Nina Persson, Kopf der Band The Cardigans und derzeit im Auftrag als Sängerin von A Camp unterwegs, machte im Backstage in München Halt. Im Interview mit dem LAXMag sprach sie über wilde Tiere, faszinierende Pferde und über ihre Reise nach Afrika.
Nina Persson wirkte kühl und zurückhaltend, aber dennoch höflich und auf ihre schwedische Art überaus sympathisch. Unser Redakteur Dominik traf sie unmittelbar nach dem Soundcheck, in dem fast das komplette Repertoire A Camps dargeboten wurde.
Gab es während den Aufnahmen zu eurem Album irgendwelche besonderen Momente oder Ereignisse, die Auswirkungen auf das Album selbst hatten?
Persson: Nicht wirklich, aber natürlich gibt es ständig Hochphasen und Tiefpunkte an jedem Tag und bei jedem Menschen. Jeden Tag, an dem du an so einer Platte arbeitest wird dir bewusst, was du damit erschaffst. Wir hatten eine wirklich gute Zeit dabei und an besonders negative oder positive Momente kann ich mich nicht erinnern. Natürlich gab es auch ein paar anstrengende Phasen, aber bei dieser Platte war es ziemlich gediegen.
Bear on the Beach ist ein wahnsinnig ruhiger und beruhigender Song – aber doch so gefühlsintensiv, dass er einen in eine kleine Filmwolke gefangen nimmt. Was geht in euch vor, wenn ihr ein solches Stück komponiert – was passiert in euch, wenn ihr einen Song schreibt?
Persson: Bei solchen Songs steht zuerst die Melodie fest, der Rest ergibt sich von alleine und es drängt sich einem auf, wie das Stück klingen muss. Wir wussten, dass wir bei dem Song Drums einsetzen wollten und fingen bereits in Nathans Studio an, den Sound zu schaffen. Das Stück ist relativ schnell entstanden, denn wir wussten was wir wollten.
Würdest du behaupten, dass das verträumt-filmische durch Nathan kommt? Er ist ja vorbelastet, als erfolgreicher Komponist von Filmmusik
Persson: Auf jede Fall! Seine Erfahrungen im Schreiben von Filmmusik hat uns auch schon auf der ersten Platte weiter gebracht. Auf der zweiten Platte hat er alles alleine gemacht. Er ist der Mann, der weiß, wie der Sound klingen muss. Er weiß eben wie man Atmosphäre schafft und den Hörer fesselt.
Manche Bands bestehen aus alten Freunden, andere wiederum treffen sich über eine gemeinsame Zusammenarbeit. Wie war das bei euch? Wie habt ihr, als A Camp, überhaupt zusammen gefunden?
Persson: Es begann mit mir und Niclas. Wir trafen uns 1997 in einer Bar und redeten über Musik, als wir merkten, dass wir auf der selben Wellenlänge sind. Wir waren beide der Meinung, dass wir mal was neues ausprobieren sollten, wurden gute Freunde und schrieben jede Menge Songs. Ein Jahr später lernte ich Nathan kennen und er freundete sich auch mit Niclas an. Zur Jahrtausendwende nahmen wir dann unsere erste Platte auf, was als Trio und unter guten Freunde sehr gut funktioniert hat. Du und Nathan, ihr seid miteinander verheiratet. Eine Paar-Konstellation innerhalb einer Band ist ja auch nichts Neues: Siehe Handsome Furs, The Raveonettes. Aber wie wirkt sich eure Ehe auf eure Arbeit aus? Erleichtert es euch das gemeinsame Arbeiten oder erschwert es das euch eher?
Persson: Der Streitfaktor zwischen Nathan und mir ist schon höher als in anderen Konstellationen. Aber wir unterscheiden Berufliches und Privates ganz gut. Im Studio sind wir Bandkollegen und zuhause ein Ehepaar, das funktioniert automatisch, ohne dass wir uns anstrengen müssen. Der Vorteil ist auch, das wir beide mir Niclas gut befreundet sind. Wir müssen nicht ständig zu zweit aneinander kleben, sondern haben einen weiteren Menschen in der Band, mit dem wir uns gut verstehen. Wir gehen auch öfters zu dritt aus, treffen uns zum Essen, verabreden uns in Bars oder schauen gemeinsam andere Shows an.
