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Reingehört: Charlotte Gainsbourg, Minor Majority, Joe Masi und Popular Damage
Saturday, 19 December 2009 12:11
Gainsbourgh, Minor Majority, Joe Masi und Popular DamageCharlotte Gainsbourg liefert in Kooperartion mit Beck ganz selbstkritisch eines der tollsten Winter-Alben diesen Jahres ab. Auch das neue Album von Minor Majority findet im Januar nun endlich den Weg in die deutschen Plattenläden, nachdem sie bereits im Herbst in den nordischen Ländern Erfolge damit feiern durften. Wer aber genug von melancholischen Klängen hat und den Winter mit elektronischer Tanzmusik bekämpfen will, der findet bei Joes Masi und Popular Damage die richtige Abwechslung.







cover_charlotte_gainsbourg_irm.jpgCharlotte Gainsbourg – IRM
(VÖ: 11.12.09)

Obwohl sie die Tochter von Serge Gainsbourg und Jane Birkin ist, bezeichnet sich Charlotte Gainsbourg in Bezug auf ihre musikalische Ader sehr selbstkritisch als talentfrei. Aus dem Grund holte sie sich für ihr erstes Album 5:55 die Musiker von Air ins Studio, an ihrem Zweitwerk IRM, schrieb und produzierte Beck mit.

Dass das eine fantastische Idee war, beweisen die vielfältigen avantgardistischen 14 Songs, die stark die Beck’sche elektronische Handschrift tragen, aber erst durch Charlottes weichen Gesang richtig zur Geltung kommen. Jedes Stück ist dabei eine kleine Perle für sich, englisch und französisch wird gesungen. Mal morbide düster und chansonartig wie in Le Chat du Café des Artistes, das im ersten Moment wie der Titelsong des neuen Bond Streifens anmutet oder swingend poplastig in Heaven Can Wait, dem Duett der beiden. Vanities schwebt mit dem Harfenspiel, den Synthiemelodien, den Streicherarrangements und Charlottes fragiler Stimme über einen hinweg. Greenwich Mean Time liefert verzerrte Stimmen und einen groovigen Beat. Voyage treibt einen ordentlich voran mit seinem unruhigen, fast orientalisch anmutenden Streichern. Viel Percussion und abgehakten Gesang gibt es bei IRM zu hören.

IRM ist ein Album, welches das Musikjahr versöhnlich enden lässt, auf das Madame richtig stolz sein kann. Und wir dürfen gespannt sein, wer sie beim nächsten Album unterstützen darf. Christine Bulla

Minor MajorityMinor Majority – Either Way I Think You Know
(VÖ: Ende Januar 2010)

Wer Minor Majority kennt der weiß, dass die wichtigsten Zutaten ihrer Alben eine ruhige, melodiöse Instrumentierung, die sanfte Stimme des Sängers Pal Angelskar und die obligatorische weibliche Backgoundstimme sind. Auch Either Way I Think You Know erfüllt diese Kriterien der norwegischen Band weitestgehend.

Das nunmehr fünfte reguläre Studioalbum der Band erschien bereits im Oktober in Norwegen und findet nun im Januar endlich auch den Weg in die deutschen Plattenläden. Doch lohnt es sich denn diesen aufzusuchen um das Album zu erwerben?

Zuersteinmal: Minor Majority bleiben ihrem Stil treu, auch wenn die Leichtigkeit von Alben wie Walking Home from Nicole’s etwas auf der Strecke geblieben ist. Die Einfachheit die den Titeln frühere Alben anhaftete wird auf dem neusten Album teilweise durch eine zu dominante Instrumentierung, ergänzt beispielsweise durch kitschige Streicher, zerstört. So werden auch die Texte, die lange im Mittelpunkt standen, zu oft zu stark übertönt.

Gerade die Schlichtheit machte die Musik von Minor Majority in der Vergangenheit so grandios. Daher ist es natürlich schade, dass diese nun fehlt. Trotzdem kann man das neue Werk nicht als durchgehend schlecht bezeichnen, nur einheitlicher und vielleicht auch langweiliger. Trotzdem lohnt es sich reinzuhören, denn bei Titeln wie Like Someone Changed The Rules For Us oder Dance hört man nach wie vor wie sensationell die Band sein kann wenn sie denn will. Rebekka Schwarz

Joe Masi - Yeah?!Joe Masi - Yeah?!
(VÖ: 27.11.2009)

Yeah?! scheint der passendste Titel für dieses Werk des Experimentalkünstlers zu sein, weiß man doch nicht, ob man sich über die ungewohnten Klänge freuen oder sich irritiert fühlen soll. Als Ouvertüre wird der Hörer von ungewohnten Elektrogeschwurbel im 3/4 Takt begrüßt und die Kette der Überraschungen wird auch bis zum Ende nicht abreißen.

Joe Masi hat es sich zum Ziel gemacht, Kunst und Pop, Performance und Musik zu verbinden und so ist diese Metamorphose ist gut vorstellbar beim avantgardistischen Tanztee oder auch als Soundtrack für Experimentaltheater.

Gitarren und Synthezier, manchmal in klassischer Indiemanier, oft mit Wave-Anleihen, aber auch das Geräusch zerschlagener Gläser als Outro eines Stückes wird den Hörer erwarten. Gesang wird dabei nur spärlich eingesetzt und erinnert dann an Kraftwerk, was nicht verwunderlich erscheint, da Joe Masi bei deren Ex-Mitglied Karl Bartos studiert hat.

Bei Einigen bleibt das Fragezeichen die ersten Hörminuten vermutlich etwas änger über den Gedanken hängen, bis es zum Ausrufezeichen wird. Wenn die vertrakten Melodien aber ihren Umweg in den Gehörgang genommen und sich dort festgesetzt haben, ist Yeah?! letztendlich doch in sich geschlossen und ein durchaus rundes Album. Florian Tenk

Popular Damage - The Royal FlyPopular Damage - The Royal Fly
(VÖ: 11.12.2009)

Popular Damage sind Fragmente der Bands Last Call for Disco (Bassist Stephan und Gitarrist Fabian) und LUX (Sängerin Nadine). Popular Damage sind Elektropop. Und doch ein bisschen Gitarrengeschrammel. Popular Damage sind außerdem auch im Remix-Geschäft tätig. Vor allem sind sie aber eines: Schwer in musikalische Schubladen einzuordnen.

So praktisch Schubladen sind, will man eine neue Band beschreiben, letztendlich sind sie doch Fluch und Segen zu gleich. Die drei Berliner haben sich nämlich nicht nur einer Profession verschrieben. So sicher sie ihre klassischen Instrumente beherrschen, so dynamisch betätigen sie sich auch am Laptop wenn Loops und Sampler eingebunden werden.  Wenn sie dann auch noch Tegan and Sara covern und Digitalism remixen, wird der ordnungsliebende Hörer schlussendlich völlig überfordert.

Trotzdem musizieren sie niemals ziellos umher, viel mehr schaffen sie es ihren roten Faden um sämtliche Richtungen zu knüpfen und dabei entsteht sehr eingängige und auch innovative Tanzmusik.

Schaden entsteht hier also höchstens in Form von Muskelkater in den Beinen, nach einer durchtanzten Nacht voller Popular Damage. Florian Tenk




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