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MGMT: Congratulations
Monday, 12 April 2010 22:36

MGMT: CongratulationsGlückwunsch zum zweiten Album, ihr New Yorker Wunderkinder! MGMT, die 2008 als Helden, Revolutionäre und Messiasse des Nu Rave gefeiert wurden und denen Abertausende Fans ihre Ehrerbietung durch tägliches Stirnbandtragen darbrachten, haben nun nach ihrem überirdischen Debüt den zweiten Streich fertig: Congratulations heißt das mit Furcht und Spannung erwartete zweite Album.

Wie schließt man an so ein Debüt an? Time To Pretend und Kids von der fulminaten ersten Platte Oracular Spectacular haben Geschichte geschrieben: Hooklines, Beat, Lyrics sind rundum perfekt und waren 2008 wegweisend für die Indiepop-NuRave-Welle. Gemischt mit ein wenig Hippie-esken Elementen, unbedarfter Musikalität und instrumentaler Verspieltheit sind MGMT Wegbereiter für alle gewesen, die danach kamen von Empire of the Sun über La Roux bis Friendly Fires. Dabei wollten sie selber immer nur eines: Gemeinsam Musik machen um dem faden Studentenalltag entfliehen. Erfolg war ihnen gar nicht unbedingt wichtig. Doch Oracular Spectacular schlug ein wie eine Bombe. Die Erwartungshaltung der Kritiker und Fans vor dem zweiten Album war demnach ungefähr so groß wie der Krater, den die erste Platte hinterließ. Umso schriller nun der Aufschrei: Denn eine unsterbliche Indiepophymne wie Kids findet man auf dem ersten Blick auf Congratulations nicht.

Doch das sollte kein Anlass für Protestrufe und Schwarzmalerei sein, denn die Fähigkeit zur Innovation ist dem Duo alles andere als abhandengekommen. Sie kanalisieren ihren kreativen Flow diesmal nur nicht in einen Chartsong, sondern in ein 45 Minuten langes und 9 Songs umfassendes Gesamtkunstwerk – davon ist allerdings allein Siberian Breaks satte 12 Minuten lang!

Auf Congratulations gibt es zugegebenermaßen weniger Electrobeats, dafür stehen noch mehr Hippiesound, Glamrock und Psychedelic auf dem Programm mit jeder Menge ideenreicher Rhythmen, verspielter Hooks und witziger Instrumentalisierung, siehe It's Working, Song For Dan Treacy und I Found A Whistle. Assoziationen mit Bands von Beach Boys bis Velvet Underground sind dabei sicher kein Zufall . Schließlich strotzt das Album von versteckten Hommagen an das Who is Who der Musik- und TV-Branche – Brian Eno ist dabei wohl die offensichtlichste. Außerdem war auch schon das vorab veröffentlichte Video zur ersten Single Flash Delirium die reine Explosion in der Filmzitate-Fabrik. MGMT haben sich also was dabei gedacht, dass Congratulations so geworden ist, wie es ist und wer genau hinhört, entdeckt auch nach dem hundertsten Mal noch neckische kleine Genialitäten, die viel Vergnügen bereiten.

Auch wenn Congratulations schlichtweg anders als Oracular Spectacular ist, so liegt doch gerade im unerwarteten künstlerischen Aderlass von Andrew VanWyngarden und Ben Goldwasser der besondere Reiz. Die beiden sind und bleiben Ausnahmemusiker und beklatschen sich am Ende des Titelsongs zurecht selbst.
Eva Deinert

VÖ: 09.04.2010




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