| LAXLieblinge: My Sister Grenadine |
| Saturday, 11 October 2008 14:19 | |||
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Es scheint eine sehr begabte Schwester zu sein, denn das überaus minimalistisch produzierte Album Shine in the Dark ist von großer Klarheit und Schönheit. Treibgut aus akustischen Gitarrenklängen, fragmentarische Melodie wie von den Saiten gepflückt. "Ich bin ein großer Liebhaber akustischer Musik, bin mit ihr aufgewachsen und hatte schon ein paar Jahre Akustikgitarre gespielt, bevor ich zu einer elektrischen Gitarre griff. Daher hatte ich seit einer Weile den Wunsch, eine minimalistische, akustische Platte aufzunehmen, beziehungsweise Songs zu schreiben, die reduziert sind auf wenige Elemente und dennoch als Musik, als Lieder in ihrer Schlichtheit funktionieren," erklärt Vincenz den Purismus, der sein Solo-Debüt prägt. Indes führt Schwester Grenadine ein eigenwilliges Leben, lässt Zeichnungen auf Vincenz Fußboden liegen oder sitzt Montagmorgen in seiner Heimatstadt Berlin auf dem Fensterbrett. Behauptet Kokot und klingt dabei wie eine multiple Persönlichkeit. Aber keine Sorge, dieser harmlose Spleen ist nachvollziehbar bei jemandem, der es sonst gewohnt ist, Teil einer Band zu sein: "Live waren die ersten Konzerte schon komisch, plötzlich ganz allein dort oben zu stehen, aber ich fand das spannend und intensiv und irgendwie ist es ja auch eine Herausforderung, die ich gesucht habe." Neue Arbeitsweisen ausprobieren, Stile, Medien und Kunstformen miteinander mischen - das liegt dem Jungen mit der Gitarre. Dennoch nimmt er auch als Solokünstler live immer mal wieder Gastmusiker mit auf die Bühne, die er unter anderem auch in Deutschlands Hauptstadt findet. Es ist kein Geheimnis mehr, dass sich in Berlin eine neue Folkszene formatiert, die beispielsweise Regisseur Uli Schüppel in seinem Film BerlinSong portraitiert. Doch Vincenz Kokot sieht sich nicht zwangsläufig als Mitglied einer neuen Subkultur: "Inwieweit man von einer neuen Berliner Musikbewegung sprechen kann, kann ich nicht umfassend beantworten. Es gibt Freundschaften und gegenseitige Unterstützung, es gibt Netzwerke und gemeinsame Auftritte, es gibt regen Austausch untereinander und es gibt Einflüsse von Künstlern, die nicht aus Berlin oder Deutschland kommen. Von daher kann man eventuell von einer Community sprechen, ähnlich der Antifolk-Szene." Und ähnlich wie die amerikanischen Kollegen dieser Szene, legt Vincenz Kokot viel Wert auf seine Texte. Aus einer Schriftsteller-Familie stammend, behält er es sich derzeit aber vor, lieber in Englisch als auf Deutsch zu singen. In einer Fremdsprache erzählen sich die zehn Songs auf Shine in the Dark, die Kokot im Email-Zeitalter als Brief an das Schwesterchen Grenadine tarnt, wohl besser. Denn auch hier bleibt der Musiker verführerisch bruchstückhaft, webt ein Netz aus vagen Stimmungen und Atmosphären, in dem sich die Sinneseindrücke quer durch alle Launen und Jahreszeiten verfangen. Düfte, Farbenspiele, Geschmäcker - das nimmt bisweilen psychodelische Ausmaße an. Natur spielt eine erstaunlich große Rolle in den Texten des Hauptstadtkindes, zum Beispiel in April City Speed Bump Blues oder Season Song. Bäume, Schneeflocken, samtenes Gras und der Ozean - vielleicht hat dieser Kosmos die Kritiker von Shine in the Dark dazu angeregt, immer wieder den Vergleich der Platte mit einer Reise anzustellen. Eine strapazierte Metapher, die soweit her geholt vielleicht gar nicht ist. Denn Vincenz legt Wert auf Bewegung als strukturierendes Moment seiner Musik, er nennt es "einen bestimmten Flow": "Tatsächlich fahre ich sehr gerne Zug, habe meine Tour im Mai komplett mit Zügen bestritten. Eine meiner schönsten Reiseerlebnisse war eine Zugfahrt nach Sizilien, wo ich nach vielen Stunden Fahrt irgendwann alleine im Abteil saß, Gitarre spielen konnte und aus dem Fenster blickte, auf Meer und Sonnenuntergang und Bewegung." Ein Bild, das die nostalgischen Poesie, die aus Songs wie Ballad Of Joy oder A Day In June klingt, treffend beschreibt. Bei solchen Statements liegt es natürlich nahe, Vincenz Kokot nach den musikalisch reizvollsten Reisezielen rund um den Globus zu fragen: "Manchmal ist schon der Klang eines Ortes inspirierend für mich, obwohl ich gar nicht weiß, wie es dort ist - zum Beispiel: Andalusien oder La Rochelle oder Idaho. Da entstehen Bilder in meinem Kopf und schon ist man auf einer Reise. Auch nach New York und in den Nordwesten der USA möchte ich mal, da es viele inspirierende Sachen dort gibt. Ein anderes Feld ist Osteuropa, ich habe in einer kurzen Zeit in Polen so viele unglaublich gute Bands und Musiker gesehen, von denen man noch nie gehört hatte, da war ich verblüfft. Asien interessiert mich auch, wegen der anderen Harmonien und Strukturen in der Musik." Dann wäre doch das nächstliegende eigentlich eine Welttournee mit Shine in the Dark? An dieser Stelle hat Schwester Grenadine das Wort: "Sie sagt, dass sie gern wieder nach Atlantis reisen möchte," übersetzt Kokot, "schließlich kommen wir beide ja da her und empfinden unsere Heimat als inspirierend." Musik aus einer sagenumwobenen, versunkenen Welt? Aus einem längst vergangenen goldenen Zeitalter? Nur zu gerne nimmt man Vincenz Kokot und My Sister Grenadine diesen Mythos ab, während man sich in Shine in the Dark hinein lauscht. Und sich wünscht, das ungewöhnliche Gespann möge noch mehr solch betörender Platten vom Meeresgrund an die Oberfläche befördern. Petra Schönhöfer
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Schulzkowski is super unbedingt mehr davon
Noch was zum Thema: http://likeitis93.blogspot.de/2012/03/save-olli-schulz.html
diese kritik ist sehr schön, weil sie sich ausnahmsweise mal nicht schema f<...
und was war besonders? Welche Songs in der Setlist? Wie viele Instrumente
Für diejenigen, die es interessiert: Ich hab auf meinem privaten Blog noch e...