Wenn ihr – ohne gleich getrennte Wege zu gehen oder eure Fans zu schockieren – mal eine Platte aufnehmen könntet, die so ganz anders ist als A Camp oder eine eurer Hauptbands. Einfach nur als persönliches Experiment. In welche Richtung würde die gehen?
Persson: Oh eine schwere Frage, eigentlich mache ich genau das, was mich auch wirklich interessiert. Wobei mich Musik fürs Cabaret auch reizen würde.
Was war der ungewöhnlichste Ort, an dem ihr jemals Songs aufgenommen habt?
Persson: Die Idee zu dem Song Here Are Many Wild Animals kam während meiner Namibia-Reise. Wir haben ihn an dem Ort zwar nicht aufgenommen, aber er entstand dort eben. Ein halbes Jahr bevor wir an der Platte gearbeitet haben, war Afrika natürlich eine große Inspirationsquelle. Es ist ein total ungewöhnlicher Kontinent mit vielen wilden Tieren, wenigen Menschen und kaum Straßen, auf denen man sich bewegen kann.
Ich fuhr mit Freunden durch Namibia. Da erlebt man natürlich viele Sachen. Autoreifen platzten und nachts schlichen wilde Tiere um unsere Zelte. Die gefährlichsten davon waren Schakale, die aber glücklicherweise nur angreifen, wenn man Essen bei sich hat. Wenn man das wegräumt, lassen die einen in Ruhe.
Gibt es irgendetwas, dass Dich neben der Musik noch reizt, dass du unbedingt erleben willst?
Persson: Ich will unbedingt Reiten lernen. Ich liebe Pferde, habe aber Angst vor ihnen. Reiten ist eine romantische Angelegenheit und selbst wenn die Pferde so groß und kräftig sind, bin ich mir sicher, dass sie gutmütig sind. Auch wenn ich großen Respekt vor Pferden habe, sind es doch Tiere, die mich sehr faszinieren.
Stellt Dir mal vor: Du bist 50 Jahre alt und bekommt eine Titelstory. Wie sollte die Überschrift lauten?
Persson: Oh, schwere Frage (überlegt lange). Vielleicht: "I told you so!"
Wirst du mit 50 Jahren immer noch Musik machen?
Persson: Ich denke schon, zumindest ist es momentan genau das, was ich machen möchte. Vielleicht verlieren ich auch daran das Interesse und das war es denn. Aber wenn ich immer noch gut genug bin, warum denn nicht.
Es ist sicher schwierig, für sich selbst zu sagen, dass man noch gut genug ist.
Persson: Das ist natürlich ein großes Problem. Sollte ich selbst beurteilen können wie gut ich bin, werde ich genauso lange Musik schreiben.
Was war der für dich beeindruckendste, wichtigste oder einprägsamste Moment mit A Camp?
Persson: Nachdem wir 1997 einige Aufnahmen für A Camp gemacht haben, wollte die Plattenfirma das Album nicht veröffentlichen, denn sie wollten eine Platte der Cardigans. Der einzige Ausweg wäre gewesen, eben ein neues Cardigans-Album zu schreiben.
Und was war der für dich beeindruckendste, wichtigste oder einprägsamste Moment in deinem Leben?
Persson: Da gibt es viele, aber ich möchte nicht in Interviews darüber sprechen.
Was erwartet uns in Zukunft von Nina Persson, A Camp, oder den Cardigans?
Persson: Ich habe keine Ahnung und kann dazu gar nichts sagen. Ich weiß nur, dass ich nach der Tour eine Pause brauche und dann werden wir sehen was kommt. Bei Nina Persson von A Camp bedankt sich für das Interview: Dominik Hoferer
(2009)
Anschauen: Bigger Than Jesus live bei den schwedischen Grammys
Schulzkowski is super unbedingt mehr davon
Noch was zum Thema: http://likeitis93.blogspot.de/2012/03/save-olli-schulz.html
diese kritik ist sehr schön, weil sie sich ausnahmsweise mal nicht schema f<...
und was war besonders? Welche Songs in der Setlist? Wie viele Instrumente
Für diejenigen, die es interessiert: Ich hab auf meinem privaten Blog noch e...