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Kristoffer Ragnstam: Sweet Bills
Friday, 11 April 2008 21:50
Kristoffer Ragnstam in der Kritik
Alternative Musik aus Schweden ist melancholisch bis schwermütig. Das ist die weit verbreitete Lehrmeinung. Doch es gibt einen, der hat die langen Nächte des nordischen Winters anscheinend unter der Discokugel verbracht: Kristoffer Ragnstam. Sein Album Sweet Bills ist in Deutschland am 18. April erschienen.


Ein Süßer ist Ragnstam tatsächlich, und damit meinen wir ausnahmsweise mal nicht blondes Haar, blaue Augen und Drei-Tagebart. Der Legende nach hat der Mann aus Göteburg nämlich eine große Schwäche für Süßigkeiten. Und vielleicht hat ja auch der viele Zucker zu der heiteren Energie geführt, die vornehmlich aus seiner Musik klingt. Pop, Glam, Elektro-Experiment - sein bunter Stilmix gleicht einem großen, bis zum Rand mit Leckereien gefüllten Bonbonglas.

 

Mit feinen Pianoklängen eröffnet das Album, das eigentlich bereits 2006 erscheinen sollte und wegen Insolvenz des Labels LADO wieder auf (Sahne-)Eis gelegt wurde. Wie Liebesperlen kullern die Töne von den Tasten, nur um bald darauf einem Brausebrocken gleich im Popsong Breakfast by the Mattress zu explodieren. Unüberhörbar ist hier das Erbe der achtziger Jahre, vielleicht mit ein Grund dafür, dass Kristoffer mit Debbie Harry tourte, welche als Indie-Ikone Blondie das Jahrzehnt der Schulterpolster und Neonfarben musikalisch prägte.

 

Echo, Hall und Synthesizer verleihen der Single-Auskopplung Man over Board einen psychodelischen Touch, die Sounds winden sich ineinander wie die Farben einer Zuckerstange. Dieser Track ist, wie fast alle 13 Songs der Platte, einhundert Prozent tanzbar. Das ist kein Zufall, denn bei den komplexen Pop-Arrangements, die im Heimstudio aufgenommen sind, wurde Ragnstam von ehemalige Kollegen der Band Electric 4 unterstützt, ihres Zeichens in Schweden bekannt für Soul- und Jazznummern. Nur in einigen Ausnahmen bestätigt der Schwede das Melancholie-Klischee, zum Beispiel in der zuckerwatte-zarten Ballade Sweet Bills mit lieblicher Mädchenstimme im Background. Selbst dem Blues, dieser Whiskey gefüllten Praline unter den Musikgenres, erweist Ragnstam auf seine originelle musikalische Weise in Born as a lion die Ehre. Statt in Bonbonpapier wickelt er den Song in seine subtil arrogant und maliziös klingende Stimme.

 

In den experimentellsten Momenten klingt Ragnstam wie Beck, öfter ist er gefällig wie Jamiroquai. Natürlich findet sich auch für Kristoffer Ragnstams Sound die passende Schublade, die da heißt Schwedischer New Wave Pop. In diesem Fach stecken auch schon ein paar andere Bands wie Peter Björn & John oder die Shout out Louds. Und garantiert auch jede Menge Süßigkeiten... (Petra Schönhöfer)


VÖ 18.04.08




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