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LAXLieblinge: Sickcity
Sunday, 30 December 2007 12:38
Bringen ein Stück Bronx nach München: Sickcity

Wie kommt eine Band aus der sichersten Stadt Deutschlands eigentlich auf Songtitel wie Crack Whore? Die Antwort liefern Sickcity mit Musik, die so gar nicht gefällig oder diszipliniert daher kommt. Hier zeigt sich München mal von seiner großstädtischen Seite: loud, rough und dirty.

 

Reinhören: In my Head


Ein Höhepunkt des diesjährigen Headshrinker Festivals (Erfurt, München) waren sicherlich die Jungs von Sickcity. Schon beim ersten Blick weit entfernt von einer blassen Schüler/Studenten-Band. Und wie so oft ist auch in diesem Fall der Titel Szene-Geheimtipp bereits überholt, denn die vier sind längst eine recht bekannte Münchner Größe. Trotzdem lohnt sich ein zusätzliches Aufmerksam-Machen allemal.

Anfang 2006 fand sich aus verwaisten Bands wie Lilac und Koresh Tied ein neues Projekt - vorerst unter dem Namen Travelpussy - zusammen. Relativ schnell ging es auf alle bekannten Münchner Indie-Bühnen und das mit Erfolg. Als Vorgruppe waren die Vier unter anderem vor den Trashmonkeys, Shitdisco und Maximo Park zu sehen. Ab Juni 2007 spricht man nur noch von Sickcity und das klingt nun noch stärker nach Trash-Comic-Whatever-Lebensgefühl und der Selbstdefinition des „Post-Nuclear-High-Five-Disco-Schranz“. Dieser Stil setzt sich nach eigenen Angaben aus Einflüssen wie Underworld, Radiohead, Nirvana, Interpol, IAMX, Guns’n’Roses, Deichkind und Family Guy zusammen. Dementsprechend postmodern sind auch die (immer mal wieder wechselnden) Künstlernamen der Bandmitglieder: Conan Kowalski (Gesang, Gitarre), Bass-T Goldblum/ Mr. Hyde (Bass), Dr. Death (Synth) und Rainbow Active („Nuclear Arms“ bzw. Schlagzeug).

Aus dem Kreis der Indie-Lokalbands wie The Arrival, Blek le Roc oder Cosmopolite treten sie vor allem durch markante Elektro-Elemente hervor. So warnt die Gruppe nicht umsonst: „Protect your ears“, denn bereits die erste Hörprobe, das Mini-Album Welcome to Sickcity, erstellt Mitte des Jahres, offeriert mit den ersten fünf Songs ungewohnt ruppig-individuelle Töne. Laut und gerade in Sachen Gesang nicht unbedingt auf Harmonie bedacht dreht sich der Liederkosmos um Drogen, Mädchen, Sex und Sex. Dabei stehen alle Lieder für sich, machen nicht den Fehler eingängige Ohrwürmer sein zu wollen, sind weder Liebeslieder noch nett. Dafür gibt es starke Beats und oft recht reduzierte Gitarrenarbeit, die dem Synthie glücklicherweise den Vortritt lässt. Es ist daher sicher nicht zu weit gegriffen, festzustellen, dass Sickcity einen eindeutig vorwärtsgerichteten und innovativen Indie-Pfad eingeschlagen haben, der sie absetzt von belanglosen und vorbildverhafteten Weggenossen.

Beim Liveauftritt haben die Münchner dann noch viel mehr zu bieten als den kleinen auf CD gepressten Ausschnitt. Man merkt, dass die Jungs auf der Bühne und nicht im Proberaum zueinander und zu ihrer Musik gefunden haben. Auch eine absolute „unbedingt Live hören“-Band: Die Musik klingt lebendig und stellenweise sogar gewaltig, die Show ist locker und amüsant, ohne offensichtlich einstudierte Gesten oder Gags, auf einem hohen Niveau, aber noch nicht allzu festgefahren.

Ein professioneller aber noch etwas mysteriöser Auftritt, der die Möglichkeit zu bieten scheint, an der spannenden Entstehungsphase direkt teilzuhaben. Nach einem so grandiosen Start wird natürlich einiges erwartet und wird sicher nicht enttäuscht werden. Augen und Ohren auf für Sickcity, Munich! Mirjam Miethe


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