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Radiohead: The King Of Limbs
Sunday, 20 February 2011 21:59

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Nach In Rainbows von 2007 melden sich Radiohead mit einer neuen Platte zurück. Die multimediale Begeisterung im Vorfeld ist dabei die gleiche, ist The King Of Limbs doch vor der richtigen Pressung erst einmal nur online erhältlich. Ob sich der Hype um die fünf Engländer nach wie vor lohnt, wissen die LAXMag Redakteurinnen Tine, Eva und Tina, die für euch in die 37-minütige Platte reingehört haben. Und auch LAXLeser Bastian sagt euch seine Meinung.

Endlich. Die neue Radiohead. Lange mussten wir auf sie warten. Aber: es ist wie mit einer guten Freundin. Selbst wenn man sich mal vier Jahre nicht gesehen hat, es finden sich sofort wieder Anknüpfungspunkte an früher. So ist es auch hier, denn da ist er wieder, der fein ausgetüftelte, verzwirbelt-elektronische, mal sperrige und Radiohead-typische Klangteppich mit den dominanten Beats und Percussionsounds. Die fast schon magischen Melodien mit Gitarrenriffs, Klavier-Loops, Streichern, über denen Thom Yorkes unverwechselbar eindringliche und oft verzerrte Stimme schwebt, die mal verzweifelt, mal einschmeichelnd und zum Teil in höchsten Tönen die Songs dominiert.

Einige Songs erinnern stark an das schwermütige Gefühl, welches How To Disappear Completely vom Album Kid A zurückgelassen hat. Emotionale Stücke, die einen in verletzlichen Momenten sofort in Tränen ausbrechen lassen könnten. Codex, mit seinem schönen melancholisch-düsteren fast majestätisch schwebenden Pianospiel ist so eines, oder auch Give Up The Ghost. Little By Little hingegen treibt vorwärts. Der wabernde elektronische Klang von Lotus Flowers geht dann wieder Richtung In Rainbows und nähert sich musikalisch Yorkes Solopfaden an, wie er es bei The Eraser vorgemacht hat oder auch bei Hearing Damage aus dem New Moon OST.

Mit den acht Stücken ist das Album jedoch eindeutig zu kurz und es fehlen ein bisschen die großen Höhepunkte. Aber wer weiß, was sich Radiohead noch ausgedacht haben. Zumindest singt Thom Yorke am Ende von Separator verheißungsvoll: "If you think this is over, then you’re wrong". In Rainbows wartete ja auch mit einer Special Edition und mehr großartigem Material auf. Christine Bulla


Wenn man einen großen Abwasch zu machen hat, nicht im Besitz einer Spülmaschine ist, aber am Abend zuvor Gäste hatte, dann sind 37 min perfekt, um das schmutzige Geschirr zu beseitigen und gleichzeitig die neue Radiohead-Platte einmal komplett und am Stück durchzuhören.

Sphärisch, organisch, verwoben geht sie los und sofort kann ich zwischen Bloom und meinem persönlichen Hangover vom Vorabend eine emotionale Verwandtschaft erkennen. Elektronisch, verzerrt und schräg geht es weiter. Morning Mr. Magpie und Little By Little verhalten sich im Ohr wie zu viel Geschirr im Spülbecken. Irgendwie ist es sperrig und umständlich, aber das Wasser dringt ja dann doch in jede Ritze und am Ende kommt alles sauber raus. Melancholisch, düster und zerbrechlich nähert sich das Ende. Dann sind auch die guten Weingläser wieder blank poliert und vorsichtig zurück an ihren Platz gestellt. Und wenn sich die Schranktür hinter ihnen schließt, dann wandert ein schöner Abend unter Freunden ganz offiziell vom Erleben in die Erinnerung. Und dieser Moment fühlt sich genau so an wie Give Up The Ghost klingt. Vorwärts, beweglich und lebendig bricht dann doch der finale Song Separator auf. "Wake me up" - auf in den neuen Tag, zu neuen Aufgaben, zu neuem Erleben. Weg mit den traurigen Gedanken.

