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Julian Casablancas: Phrazes For The Young
Wednesday, 28 October 2009 19:48
Julian Casabalnca in der KritikIs this it? Nachdem drei seiner Bandkollegen bereits seit einiger Zeit ihren Solo- und Nebenprojekten nachgehen, liefert nun auch Strokes-Sänger Julian Casablancas ein Werk unter eigenem Namen ab. Die Erwartungen sind hoch, die Fans sind gepannt: Wird Phrazes For The Young das vierte Strokes-Album, auf das wir seit 2006 warten? Oder steht uns eher ein musikalischer Selbstfindungstrip von und mit Julian Casablancas bevor?

Nach zehn Sekunden Intro kann erst einmal aufgeatmet werden: Jules klingt immer noch wie Jules! Allerdings lässt der Opener Out Of The Blue auch schon erahnen, wo die musikalische Reise hingeht. Zwar werden die Songs nach wie vor von Julian Casablancas' unverwechselbarer Stimme dominiert, doch die Gitarren rücken in den Hintergrund und schaffen Platz für Synthesizer. Casablancas macht sich auf zu neuen Ufern, jedoch ohne sich übertrieben gewaltsam vom charakteristischen Sound seiner Hauptband abzuwenden.

Vor allem River Of Brakelights und Tourist werden die Herzen aller Strokes-Fans im Stakkato-Takt höher schlagen lassen, denn hier sind wieder die eingängigen Akkorde zu hören, mit denen The Strokes Anfang des neuen Jahrtausends die Rockszene wiederbelebten und die Verkaufszahlen für Converse und Röhrenjeans in die Höhe schießen ließen. 2009 lässt Casablancas aber auch seine ruhigere Seite mal zu Wort kommen.

Der Verdacht liegt nahe, dass die Zusammenarbeit mit Produzent Mike Mogis (Bright Eyes) mit dafür verantwortlich ist, dass auf Phrazes For The Young verstärkt Folk- und Countryeinflüsse zu hören sind. Besonders gelungen umgesetzt wurden diese bei Ludlow Street, einem Song, der nach einem guten Gespräch mit Freunden nach einem völlig verkorksten Tag klingt.

Zwar umfasst Phrazes For The Young gerade mal acht Titel, doch im Gegensatz zum genretypischen dreiminütigem Geschrammel sind die Lieder sorgfältig arrangiert und bewegen sich alle im 5-Minuten-Bereich. Das gibt natürlich mehr Zeit und Raum für Spannungsaufbau und Überraschungen.

So erscheinen die fröhlichen Calypso-Beats im Stile von Miami Sound Machine, die bei Left & Right In The Dark und 11th Dimension zum Einsatz kommen, zunächst ungewöhnlich. Doch schnell fühlt man sich an einen sonnigen Strand versetzt, an dem die Mojitos niemals leer werden. Der Wind streicht durch die Palmen, und im Sonnenuntergang spielt eine Rockband mit einem charismatischen Ausnahmesänger Songs, die so wunderbar geeignet sind, die verflossene Liebe endlich für immer abzuhaken. "Forgive them, even if they're not sorry" heißt es da etwa. Da erheben wir doch gern noch einmal das Glas und trinken auf Julian Casablancas und seinen Schritt in die Selbstständigkeit. Bettina Koch

VÖ 30.10.09




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