt rüber, sie ist nicht einheimisch.

Ebelhäuser: Da bist du mal der Exot, das war nicht schlecht.

Wie haben die Japaner auf euch reagiert?

Matthias: Super. Es ist eine unglaubliche Mentalität. Also ich kann jedem nur empfehlen, dort einmal hinzureisen. Das muss man wirklich mal erlebt haben.

Ebelhäuser: Aber man kann nur dahin, wenn man jemanden kennt.

Matthias: Ja, sonst bist du ernsthaft aufgeschmissen, denn mit dem Englischen haben die Japaner es nicht so und die Schriftzeichen versteht auch niemand.

Worin liegt der Unterschied zwischen einem deutschen Konzert mit Deutschen und einem japanischen Konzert mit Japanern?

Matthias: Schwierig.

Ebelhäuser: Also hier ist es schon wirklich ganz toll gelaufen, aber in Japan war es von der ersten Minute an, in der du auf die Bühne kamst, großartig. Das Sommer Sonic Festival vor ein, zwei Jahren bleibt unvergessen. Fünf tausend Leute waren da für uns vier aus Koblenz und von der ersten Minute an ging es richtig ab. Es war eine super Stimmung. Ich habe es zwar schon mal gesagt, aber ich kann mich da nur immer wieder wiederholen, wenn ich sage, die sind einfach punktgenau. Wir haben ja ein paar Variationen, die live immer wieder verändert werden und in Sessions münden. Und die honorieren das mitten im Lied mit einem saftigen Applaus. Dann denkst du erst „was soll denn das? Das läuft doch noch!“ und dann haben wir aber verstanden: die klatschen, weil das denen gerade gut gefallen hat! So etwas habe ich wirklich noch nie erlebt bei einem Rockkonzert. Das ist der feine Unterschied.

Matthias: Das beste ist aber, wenn der Song zu Ende ist, rasten die Japaner für ein paar Sekunden komplett aus, dann ebbt das ganz aprupt ab und alle stehen wieder wie gebannt da und warten auf den nächsten Song. Da denkst du erst, du hast was falsch gemacht. Wenn du dann weiter machst mit einem Stück, dass die auch noch kennen, sind sie wieder von Anfang an mit dabei. Vor allem war das Festival unser erstes Konzert in Japan, standen auf der Bühne und wurden so gut angenommen. Ja, war ganz toll. (beide lachen)

Inwiefern hat Japan euer aktuelles Album geprägt?

Ebelhäuser: Eigentlich haben wir gedacht, es wäre prägend, aber irgendwie hat sich wieder bestätigt, dass wir machen können, was wir wollen…

Matthias: Es hat die DVD der Limited Edition ein bisschen geprägt.

Ebelhäuser: Vielleicht auch das Bewusstsein, Musik nicht nur für Deutschland, Österreich und Schweiz zu machen.

Matthias: Es hat uns auf jeden Fall die Lust gegeben, die Landesgrenzen mal zu überschreiten. Wir versuchen mit dem neuen Album ja auch, europaweit mal ein bisschen Fuß zu fassen, was wir immer wieder wollten, wo die Plattenfirmen aber nie mitgespielt haben, sondern immer nur abgewartet haben, wie es in Deutschland so läuft. Es ist nun mal Firmenpolitik, ganz schlimm. Da sind wir dann auch nur einer von vielen.

Was ist denn die dämlichste Frage, die euch jemals gestellt wurde, die ihr auf keinen Fall je wieder hören wollen?

Ebelhäuser: „Wie seid ihr auf den Namen Blackmail gekommen?“. Da weiß man immer von vorne herein, dir sitzt jemand gegenüber, der überhaupt keine Ahnung von dir hat.

Das sind dann die Leute, die später sagen „Blackmail klingt wie Placebo“.

Ebelhäuser: Das ist eigentlich noch zutreffender. (grinst zustimmend und lehnt sich zurück)

 

Bei Carlos Ebelhäuser und Mario Matthias bedanken sich für das Interview: Nina-Carissima Schönrock und Dominik Hoferer

(2005)




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