| Reingehört: Bosse, klez.E, Angelika Express |
| Monday, 09 March 2009 13:39 | |||
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Daher seien für alle Freunde der Deutschen Sprachgewalt hier nun drei grundverschiedene Alben für unterschiedlichste Stimmungslagen, Gefühlsschwankungen und Musikgenre-Präferenzen ans Herz gelegt. Eines haben die drei Alben, die allesamt seit Anfang des Jahres käuflich zu erwerben sind, gemeinsam: deutsche Künstler singen in ihrer Muttersprache.
Bosse hat mit seiner ersten Single Drei Millionen das Leid großstädtischer Singles in melodische Lyrik gehüllt: Kann es denn wirklich sein, dass in einer Stadt (in diesem Fall Berlin, kann aber auch jede andere beliebige Großstadt sein) mit Millionen von Einwohnern wirklich keiner dabei ist, der genauso tickt wie man selbst? Die trotzige Argumentation mit stochastischer Beweisführung macht das einsam sein traurig schön.
Das letzte Quäntchen Hoffnung, die theoretische Aussicht des Glücks und die statistische Wahrscheinlichkeit, dass am Ende zumindest einmal einfach alles gut werden muss, begleitet jedes melancholische Stück - Irgendwo dazwischen - und jeden Rocksong - Liebe ist leise. Die Bosses bockige Zuversicht ist so zärtlich anrührend, dass er damit stets ein Lächeln auf die Lippen des Hörers zaubert. Er nimmt uns in seinen leicht bekömmlichen Songs mit auf eine Berg-und-Tal-Fahrt vom schmerzbejahenden gemeinschaftlichen Bad im Selbstmitleid bis zum selbstironischen Ausgelachtwerden vom eigenen Ich. Schmankerl: Vereinfachen ist ein Duett mit Sebastian Madsen von Madsen. Das richtige Album zum traurig sein, "Fuck You" rufen, Hoffnung schöpfen und sich wieder aufrappeln.
Nicht ganz so leichte Kost, aber von orchestraler Größe ist hingegen das neue, dritte klez.E Album Vom Feuer der Gaben. Es gilt: Nicht vom eingängigen und gefälligen Opener Wir ziehen die Zeit täuschen lassen! Danach geht es vielschichtig, vielstimmig und multiinstrumental weiter. Hier werden Konventionen gebrochen, Strukturen verwischt und Erwartungen erst gesät und dann doch unbefriedigt stehen gelassen. Vom Feuer der Gaben ist wie ein Thomas Mann-Roman, wie eine Jonathan Meese-Ausstellung: Kunst, die man nicht mal eben so nebenbei konsumiert.
Darauf muss man sich erstmal einlassen! Da muss man offen, geduldig sein und einen langen Atmen haben. Erst mit der Zeit eröffnet sich einem die Schönheit dieses musikalischen Opus aus psychedelischen Instrumentalfragmenten und lyrischen Versatzstücken. Sowohl die religiösen Bezüge zu Tod, Wiedergeburt und Gott, als auch die hohe Stimmlage des Sängers Tobias Siebert sind vielleicht nicht nach jedermanns Geschmack.
Aber für wen Musik nicht nur MP3-Beschallung zwischen zwei U-Bahnhaltestellen bedeutet, sondern wer auch gerne mal mit einem guten Glas Rotwein im Sessel sitzend die großen intellektuellen Fragen nach dem Dasein im Universum in Form von Instrumentalkunst erörtern möchte, der hat mit diesem Album sein Predigtbuch gefunden.
Alles andere als schwermütig ist hingegen Goldener Trash von Angelika Express. Dieses Album zieht uns schon mit dem ersten Song Was wollt ihr alle aus dem Sessel direkt auf die Tanzfläche. Bildhaft und anschaulich erzählt Robert Drakogiannakis in seinen grinsenden Songs von Messy-Girls, Alkoholproblemen und Lottogewinnen. Zwischen Glamrock und Powerpop siedelt er die Geschichten aus dem Leben an, die allesamt wunderbar mitgröl- und tanzbar sind. Besonders Du trinkst zuviel bietet sich als Hymne so mancher Studentenfete nahezu an. Doch auch Robert weiß um die Schönheit der deutschen Sprache: Wer genau hinhört, entdeckt hinter der zunächst eindeutigen und witzigen Ansage eine weitere Ebene, die das Ganze weniger witzig hinterfragt.
So bieten auch Nie wieder Punkrock, Platte für Platte und Fernsehgucken zu zweit Denkanstöße und Diskussionsgrundlagen über Medienkonsum und die Entwicklung der Gegenwartsmusik. Das Schöne jedoch ist, dass Robert Drakogiannakis jeden selbst entscheiden lässt, wieweit er in die Tiefe der Lyrik einsteigt. Einfach Faust in die Luft recken, „Jawoll" schreien und tanzen bis die Schwarte kracht ist auch völlig ok. Es gilt die altbewährte Punkparole: Alles kann, nichts muss. Hier darf man auch den Alltag auf die Schippe und das Leben einfach nicht mal nicht so ernst nehmen. Am Ende gibt's noch ein Liebeslied - Ich schenke dir die Zeit - in feinster Songwriter Manier oben drauf. Eine Gute-Laune-Infusion, eine Party bis früh um Acht, einfach goldener Trash.
Eva Deinert
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Schulzkowski is super unbedingt mehr davon
Noch was zum Thema: http://likeitis93.blogspot.de/2012/03/save-olli-schulz.html
diese kritik ist sehr schön, weil sie sich ausnahmsweise mal nicht schema f<...
und was war besonders? Welche Songs in der Setlist? Wie viele Instrumente
Für diejenigen, die es interessiert: Ich hab auf meinem privaten Blog noch e...