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PJ Harvey: Let England Shake
Sunday, 13 February 2011 12:41

PJ HarveyWenn Patrick Wolf die kommende Woche PJ Harvey widmet, und Patti Smith über The Words That Maketh Murder, einem der Titel des neuen Albums, sagt: "It just makes me happy to exist. Whenever anyone does something of worth, including myself, it just makes me happy to be alive. So I listened to that song all morning, totally happy", dann steigen die Erwartungen an ein Album fast ins Unermessliche. Let England Shake ist nun endlich erschienen - bildet euch eure eigene Meinung.

Let England Shake ist ein Themenalbum. Es handelt von Krieg, Krieg in allen Facetten: Von aktuellen Konflikten in Afghanisten oder dem Irak bis hin zu der Schlacht von Gallipoli, bei der  im 1. Weltkrieg hunderttausende Soldaten ihr Leben ließen. Sicherlich heikel, zwölf Lieder über große Gefechte der Menschheit zu schreiben, über Tod, Brutalität und Schmerz.

Themen wie diese in Musik zu verpacken scheint kaum machbar, doch die britische Musikerin fand einen Weg: Aufrüttelnde Texte sind in folknahe Gewänder gepackt, versetzt mit starken und für Harvey typische, E-Gitarren-Läufen. Zithergeschrammel, aber auch klare Pianopassagen, wie man sie von White Chalk kennt, runden das Bild ab. John Parish liefert den männlichen Gesangspart. Stücke wie The Words that Maketh Murder sind so markant und mitreißend arrangiert, dass sie zum Mitwippen einladen trotz Zeilen wie: „I've seen soldiers fall like lumps of meat.“ Auzuhalten sind die damit heraufbeschworenen grausigen Bilder nur durch die erstaunlich schöne musikalische Umsetzung.

So zugänglich einige der Titel sind, so unzugänglich sind andere: England ist von schrägen, asiatisch klingenden Gesängen unterlegt, in The Glorious Land tönt plötzlich ein unrythmisches Kavalleriehorn. Harveys Stimme macht die Veränderungen der einzelnen Titel mit, so schwingt sie sich in Battlefield Hill in ungeahnte Höhen, erklingt an anderer Stelle dann als tiefer, kratziger Gesang oder als klagender Hall.

Let England Shake verlangt dem Hörer viel ab und eröffnet ihm eine erschreckende und blutige Welt, die trotzdem von einer gewissen Schönheit und ansprechenden Leidenschaft durchdrungen ist. Trotz des schwierigen Themas sollte man sich entführen lassen und seiner morbiden Seite zugestehen, den Kriegsgesang einfach wunderbar zu finden. Rebekka Schwarz

VÖ: 11.02.2011

Anschauen: PJ Harvey spricht über ihr Album und spielt The Last Living Rose

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