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Reingehört: Delphic, Owen Pallett, Los Campesinos!
Wednesday, 20 January 2010 01:00

delphic_owenpallett_campesi.jpgWerden Delphic tatsächlich die angekündigte New-Rave-Sensation 2010 sein? Wie klingt es, wenn Owen Pallett im geheimnisvollen Reich Spectrum mit und gegen sich selbst kämpft? Was passiert, wenn Los Campesinos! eine Wagenladung voll Blasinstrumente in die Hand fällt? Unsere Redakteure Flo und Tina haben es für euch herausgefunden.


 

 

 

delphic_acolyte.jpgDelphic: Acolyte
VÖ: 29.01.10

Der Geburtsort des Rave ist bekanntermaßen nicht Berlin, sondern Manchester. Und weil auch die Musik-Geschichte sich in schöner Regelmäßigkeit wiederholt, steht mit Delphic nun eine Band in den Startlöchern, die ein weiteres Mal Europa mit elektronischer Musik von der Insel revolutionieren soll. Prima, denkt sich da die englische Presse. Eine Elektroband aus Manchester! Das kann doch The Next Big Thing 2010 werden. Prompt wurde das Debüt-Album Acolyte schon Monate vor der Veröffentlichung mit Vorschusslorbeeren überhäuft.

"Vermutlich das erste tolle Album 2010" hieß es da bei der BBC. Angesichts der Tatsache, dass das Jahr erst ein paar Wochen alt ist, lässt sich diese These vielleicht noch ansatzweise vertreten. Ob sich am Ende des Jahres noch jemand an Acolyte erinnern wird, ist dagegen wohl eher fraglich. Delphic verfolgen ein bewährtes Konzept, bedienen sich großzügig bei den Klaxons und Hot Chip und mischen die momentan wohl unentbehrlichen New Order-Versatzstücke für ein bisschen Eighties-Feeling dazu. Dabei entsteht nahezu zwangsläufig eine durchaus unterhaltsame Mischung, doch der Wiederkennungswert der Band tendiert dabei leider fast ebenso zwangsläufig gegen Null.

Einige Titel (Doubt, Acolyte) haben zumindest Tanzflächenpotenzial, doch die Begeisterung hält kaum länger als drei Minuten an. Ihr kennt das ja: Man will unbedingt vom DJ wissen, was da eigentlich gerade für ein tolles Lied läuft. Doch auf dem Heimweg hat man nicht nur längst Titel und Interpret vergessen, sondern auch den Song an sich. Genau das ist auch das Problem von Acolyte: Eigentlich eine nette Platte von einer Band, die im Grunde nichts wirklich falsch macht. Nur hängenbleiben will einfach gar nichts. Bettina Koch




Owen Pallett - HeartlandOwen Pallett: Heartland
VÖ: 22.01.10

Vier Jahre Auszeit, neun Monate Aufnahmezeit, vier verschiedene Länder und eines der zwanzig besten Sinfonieorchester der Welt hat Owen Pallett gebraucht, um dieses Meisterwerk zu schaffen, für das er selbst sein Alter Ego Final Fantasy abgelegt hat.

Begrüßt wird man in dem hitverdächtigen E Is For Estranged mit den Worten Haven't you heard? I am a flightless bird, I am a liar / Feeding the facts to false fire / Pathos is born, born out of bullshit in formal attire - und reich an Pathos ist auch dieses Konzeptalbum, in dem die Geschichte des fiktiven Reiches Spectrum erzählt wird, in welchem der Unterdrücker eben dieses Reiches, der kurzer Hand Owen genannt wurde, und der Freiheitskämpfer Lewis gegen einander antreten. Allein dramaturgisch gesehen hat Owen Pallett hier schon einiges vollbracht, denn natürlich sind die Texte mit einigen kryptischen Passagen versehen, doch verliert er auch trotz aller Poesie den Bezug zur Realität nicht aus den Augen.

Wenn man das Album einige Male gehört hat, das Finale verstanden und die Tatsache ins Auge fasst hat, dass Owen Pallett nicht mehr unter seinem bisherigen Künstlernamen auftritt, braucht man nur eins und eins zusammen zählen, um auf den Albumtitel Heartland zu kommen.

Der größere Geniestreich ist allerdings sicher die musikalische Komposition seines Werkes. Der Multiinstrumentalist, der schon namhafte Bands wie Arcade Fire oder Beirut unterstützt hat, übertraf mit diesem Arrangement sein bisheriges Schaffen um einiges. Von klassischen Streichersequenzen, elektronischer Untermalung in Lewis Takes Action oder Disharmonien, die sich auf einfallsreiche Weise in Wohlklang verwandeln, hat der Kanadier alle Möglichkeiten tiefgehend ausgeschöpft - um hier am Ball zu bleiben muss sich für die nächste Saison nicht nur Kollege Rufus-Gay-Jesus-Wainwright seinen Lendenschurz fester zurren, auch andere genreverwandte Künstler können sich hier ein Beispiel nehmen. Florian Tenk

 


loscampesinos_romanceisboring.jpgLos Campesinos!: Romance Is Boring
VÖ: 29.01.10

Ein Album "über den Tod und den Zerfall des menschlichen Körpers, über verlorene Liebe, Nervenzusammenbrüche und Fußball" haben uns Los Campesinos! mit Romance Is Boring versprochen. Welche Aspekte davon die Dame verkörpern soll, die sich für das Plattencover beim Rasieren ins Bein geschnitten hat, wird wohl für immer das Geheimnis der Band bleiben.

Kein Geheimnis machen Los Campesinos! dagegen daraus, dass sie kürzlich ihre Liebe zu Blasinstrumenten aller Art entdeckt haben. Demzufolge wird auf Romance Is Boring nun auch getrötet und geträllert, was das Zeug hält. Das liest sich jetzt allerdings wesentlich schlimmer, als es sich anhört. Tatsächlich steht die neue musikalische Entwicklung den Walisern ganz ausgezeichnet.

Romance Is Boring ist durchweg gefällig und unterhaltsam, auch wenn die mitunter ellenlangen Songtitel doch die eine oder andere Frage offen lassen. In der Zeit, die es braucht, A Heat Rash In The Shape Of The Show Me State; or, Letters From Me To Charlotte zu tippen, ist der Song auch schon fast wieder vorbei. In den drei Minuten dazwischen verbreiten Los Campesinos! allerdings fröhlich und voller Begeisterung musikalisches Chaos mit mehrstimmigem Gesang, Keyboards und Glockenspielen.  Wer also schon immer mal wissen wollte, wie es klingt, wenn man die letzten beiden Alben von Kaiser Chiefs und Enter Shikari gleichzeitig auf 78 rpm laufen lässt, sollte unbedingt in Romance Is Boring reinhören. Bettina Koch

 





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