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The Poem is You: TPIY
Tuesday, 28 July 2009 19:44

Geheimtipp: TPIYDie Formation aus zwei Jungs und zwei Mädchen um Sänger und Bandkopf Daniel Bock wird unter ihrem schönen Bandnamen The Poem is You schon eine Weile als deutscher Geheimtipp gehandelt und begeistert nicht erst seit ihrem Debüt im letzten Jahr vor allem live eine stetig expandierende Fangemeinschaft. Mit ihrem schnell nachgeschobenen zweiten Album TPIY überholen sich die fünf nun selbst, ohne dabei lang zurückzuschauen.

 

Sommer 2008: Mit dem Erscheinen des Debütalbums The Promised South, ausgestattet mit so schönen Songtiteln wie Lady California und Duel for Guitars #1, gibt es von der Musikpresse für The Poem is You die Labels "unpeinlicher Country", "Neofolk" und "Lagerfeuer-Musik". Mit dem zweiten Album TPIY, das die Musiker aus Berlin und Dresden bereits ein Jahr später nachlegen, muss der Kategorienbesessene Musikfreund ein paar andere Schubladen öffnen. Wenn er nicht sogar an dieser Aufgabe komplett scheitert, denn nun scheint es für die jungen Damen und Herren erst so richtig loszugehen mit dem Experimentieren und dem aus der Rolle fallen.

 

Schon die ersten Töne auf der konsequent in Weiß gehaltenen CD erschaffen eine eigenwillige Atmosphäre. Pfeifen und Knacken wie aus dem Äther, als wäre man spät nachts noch auf einen Piratensender oder eine Parallelfrequenz gestoßen. Vorsichtig tasten sich die ersten Gitarrenklänge heran, aber umso eindringlicher verstärkt der erste Song Hostages daraufhin den Eindruck, als hätte man sich in eine andere Welt verirrt, denn der sich wiederholende Frauenchor kommt schon fast einem Beschwörungsgesang gleich.

 

Und auch andere Titel wie Fine bleiben diesem "aus dem dichten Wald heraus"-Sound treu, ein bisschen Hippie, ein bisschen Nature-Child ohne dabei allerdings nostalgisch oder zu abgehoben zu werden. Dazu steckt dann doch zuviel Berliner Großstadterfahrung in den Musikern. Auch eine gewisse Ernsthaftigkeit entfernt The Poem is You von vergleichbaren internationalen Kollegen wie Vampire Weekend oder Los Campesinos, die insgesamt etwas

verspielter und bunter sind, aber auch ähnlich überraschend und (nicht falsch verstehen) unzuverlässig in ihrem Stil.

 

Dazwischen gibt es dann so wilde, etwas unentschlossene Stücke wie Untitled #1/Stone, das sehr nach Kunst und Neonlichtern bei Nacht klingt oder eben das sehr elektrolastige Fine, das wohl am weitesten von den Alternative-Country-Wurzeln losgelöst ist. Stimmen werden hier verzerrt, Muster angerissen, in den Fordergrund gerückt und verschwinden wieder. Das Fragmentarische dieser Titel macht neugierig und aufmerksam, wo ein oder zwei andere Lieder in Gefahr geraten, in die Spate „Hintergrundmusik“ abzurutschen.

 

Eine ganz große Qualität jedes einzelnen Songs ist ohne Frage das Arrangement der Männer- und Frauenstimmen, die mal überirdisch, mal zärtlich, dann wieder klagend oder voller Stolz miteinander verschmelzen – sehr schön gerade in North By Northwest. Dabei wird es fast unmöglich, einzelne Stimmenfragmente noch auf ein dahinterstehendes Individuum zu beziehen. So wird das Ganze zu einem Erlebnis um der Musik willen und weniger das Produkt einer Band mit Rock’n’Roll-Charakteren und wilden Tourgeschichten. Macht die Platte allerdings auch etwas weniger durchdringbar.

 

So erfinden sich diese fünf Musiker mit jedem Song neu, während sie sich in mysteriösen Texten verlieren, von selbstbestimmtem Leben erzählen (M.A.M.A.), von der Erkenntnis, falsche Ideale und Umstände lieber loszulassen (Whenever You May Go) oder sich doch viel mehr auf ihren Klang konzentrieren (The Profile). Ohne aktuellen Anspruch, ohne die Tristesse und Profanitäten des Alltags zu kreuzen, stehen eher die gefühlsmäßig erschließbaren Momente des Lebens im Zentrum der musikalischen Aufmerksamkeit.

 

TPIY das sind zwölf Songs, die trotz ihrer Heterogenität und Einzigartigkeit auf geradezu verwirrende Weise wieder zueinander finden. Das alternative Element wiegt schwer. Alternativ ist die Platte mit all den positiven Konnotationen, die dieses Wort trägt, so etwa offen, abseits vom Mainstream, ein bisschen verträumt und weg von der harten Realität. Und doch birgt dieses Alternative auch die Kehrseite, dass so manches auch in die Parallelwelt abgleitet und daher mit unklaren Konturen immer ein bisschen am Konkreten vorbeizielt.

 

The Music is You. Mirjam Miethe

 

 

VÖ 14.08.09

 

 




Jana 2009-07-29 12:11:24

Das klingt sehr vielversprechend. Muss ich mir mal anhören.

Danke für den
Tipp.
Chris 2009-07-29 18:51:46

Haaaaa! Hab die letzten November in Berlin gesehen - top, dass da endlich ´ne
Platte nachkommt! Feine Sache.... Weiß jemand, ob die auch mal in südliche
Gefilde reisen?
Chris2 2009-07-29 19:04:08

Die kommen wohl Ende September nach München in die Südstadt. bin da auch schon
ganz heiß drauf...
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