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Lucky Fish: Away From The Cliffs
Friday, 18 December 2009 10:26

luckyfish_awayfromthecliffs.jpgMit ihrer Debüt-EP Empty Dishes hat die Münchner Indiepopband Lucky Fish 2008 schon eine eindrucksvolle Visitenkarte abgegeben, nun folgt mit Away From The Cliffs der erste Longplayer des Quartetts.

Den mit den fünf Songs von Empty Dishes eingeschlagenen Pfad gehen Zlatko, Pascal, Franz und Janis weiter: Auf dem Wegweiser steht dabei der übliche zeitgenössische britische oder britisch klingende Indiepop à la The Libertines, The Kooks, Mando Diao, The Rifles und so weiter.

Doch die Münchner klingen nicht nur wie ihre Vorbilder von der Insel und erfreuen mit optischer Britishness, es ist ihr Songwriting, das beweist, dass sie neben dem Stil auch die Substanz dieser Musik gefressen haben. Zlatko und seine Band wissen genau, wie die Komposition hinter dem Sound funktioniert, bewiesen zum Beispiel mit Inside Her Eyes: Einlullend-melancholisches The-Smiths-Moll in der Strophe, der Refrain im Libertines-Staccato, eine sanfte Beatles-Kadenz am Schluss. Dazu wandert eine melancholische Schönheit durch kalte, einsame Nächte, und nur im Refrain blitzt kurz die Liebe in den Augen der Unbekannten auf. Besser geht's nicht.

Und weil die Musiker ihre Song-Grammatik geschnallt haben, stehen die Türen offen zu Eigenständigkeit und vielfältigen Exkursen wie den hauchdünnen Blues- und Jazzanklängen in Up In My Own Mind, die in satte 60s-Harmonien getauchte unerfüllte Liebe von There's No Point, klassischer 50s-Rock'n'Roll wie in Emily oder dem schwindelerregenden Roundabout, das als schunkelnder Kneipen-Folk beginnt und in einen aggressiven New-Wave-Groove mündet. Jeder der 14 Songs fügt sich über Albumlänge in einen schlüssigen dynamischen Spannungsbogen, unterstützt durch die Produktion von Hans Mielich, Patrick Maresch und Amadeus Böhm, die den scheppernden Charme von Empty Dishes durch einen ausgearbeiteten, dichteren Sound ersetzt haben.

Es klang vielleicht schon durch, aber explizit erwähnt werden müsste noch das Alter der Beteiligten: Volljährig sind mittlerweile alle, wenn auch teils erst seit ganz Kurzem, und die 19 hat wohl noch keiner überschritten. Das spielt aber auch keine Rolle: George Harrison war 20, als die Beatles „Please, Please Me" veröffentlichten, Ray Davies war 20 als die Kinks „You Really Got Me" aufnahmen - es sollte also eher die Regel als die Ausnahme sein, dass Musiker in dem Alter schon so ziemlich auf der Höhe sind, und Lucky Fish klingen auf Away From The Cliffs wie eine Band auf einem (ersten) kreativen Höhepunkt. Textzeilen wie „I wish we could lay in the sun before our bodies get old" und "I'm looking for a town where I can die/even if it's up in my own mind" traut man zudem einem 18-Jährigen nicht unbedingt zu, gerade daraus zieht sich die Spannung zwischen den jubelnd aufgehenden Harmonien und den nachdenklichen Texten. Und so gesehen spielt das Alter bei Lucky Fish dann wohl doch eine Rolle. Christian Schober

VÖ: 18.12.09

Away From The Cliffs erscheint auf Flowerstreet Records im Vertrieb von Alive.




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