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Patrick Wolf: Lupercalia
Friday, 17 June 2011 12:38

pwolftemp.pngLupercalia, der Titel des neuen Patrick Wolf Albums, ist ein auf den Herdengott Faunus zurückgehendes Reinigungs- und Sühnefest. Es wurde zu Beginn des Frühlings gefeiert und sollte die Stadt reinigen, böse Geister vertreiben und Gesundheit und Fruchtbarkeit bringen. Patrick Wolfs Motto scheint klar zu sein: alles auf Anfang, den Blick starr auf eine rosige Zukunft gerichtet.

Auch das Cover scheint dies zu bestätigen, keine bunte und motivreiche Inszenierung wie beispielsweise bei seinem Vorgängerwerk The Bachelor. Es zeigt schlicht ein Portät von Patrick Wolf, gekleidet in unschuldigem weiß. Der britische Multiinstrumentalist hat seinem Leben neue Prioritäten gesetzt, zumindest scheint so es. Seit Neujahr ist er verlobt, hat sich häuslich niedergelassen und scheint seinen Platz gefunden zu haben.

So ist das Hauptthema des Albums auch klar: die Liebe. Patrick Wolf besingt diese in unterschiedlichsten Varianten. So etwa über direkte Liebeserklärungen an seinen Verlobten, sein Haus, seine Stadt. Man kann Lupercalia getrost als fröhliches, glücklich klingendes Album bezeichnen, auch wenn die Angst, alles zu verlieren, unterschwellig mitschwingt. So besingt er in The City etwa seine Angst, dass die Stadt die Liebe zerstören könnte.

Patrick Wolfs musikalische Ausrichtung zu Beschreiben bringt einige Schwierigkeiten mit sich, so brachte er in den letzten Jahren Alben heraus die so facettenreich waren, dass es fast unmöglich scheint, ihn musikalisch zu verorten. Vielleicht kann man ihn am ehesten im avantgardistischen Pop - inklusive diversen Einflüssen wie Folk - verankern. So reicht sein Spektrum von zarten und reduzierten Balladen, hin zu mit Orchester und Beats aufgepumpten Monstersongs. Doch eins haben all diese Songs gemeinsam: sie berühren, verführen und geben das Gefühl etwas zu Hören was es so noch nie gab.

Auf Lupercalia ist von Wolfs avantgardistischer, experimentierfreudiger Ader wenig übrig geblieben. Aus fortschrittlichem Pop-Folk ist plötzlich nur noch Pop übrig, inklusive nicht zu verleugnender Einflüsse der 80er Jahre. Kein Wunder, dass nun selbst Lady Gaga ihren Fans das neue Album des Musikers ans Herz legt. Wolfs Texte, die in der Vergangenheit von lyrisch über mystisch hin zu geradlinig reichten und allesamt großartig waren, werden nun im Allgemeinen durch plattitüdenreiche und erstaunlich platte Texte ersetzt, insbesondere wenn es um die vielbesungene Liebe geht. Beispiele hierfür gibt es genug, so etwa in Bermondey Street: Love knows no boundaries / Sees beyond sexualities oder I come near / I see my future clear.

Glücklicherweise gibt es Ausnahmen, die Wolfs Genialität hervorheben: so beispielsweise das pathetische Slow Motion, eine mit Geräuschen und Beats angereicherte Ballade. Auch zu erwähnen ist die Harfe, die der Musiker vor Kurzem zu spielen begann und die nun als festen Bestandteil in seine Liveshows und auf Lupercalia eingang fand.

Vieles, was Patrick Wolf bisher auszeichnete und seine Musik so einzigartig machte, fehlt auf Lupercalia. So bleibt und quält die Frage, wie das eigentlich als Fortsetzung zu The Bachelor geplante Album The Conqueror wohl geklungen hätte. "Schade drum und abhaken" lautet die Devise. Die Hoffnung auf das nächste Album bleibt schließlich. Rebekka Schwarz

VÖ: 17.06.2011




conqueror 2011-06-18 19:59:01

Zugegeben, man muss erst mal ein paar Takte runterschalten beim neuen Album und
die Ansprüche an krasse Stilbrüche wegschieben, die man mit Patrick Wolfs
Musik lieben gelernt hat. Alles geht ruhiger und harmonischer zu -manchmal
geradezu betulich. Viel zu entdecken gibt es trotzdem. Für mich sind die Texte
z.B. gar nicht platt, sondern mit den einfachen aber wahrhaftigen Strukturen aus
"Wind in the Wires" vergleichbar. Es wirkt weit weniger aufgesetzt als
im "Bachelor"-Album, weniger dramatischer Chor etc. Der
Hochwürden-Sound passt und wirkt, wie er soll. Lediglich etwas unrund ist die
edle Scheibe, läuft in der Mitte im Mix zwischen schnellen und langsamen Songs
ein wenig leer - funktioniert daher als Album nicht so gut wie die Vorgänger.
Innerhalb der Einzelteile finden sich aber viele viele Sahnestückchen.
conqueror 2011-06-18 20:02:38

....passt schon auch als "Conqueror", wie er gegensätzlicher zum
"Bachelor" nicht sein könnte. Urban, modern, realistisch, harmonisch
statt folkig, mystisch, verwunschen und heriosch.
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