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The Cribs: Men’s needs, Women’s needs, Whatever
Saturday, 21 July 2007 23:22

The Cribs: Besser als Franz Ferdinand? Sie sind wilder als die Libertines und schreiben bessere Songs als die Strokes. Dank der Hilfe von Alex Kapranos dürfte man dies bald auch außerhalb Englands wissen.

 

Der Spruch des Sommers lautet in England: "Indie is the new pop". Ständig sind im Fernsehen zierliche Jungs in engen Jeans zu sehen. Bands wie die White Stripes und Editors sind vorne in den Charts, und beim Glastonbury Festival stehen auch Leute wie Gwyneth Paltrow, Kevin Spacey und Kiera Knightley gerne für drei Tage im Schlamm, um den Killers zuzujubeln.

Schon macht das Wort von den "Indie Celebrities" die Runde. Perfektes Beispiel: The Kooks. Sie sehen aus wie Pete Doherty nach einer Geburtstagsfeier bei seinem Crackdealer, klingen aber wie eine Gruppe Ministranten mit Akustikgitarren. Mit dieser Mischung haben sie es immerhin zu ein paar schlagzeilenträchtigen Damenbekanntschaften aus dem erlauchten Kreis des Pop/Rock Establishments gebracht.

The Cribs, drei Brüder aus dem Norden Englands, sind das genaue Gegenteil der Kooks: Sie waren wahrscheinlich auf der Geburtstagsfeier von Pete Doherty’s Crackdealer und klingen als würden Sonic Youth die Ramones covern. Zum Thema Damenbekanntschaften äußern sie sich grundsätzlich nicht.

Jahrelang war die Band vor allem für ihre Liveshows bekannt: “Drei Songs und dann ab in die Notaufnahme” hieß das Motto. Sie zogen sich mehrere Knochenbrüche zu, spielten mit aufgerissenen Lippen und notdürftig genähten Augenlidern. Sie waren chaotisch an der Grenze zur Selbstzerstörung. Ein schöner Anblick war es nicht - aber die Fangemeinde wuchs.
Die ersten beiden Alben verkauften sich dennoch nur mäßig. Sie klängen, als wären sie “in einer rostigen Konservendose aufgenommen worden”schrieb der englische Guardian. Doch die Qualität des Songwritings wies bereits auf das hin, was beim dritten Streich folgen sollte: Ein kleines Meisterwerk.

Dieses mal ließ die Band die heimische Konservendose hinter sich und ging für einen Monat nach Vancouver, wo sie sich von Alex Kapranos produzieren ließ. Der Franz Ferdinand-Sänger hatte sich schon vor längerer Zeit als Fan geoutet, genauso wie Ricky Wilson von den Kaiser Chiefs und der legendäre Smiths-Gitarrist Johnny Marr.

Aufgenommen in Kanada, gemischt in New York, produziert von einer der Indie-Ikonen unserer Zeit - da haben sie ganz schoen große Geschütze aufgefahren, für eine Band die sich jahrelang als Teil der DIY/Punkrock Szene sah. Doch es hat sich gelohnt. Songs, wie die erste Single Men’s needs sind eingängig, voller Energie, und dabei komplex genug um lange Haltbarkeit zu garantieren. Dazu glänzt das Album mit Textzeilen wie “I am a realist, I am a romantic, I am an indecisive piece of shit”, die Sänger Gary Jarman mit der Gelassenheit und Würde eines erfahrenen Underdogs von sich gibt.

Natürlich wieder eine The Band und klar, sie klingen wie die Strokes und die Libertines, aber wo die Arctic Monkeys nach altkluger Schülerband klingen, und in etwa so aufregend sind, wie eine heimliche Zigarette in der großen Pause, dringt bei den Cribs an jeder Ecke das Chaos, die Energie und die Leidenschaft ihrer Liveshows durch.

Die Cribs haben das Zeug dazu, eine dieser Lieblingsbands zu werden, die man gerne für sich behalten würde. Darum – pssst - nicht weitersagen, es gibt schließlich schon genug Indie-Celebrities. Alex Neumann



VÖ 21.09.07




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