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Atomic: Coming Up From The Streets
Thursday, 17 April 2008 16:24
Trinken vielleicht auf Kaffee: AtomicVon manchen Menschen heißt es wenig schmeichelhaft, sie seien wohl mit Brot aus dem Wald gelockt wurden. Aus dem Wald kommen Atomic tatsächlich, um genauer zu sein aus dem Städtchen Furth im Wald, aber auf die Straße gelockt hat sie der Brit-Rock und die Beat-Musik. Das ist auch auf ihrem zweiten Album Coming Up From The Streets deutlich zu hören.

Dass die Band um die Zwillingsbrüder Thomas und Rainer Marschel sich tatsächlich gerne und häufig auf der Straße herum treiben, beweist eine eindrückliche Serie von mittlerweile über 200 Konzerten in ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz, Tschechien und England. Soviel Reisefreudigkeit im Geiste des Indie-Gitarren-Pops wird belohnt, weshalb Atomic gerne gesehen waren im Vorprogramm von Tomte, Madsen und Paul Weller & Gem Archer (Oasis), und bei Support-Auftritten mit den Babyshambles und Kula Shaker.

Jetzt also liegt das Ergebnis dieser musikalischen Fortbildung als kompakter Silberling in den Plattenläden. Coming Up From The Streets wurde im Telstar Studio München produziert, was keine schlechte Wahl für den Ausgang einer steilen Britpop-Karriere ist, denn auch die Arctic Monkeys waren hier schon für Aufnahmen zu Gast. Es ist kein Geheimnis und auch nicht zu überhören, dass Atomic ihre Wurzeln in den großen Brit-Idolen der Neunziger Jahre sehen, allen voran Oasis. Es ist Liam Gallaghers klagend nasale Stimme, die Sänger Thomas anscheinend bleibend beeindruckt hat. Aber aus dem Opener Soul Sister klingt noch etwas viel Klassischeres hervor, nämlich eine gute Portion Beatles.

Der charakteristisch britische Gitarrensound von Mod bis Garage zieht sich als roter Faden durch das Album, ebenso tun dies unverstellt schöne Melodien wie beispielsweise im zweiten Song Magic Daydream und in – wie sollte es anders sein – She’s the one. Gitarre, Bass und Schlagzeug sind die Basis, von der aus nur selten eine Exkursion in elegisch sinfonische Arrangements und Klingglöckchen-Verspieltheit unternommen wird. Zu einem Song wie Something wonderful passt dieser Ausflug in den Kitsch dann auch hervorragend. Mit Mehrstimmigkeit und Ska-Rhythmen in Oh Suzanne werden weitere typisch britische Klangerlebnisse zitiert, und immer wieder die musikalischen Überväter von Oasis: Face in heaven.

Tanzbar wie in The Good Souls oder hymnisch wie in High & Fall – nur wenig Wünsche bleiben auf dem Album offen. Vielleicht ist es ein bisschen zu nah dran an dem völlig zurecht in Erinnerung gerufenen Insel-Sound der neunziger Jahre. Aber mit seinen perfekten Arrangements beweist Coming up from the streets, dass Atomic sicher keine Hinterwäldler sind. Petra Schönhöfer


VÖ 18.04.2008


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