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Kettcar: Sylt
Friday, 18 April 2008 13:36

Das neue Album von Kettcar: SyltKettcar sind Kettcar sind Kettcar. Daran wird auch ihre neue Platte Sylt nichts ändern. Allerdings haben sich die Hamburger wieder einmal entwickelt, nicht unbedingt weiter, aber in andere Richtungen. Mit dem Lauf der Geschichte verändern sich die Themen von Kettcar, ihre musikalischen Flüsse - aber ein Ende ist noch lange nicht in Sicht.

 

Sylt ist eine Fortsetzung. Eine Fortsetzung von Kettcars Gedankengut und instrumentalem Beiwerk, auf die wir alle lange gewartet haben. Was kann da noch kommen, haben sich langjährige Begleiter der Band vielleicht gefragt, ohne jemals daran zu zweifeln, dass noch mal was kommt.


Jetzt ist es da, Sylt, das neue Album, wieder ein Liebhaberstück. Man hält es stolz in den Händen, wie ein weiteres Teil der geliebten Modelleisenbahn in der Glasvitrine. Kettcar sind eine solche Modelleisenbahn, die um Hamburg kreist und nur zum frischen Beladen Halt macht. Zum Beispiel wenn die Lokomotive um einen neuen Wagon erweitert wird, wie eben durch Sylt. Ein Wagon, den man sich sehnsüchtig zusammen gespart hat, um das Sammlerstück Kettcar stolz und liebevoll um ein weiteres Glied zu erweitern.

 

Je mehr Wagons, desto mehr Passagiere - je mehr Alben, desto weiter scheinen die Hörerkreise zu reichen. Jeder Wagen hat seinen eigenen Look, seine Individualität. Finden sich auf den bisherigen Wagons schon Schmierereien der letzten Jahre, hängt sich Sylt fast noch jungfräulich hinten an und fährt ab jetzt bei der grossen Reise von Kettcar mit.

 

Ein Schlafabteil gibt es nicht an Bord von Sylt, der inzwischen dritten Platte der Hamburger Kombo. Stattdessen rechnet das Album mit unserer Zeit und ihren bösen Mitspielern ab, hebt den Zeigefinger und reicht gleichzeitig den kleinen Finger zur Hilfe. Es gibt unangenehme Fahrkartenkontrollen und Rauchverbot auf den Toiletten, aber auch Malbücher für Kinder und freundliches Servicepersonal. Wachrüttelndes wie Trostspendendes.

 

Wir sitzen in unserem Abteil Am Tisch, lassen unseren Blick über die weiten Felder schweifen und machen uns Gedanken über die Welt. Mit Dunkel und einem drückenden Gefühl fahren wir durch Tunnel, an deren Ende wir erleichtert der Sonne entgegen blinzeln. Gleich reißen wir das Fenster im Wagon auf, durch das uns kreischende Gitarrenparts wie in Kein Aussen mehr entgegen schlagen.

 

Mit Sylt lässt es sich gut reisen - manchmal treibend und angespannt, dann wieder ruhig und gelassen. Hier und da holpert der Boden, was einem den Kopf wieder an die richtige Stelle rückt. Unter Hupen und schrillem Kreischen der Wagenräder von Wir werden nie enttäuscht werden fährt der Zug dann schließlich in den weit und breit einzigen Bahnhof ein. Hier wartet er darauf, dass wieder eine Menge Menschen in den Zug einsteigen und die Reise mit einem kleinen Druck auf "play" wieder von vorne beginnen kann. (Nina-Carissima Schönrock)


VÖ 18.04.08




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