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Tori Amos: Night of Hunters
Wednesday, 14 September 2011 09:10

Tori AmosMit dem Konzeptalbum Night of Hunters, Tori Amos' neuem und zwölftem regulären Studioalbum, erschließt die extravagante Musikerin ein (fast) völlig neues Terrain. Sie bewegt sich weg von den oft eintönigen Pop-Melodien ihrer Vorgängeralben - aber ist das auch eine gute Entscheidung?

Wer sich bereits mit Tori Amos beschäftigt hat, der weiß um ihre Schwäche für Konzeptalben. Menschen werden von Tori auf einen Trip durch das krisengeschüttelte Amerika geschickt oder sie schafft Charaktäre, die sie selbst verkörpert, wie auf American Doll Posse. Vieles hat sich Tori Amos schon einfallen lassen. Teilweise sicherlich aufgrund ihrer unbändigen Kreativität, aber wohl auch als Versuch sich von der großen Masse an weiblichen Musikerinnen abzuheben. Denn was gäbe es Schlimmeres für eine dem Älterwerden abschwörende Musikerin als in Vergessenheit zu geraten?

Nun also Night of Hunters, das mit einer wilden, und daher für die Klaviervirtuosin sehr typischen, Geschichte aufwartet. Es geht auf dem Album um eine Frau in Irland, verkörpert von Amos, die mit einer gescheiterten Liebesbeziehung kämpft. So weit, so gut. Doch dann trifft sie eine Gestaltenwandlerin namens Anabelle, von ihrer 11-jährigen Tochter Natashya gesungen, die mit der Hauptfigur mehrere tausend Jahre ins alte Irland zurückreist. Im Verlauf der Platte lernt man die Natur der kaputten Beziehung weiter kennen. Zudem wird man in einen Strudel ziemlich schwer zugänglicher Titel gezogen, in denen es beispielsweise um den Konsum von Kaktussaft geht. Halluzinationen sind die Folge - aber damit nicht genug. Gegen Ende betritt ein neuer Charakter die Albumbühne: Die Feuermuse, vertreten durch Amos' Nichte Kelsey Dobyns, die Tori Amos zu einer Art Hüterin von Kinderträumen macht.

Nun aber endlich zu Musik. Night of Hunters ist ein Album, das vorrangig durch klassische Kompositionen besticht. Vorbild standen Komponisten wie Bach, Chopin oder Debussy. Das akustische Album - denn "typische" Instrumente wie Schlagzeug, Gitarren und Bass werden bei Tori dieses Mal vergeblich gesucht - erschließt sie zusammen mit Solo-Musikern, wie der Flötistin Laura Lucas oder dem Solo-Klarinettist Andreas Ottensamer der Berliner Philharmoniker, sowie dem polnischen Streichquartett Apollon Musagète. Nicht verwunderlich ist daher das erscheinen des Song-Zykluses bei Deutsche Grammophon.

Die Kompositionen der Musikerin zeugen von viel Feingefühl. Amos' wunderbare Harmonien erschließen sich durch - wie üblich - brillantes Pianospiel in Kombination mit den klassischen Klängen und Toris fragilen Gesang. Auch die wirklich sehr schönen Gesänge ihrer Tochter und ihrer Nichte schaffen eine neue und bislang unbekannte Ebene in Amos Titeln. Textlich zeigt sie auf diesem Album bravourös, wie viel  lyrisches Können in ihr steckt. So singt die beispielsweise in Carry: "Cathedrals of sound are singing, are singing / The waves have come to walk with you / To where you will live in the land of you".

Night of Hunters ist ein ruhiges, fast schon andächtiges Album. Eine Art gesungenes Märchen, das durch oft bombastische, doch trotz alledem wunderschöne, Arrangements besticht. Amos erreicht durch dieses neue Werk endlich das, was sie wohl schon in den vergangenen Jahren erreichen wollte, sie schafft etwas Neues und Frisches. Gerade durch das Zurückgreifen auf musikalische Traditionen hebt sie sich so von vielem ab, was sich sonst in den Plattenregalen tummelt. Klassische Bombastmusik ist sicherich nicht Jedermanns Fall, aber man kann sich getrost vor Amos verbeugen. Wenn nicht für die Musik, dann allein schon für ihren Mut, gerade ein solches Album zu veröffentlichen. Rebekka Schwarz

VÖ: 16.09.2011

 

Anhören könnt ihr das komplette Album online auf npr music.




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