Doch was bleibt? Weder hielt die musikalische Offenbarung in meiner Küche Einzug, noch der Wunsch eine andere Platte aufzulegen. Dafür war in 37 Minuten die lästige Hausarbeit wie von Geisterhand selbst erledigt. Und das macht nicht jede Musik. Eva Deinert


Eigentlich wollten Radiohead ja gar keine Alben mehr veröffentlichen. Zumindest kündigte die Band im Sommer 2009 an, dass sie ihr "kreatives Chaos" künftig nur noch in Form von EPs und Singles auf den Markt bringen möchte. Das erklärt vielleicht die kurze Spielzeit von The King Of Limbs, die mit 37 Minuten nur knapp über EP-Länge liegt.

Die acht Songs sind in gewohnter Radiohead-Manier vertrackt und vielschichtig. Nichts ist so, wie es beim ersten Hören zu sein scheint. Der Sound wird klar dominiert von den elektronischen Beats, die oft an Thom Yorkes Solo-Album Eraser erinnern. Den Gegensatz dazu bildet der fragile Gesang von Thom Yorke - mal verzerrt, mal eindringlich, doch immer unverwechselbar.

Als Höhepunkte bleiben beim ersten Hören Little By Little und Separator hängen, die gleichzeitig die dynamischsten und positivsten Songs auf The King Of Limbs darstellen. Das sphärische Codex mit seinem reduzierten Klaviersound ist dagegen eher ein Lied für ganz besondere Momente im Leben. Zusammen mit einer Flasche Wein und ordentlich Weltschmerz ist es sicherlich die perfekte musikalische Untermalung für einen Abend auf dem Sofa, in jeder anderen Situation ist diese überbordende Dramatik aber nur schwer zu ertragen.

Wie jedes Radiohead-Album ist auch das neueste Werk der fünf Engländer nur schwer zugänglich. Freunde der Band werden sich mit Begeisterung und Vorfreude reinhören, wer mit Radiohead bisher nichts anfangen konnte, wird auch durch dieses Album sicher nicht zum Fan werden. Bettina Koch


Es ist beileibe kein leichtes Unterfangen, Gedankenspiele, die über vier lange Jahre gereift sind, mit der nackten Wahrheit 37-minütiger Augenblicke zu vergleichen. Gedankenspiele, die einem wunderbaren Album zu verdanken sind, das nun so urplötzlich einen Nachfolger zum Vorschein bringt. Was bleibt?

The King Of Limbs ist ein mehr denn je polarisierendes Album. Entgegen der Vermutung und dem Trend seiner beiden Vorgänger, der perfekten Symbiose aus OK Computer und Amnesiac ein weiteres Stück näher zu rücken, wartet das neue Werk mit eher aus Kid A und dem Solowerk Yorkes The Eraser bekannten Elementen auf: Es blubbert und klickt, die verspielte Rhythmus-Maschine läuft im Gleichklang mit einer zum Teil lebendigen, zum Teil schwermütigen, monotonen Bassline und konkurriert dabei stets mit der fragilen und eindringlichen Stimme Thom Yorkes, die wie ein Geist die Harmonie eines jeden Songs dominiert. Das klingt alles nicht schlecht, doch erinnert es eher an die Kopie einer Kopie mit heiterem Songstellenraten vergangener Radiohead-Höhepunkte. Nur, um am Ende feststellen zu müssen, dass Originale einfach nicht zu ersetzen sind.

Was kommt raus? Einige lichte Momente und zwei Songs, die es tatsächlich schaffen, diese so vertraute, tiefe und bittersüße Ergriffenheit zu entfachen, wie sie nur die fünf Herren aus Oxford im Stande sind zu erzeugen: Während das fantastische, eher von minimalistischen Gitarren dominierte Little By Little musikalisch ein wenig an eine gediegenere Version von Go To Sleep erinnert, findet das Album seinen unbestrittenen Höhepunkt in Codex wieder. Dieses kleine, balladeske, zerbrechliche Klavierstück, das mit seiner klaren Schönheit beinahe vergessen macht, dass The King Of Limbs letztlich an keinen seiner zahlreichen Vorgänger reicht. Und doch bleibt ganz zum Schluss auch die versöhnliche Erkenntnis, dass ein guter Wein viel Reifezeit benötigt – ein echter Radiohead eben. Bastian Keck

 

digitaler Download: 18.02.11 / VÖ: 25.03.11




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