| La Roux: La Roux |
| Tuesday, 23 June 2009 23:24 | |||
Bei den Stichworten London, 80er Sound, Elektropop und androgyne Sängerin setzt sich gleich eine recht konkrete Erwartungshaltung zusammen. Größte Hoffnung dabei: Gute Beats, Neonfarben und eingängige aber auch anspruchsvolle Hits. Größte Angst: Retortenmusik, die fehlende Innovation durch glänzende Oberfläche und viel Style wettmachen möchte. Das britische Duo La Roux öffnet mit ihrem Debütalbum den Vorhang für eine fast überraschende Variante der (positiven) Erwartungen, mit der sie glücklicherweise ihren eigenen Weg eingeschlagen haben.
Mit ihren Synthie-Songs stellt sich das im letzten Jahr gegründete Projekt La Roux der Welt vor. Sehen und hören tut man dabei vor allem von „dem Gesicht“, Elly Jackson, 21 Jahre, Tochter einer britischen Schauspielerin, weniger vom Background, Ben Langmaid, älter und seit Jahren durch seine Connections mit Faithless fest in der Londoner Musikszene verankert. In kurzer Zeit haben die beiden da Überzeugendes geleistet: Ihre zwölf gut durchgestylten Statements bewegen sich deutlich weg von lockerflockiger Clubmusik und lassen ein ernstzunehmendes Dahinter erkennen. Und das wurde von der Kritik auch direkt mit Erfolg gekrönt.
Auf jeden Fall stimmt das Timing, auch bezüglich des deutschen Album-Erscheinungstermins zum Sommeranfang. Mit In for the Kill („I’m doing it for the thrill“), Quicksand und vor allem Bulletproof sind unter den ersten vier Titeln der Scheibe gleich drei potentielle Anwärter auf einem Platz des „Sommer `09“-Soundtracks. Dazu passen coole, kontrollierte Bewegungen, große Sonnenbrillen, das Kinn in die Luft recken und am Cocktailstrohhalm hängen, optimal für den Strand oder zumindest eine Sandüberschütteten Freiluft-Bar. Die Musik verbindet dieses Feeling mit schnell festsitzenden Melodien, eingängigen Texten und einer fordernden Stimme der Frontfrau.
Elly ist es auch, die mit ihrem Redhead der Band ihren Namen (übersetzt etwa „die Rote“) gab. Diese junge Frau schafft es das etwas härtere, androgyne Erscheinungsbild von Vorreiterinnen wie Annie Lennox, Grace Jones oder auch Schauspielerin Tilda Swinton ins eher weiche Metrosexuelle zu übertragen. In ihrem melodisch-meist-hohem Gesang liegt weit mehr Zerbrechlichkeit, kombiniert mit etwas Selbstzweifel und Offenheit. Die zukünftige Stilikone und Elektro-Prinzessin braucht keine harte Schale vorzutäuschen, Liebe, Verlust, Sehnsüchte versteckt sie nicht. Ein bisschen keusch vielleicht noch, eben (noch) keine Shirley Manson, aber auf diese Weise auch nahbarer.
Im zweiten Teil des Albums kommen La Roux dann auch ein Stück runter und zügeln deutlich das Tempo. As if by Magic und das gelungene Colourless Colour setzen eher auf die Kombination von schickem Understatement der musikalischen Mittel und die Präsenz der Sängerin, die hier immer deutlicher mit ihrer Persönlichkeit durchzuscheinen vermag. An dieser Stelle werden auch die Schnittpunkte zwischen aktueller, jugendlicher Gefühlswelt und den sehnsüchtigen 80er-Jahre-Motiven, verloren zwischen kalten Neonlichtern und zu viel Plexiglas, am deutlichsten. Aber auch die musikalische Weiterentwicklung macht sich bemerkbar, voll ausgeschöpfter Elektro, der nicht minimal und herzlos daher kommt (vgl. auch Fascination).
Nur muss bei wiederholtem Hören (schon fast beschämt) festgestellt werden, dass bei aller Besinnung auf die emotionalen Werte der Musik, die Elly auch nicht müde wird zu betonen, die meiste Lust doch der kommerziellste Titel, nämlich Bulletproof, macht. Natürlich heißt dies, dem Sommerflirt den Vorzug zu lassen gegenüber den tiefen Gefühlen. So schön diese nämlich sein mögen, ein bisschen vermisst man dabei die Aufregung und das schnellere Herzklopfen des Flirts, auch wenn man den im Herbst vielleicht wieder satt hat. - Sorry an dieser Stelle, aber auch ein so eindeutiger Hit, darf noch mal als solcher herausgestellt werden.
Zum Ende der Platte liefert das Duo allerdings mit Growing Pains noch einmal einen soften, angenehmen Abschluss mit wunderbarer Melodie, der das ganze Gefühlskonzept in Perfektion auf den Punkt bringt. Krachende Gitarren vermisst hier wirklich keiner mehr und nach „aus der Retro-Kiste gekramt“ klingt es auch nicht, womit wir schon ein ganzes Stück in der Zukunft angekommen wären. „Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“ Also einfach mal auf das 80er-Jahre-Parallelen-Ziehen verzichten, La Roux im Hier und Jetzt genießen und raus an den Strand! Mirjam Miethe
VÖ 26.06.09
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Schulzkowski is super unbedingt mehr davon
Noch was zum Thema: http://likeitis93.blogspot.de/2012/03/save-olli-schulz.html
diese kritik ist sehr schön, weil sie sich ausnahmsweise mal nicht schema f<...
und was war besonders? Welche Songs in der Setlist? Wie viele Instrumente
Für diejenigen, die es interessiert: Ich hab auf meinem privaten Blog noch e...