| LAXLieblinge: Ladytron |
| Thursday, 23 April 2009 09:19 | |||
|
Ladytron aus Großbritannien machen eingängigen und großartigen Elektro-Pop-Wave und das schon seit zehn Jahren, der große Durchbruch blieb aber bis jetzt aus. Mirjam Miethe über eine Band, die dies auf jeden Fall verdient hätte.
An mancher Band schliddert man trotz ihres gewissen Bekanntheitsgrades immer wieder vorbei. Im Club hat man sie unbewusst schon oft gehört, bei Partys im Hintergrund und auf irgendeiner Mix-CD verstaubte einer ihrer Songs im eigenen Regal. Und irgendwann stößt man dann auf so eine Perle wie Ladytron und nachdem der Staub etwas zur Seite gepustet ist, wird das Staunen umso größer. Im Folgenden also ein Portrait unter dem Titel „mit Verspätung beachtet", das gleichzeitig eine Hommage zum zehnjährigen Bestehen dieses beständigen Elektro-Projektes ist wie auch ein Text über Wiederholungen, die uns einholen und nicht mehr loslassen. „Destroy everything you touch today/ Please destroy me this way..." Diese Zeilen wiederholen sich im gleichnamigen Song von Ladytron mehrmals und genau diese Sätze klingen nach, klingen nach, klingen nach. Dabei ist man beim ersten Hören versucht, das ganze direkt wieder abzuwürgen bzw. auszuschalten. Zum Verwechseln nah liegt der Sound an schlechten Dark-Wave-Depeche-Mode-lastigen Erinnerungen, einfach gestrickt, etwas düster, etwas retro und pseudo-synthetisch. Doch vor dem Vergessen liegen eben diese Worte und die beinahe hypnotische Wirkung der ständigen Wiederholung „Destroy me this way". Und mit diesem Einstieg geht es auch schon direkt rein in das Ladytron-Universum. Alles begann mit zwei Liverpooler DJs, Daniel Hunt und Reuben Wu, die 1998 zusammen an einem nicht weiter betitelten Musikprojekt arbeiteten, das ein Jahr später durch die Sängerinnen Mira Aroyo (Mikrobiologin aus Bulgarien) und Helen Marnie (Model aus Schottland) komplettiert wurde. Doch erst zwei Jahre später traten Ladytron dann mit ihrem Debütalbum 604 an die Öffentlichkeit. Der 80er-Jahre-Pop-Synthie-Mix traf mit Stücke wie Playgirl oder Jet Age den Nerv von Musikfreunden und Kritikern gleichermaßen, die sich gemeinsam über den progressiven Anteil der Rückbesinnung auf Minimalismus und Scienes Fiction freuten.
Es folgten die Alben Light & Magic mit dem internationalen Hit Seventeen (2002), Witching Hour (2005 unter neuem Label) und die Rückmeldung im Jahr 2008 mit Velocifero, die sich alle durch ihre gleichmäßige Qualität und konsequente weiterverfolgte Linie auszeichnen. Bedauerlicherweise blieben die deutschen Fans von Anfang an was Albenveröffentlichungen und Konzerte anging etwas außen vor. So wird es auch in diesem Sommer auf der Ladytron Amerika-Europa-bis-nach-Hawaii-Tour nur Chancen für Urlaubswillige auf diversen Festivals in Nachbarländern geben.
Doch der zwiespältige Bühnen-Ruf des Quartetts im Vergleich zu ihren Studioaufnahmen hält sich leider hartnäckig. Die Liveshow mit viel Gerätschaft on Stage dominiert das genau durchgestylte Programm, unterkühlt, statisch, à la Kraftwerk oder Visage. Die (Geschlechter-)Rollen und Positionen sind klar verteilt, sowohl was die oft uniformähnlichen „Kostüme" und den choreographierten Auftritt angeht, als auch in Bezug auf die Aufteilung von Gesang - Musik.
Dabei sind es gerade die Stimmen von Aroyo und Helen, die dem Ladytron-Sound letztendlich ihre einzigartige Wirkung verleihen, den - um es stereotyp in Schubladen verpacken zu wollen - eben sehr „weiblichen" Touch. Im Gegensatz zu vielen anderen Elektro-80er-Sounds haben die beiden dann doch zu viel Gefühl (wenn schon nicht Kraft) in ihrem sanften, manchmal fast verspielten Gesang, um die scheinbar so coole und spiegelglatte Elektro-Fassade doch einzureißen und ihr etwas Menschliches einzuhauchen. Auch wenn der instrumentale Anteil mindestens gleichwertig ist und in den zahlreichen Remix-Versionen, die beiden Damen des Öfteren auch zu verschwinden drohen, hält sie ihr Wiedererkennungswert zum Glück über Wasser.
Benannt haben sich die Vier übrigens nach dem psychedelischen 70er Song von Roxy Music, was schon eine Geschichte für sich darstellt und auf tiefere musikalische Wurzeln verweist, als es im ersten Moment vielleicht den Anschein machen könnte. Aber in einer Zeit, in der sich alles zu wiederholen scheint und so mancher alte Trend wieder hip wird, ist es umso bedeutender zeitlose Sounds zu produzieren und in diesem Sinne liegen Ladytron dann auch ganz weit vorne - anders als vergleichbare Kollegen mit spürbar ablaufenden Haltbarkeitsdatum wie beispielsweise Air. Dies bestätigt Sängerin Mira mit ihrem Statement auf der Bandseite: „At no point have we ever responded to anything that's been going on outside." Und gerade dieses Element der "Bezugslosigkeit" macht ihre unverkennbare, musikalische Präsenz aus. Und schon geht es weiter „Destroy everything you touch." Mirjam Miethe
Zum Anschauen: Tomorrow
|
Kommentare
Suche
Ähnliche Artikel
- Rezensionen
- Interviews
- Portraits













Schulzkowski is super unbedingt mehr davon
Noch was zum Thema: http://likeitis93.blogspot.de/2012/03/save-olli-schulz.html
diese kritik ist sehr schön, weil sie sich ausnahmsweise mal nicht schema f<...
und was war besonders? Welche Songs in der Setlist? Wie viele Instrumente
Für diejenigen, die es interessiert: Ich hab auf meinem privaten Blog noch e...