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Anna Zoitke: Wieviel Liebe kannst Du tragen
Saturday, 13 October 2007 20:18

Anna Zoitke in der Kritik Wie klingt das Herz? Und ist das eine Frage, wie sie nur eine Frau stellen kann? Nicht zwingend. Anna stellt sie auch, Anna Zoitke. Moment, Anna? Ja genau, Anna Zoitke ist nämlich gar keine Frau. Anna Zoitke ist eine Münchner Band von ausschließlich männlicher Besetzung. Gerade haben die fünf Jungs um den Crash Tokio-Gitarristen Hase ihr Album Wieviel Liebe kannst Du tragen veröffentlicht.

 

Ein Konzeptalbum über Beziehungsfreud und Trennungsleid, so in etwa haben Hase, Charlie, Chris, Jochen und See sich das vorgestellt. In zehn Liedern um das Herz, sozusagen. Blut kennt nämlich wesentlich mehr als drei Aggregatzustände, zumindest das Herzblut, wie es in den Liedern von Anna steckt. Es gibt den Abschied und den Neubeginn, aber es gibt ja auch jede Menge Bangen, Hoffen und den Zweifel dazwischen.

Was wir zu hören bekommen, nennt Anna Zoitke zuweilen selbstironisch „Emo-Schlager". Bei Liedern wie Entkommen, das mit Bass-Intro öffnet und in liebliches Tastenspiel mündet, oder einer sanften Gitarrennummer wie Es gibt noch mehr liegen sie damit gar nicht mal so falsch. Aber es geht auch anders. Komm bleib stehen ist die irgendwie heitere und punkige Tanznummer des Albums, Schwer zu sagen der Synthi-Pop, der so auch auf der Neuen Deutschen Welle hätte daher schwimmen können. Bei Pferd oder, pulsierend und elektronisch, liegt der Fall ähnlich. Eine mollige Ballade mit Streichern ist Unsre Liebe und März, mit seinem sphärischen Orgelsound, der nach Sternenregen klingt, wird Melancholie pur.

 

Die Titel lassen vielleicht mehr Pathos fürchten, als dann in den Songs tatsächlich drin steckt. Um es in einem Paradoxon auszudrücken: Was Sänger Hase da so dichtet, bleibt auf Umwegen ziemlich direkt. Anna Zoitke versuchen keine gekünstelte Ausnahmelyrik, greifen schon mal in die Klischeekiste maritimer Rhetorik und singen von einem Boot aus Gold irgendwo im Tränenmeer, gehen dann aber wieder ganz eigene Wege und wagen den „Sprung aus dem Stand ins warme Licht der Zeit". Einige Gedanken bleiben vage, viele sind sehr real (Ich weiß nicht weiter) und nichts davon ist wirklich weit weg. Keine Alltagspoesie, aber Konsorten Herz und Schmerz in globaler Vertrautheit.

 

Fazit: Jungs singen über Liebe. Und das ein ganzes Album lang. Wenn das nicht neugierig macht, zumal Was denkst du gerade, Schatz? angeblich die unbeliebteste Frage ist, die Frau ihrem Gefährten stellen kann. Zum Glück fürchtet Anna sich nicht davor und lässt uns ein bisschen reinhorchen in die (Männer)Pumpe. Petra Schönhöfer


VÖ 12.10.07




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