Etwas anders war er schon immer: Düster, verrucht, dann wieder ins Licht blickend. Phillip Boa, mal himmelhoch jauchzend, dann wieder zu Tode betrübt, aber sich niemals festlegend. Am 13. Februar 2009 startet die Kunst der Stimmungswandlung mit Diamonds Fall in die nächste Runde.
Siebzehn reguläre Albumveröffentlichungen in dreiundzwanzig Jahren Bandgeschichte: Phillip Boa & The Voodooclub müssten es müde sein, sich immer wieder selbst zu erfinden. Doch weit gefehlt, denn der Altmeister ist ein Exzentriker, eigen und unbeirrbar, und stellt mit seinem neuen Album nur ein weiteres Mal seine stetige Wandelbarkeit unter Beweis.
Eine Wandelbarkeit, die sich nicht nur von Titel zu Titel vollzieht, sondern auch innerhalb eines einzelnen Songs greift. Jedes Stück unterscheidet sich fast grundlegend vom vorherigen und lässt so bis zum Finale der Platte keine musikalische Tendenz des möglichen Gesamtspektrums aus. Es sind Kompositionen einer Romantik, wunderschön und bittersüss zugleich, die einen fast sklavisch an die Melodien und Worte Boas fesseln.
Eröffnet wird Diamonds Fall mit dem gleichnamigen Titelsong, der an einer untergründigen Linie der Melancholie entlang getrieben wird. Gedämpfte Klavierparts leiten zu einem choralen Refrain hin, der in Zeitlupe das Tor zu einer besseren Welt zu öffnen scheint.
Dieser düsteren Grundstimmung bleibt Phillip Boa auch in Valerian treu. Zerrende Gitarren umgeben ein kleines, helles Etwas, das über die Tristesse hinweg zu schweben scheint und dem Song so in Manier der Eels eine gewisse Leichtigkeit verleiht.
Doch man kann es von allen Seiten betrachten: Es zieht sich ein anhaltendes Gefühl der Unsicherheit und des Nichtwissens durch das Hörerlebnis. Es ist das faszinierende Spiel zwischen Dur- und Moll-Akkorden, das keine klaren Grenzen zwischen Fröhlichkeit und Trübsal zulässt. Zu dieser Art von Songs gehört The World Has Been Unfaithful, das durch seine aussergewöhnlichen Steigerungen ganz und gar durchkomponiert wirkt. Gänsehaus- und Ohrwurm-Garantie zur gleichen Zeit - das sind Phillip Boa & The Voodooclub.
Dem entgegen ist ein Fiat Topolino verblüffend fröhlich gestimmt, kombiniert die Qualitäten einer Tanznummer mit 80er-Jahre-Serienmusik-Flair. Die Soundtrack-Mentalität könnte sogar einen Quentin Tarantino begeistern. Lord Have Mercy With The 1-Eyed, die erste Single-Auskopplung des neuen Albums, weckt obendrein Erinnerungen an den gemeinschaftlichen Kreis ums Lagerfeuer zu Ferienlager-Zeiten. Ein verwirrendes Spiel, das Boa da treibt.
Fazit: Diamonds Fall sorgt innerhalb von fünfundvierzig Minuten mit seinen Höhen und Tiefen, Gefühlswütereien und ruhigeren Passagen für einen emotionalen Rausch der Sinne, für den man sonst eine langjährige Beziehung braucht, um ihn überhaupt verarbeiten zu können. Schlichtweg ein meisterhaftes Phänomen. Es klingt pathetisch, aber zu recht. Nina-Carissima Schönrock
Anspieltipps: The World Has Been Unfaithful und 60´s 70´s 80´s 90´s
(VÖ 13.02.09)
Hier gibt´s das Video zur ersten Single: Lord Have Mercy With The 1-Eyed
Schulzkowski is super unbedingt mehr davon
Noch was zum Thema: http://likeitis93.blogspot.de/2012/03/save-olli-schulz.html
diese kritik ist sehr schön, weil sie sich ausnahmsweise mal nicht schema f<...
und was war besonders? Welche Songs in der Setlist? Wie viele Instrumente
Für diejenigen, die es interessiert: Ich hab auf meinem privaten Blog noch e...