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Oliver Wnuk: Wie im richtigen Film
Tuesday, 12 April 2011 07:43

Oliver Wnuk: Wie im richtigen FilmJan könnte glücklicher nicht sein: Er hat eine wunderbare, herzensgute Freundin namens Clara, die zufällig eine der wichtigsten Jungschauspielerinnen dieses Landes ist, eine fünfjährige, goldige Tochter, eine sehr coole Exfreundin und selbst den ein oder anderen guten Schauspieljob. Doch was bleibt, ist, dass er nie an Claras Erfolg anknüpfen kann – deswegen gibt er sich beim Deutschen Fernsehpreis ordentlich die Kante. Das Ergebnis, das erst einmal eine Flucht aus Berlin und aus Deutschland, nach sich zieht, ist: Sein Bild, auf der Titelseite einer bekannten Tageszeitung. Auf diesem kotzt er sich die Seele aus dem Leib.

Die Zusammenhänge zwischen Oliver Wnuks Hauptcharakter Jan und ihm selbst liegen ebenso auf der Hand, wie es jüngst bei Markus Kavka und Rottenegg der Fall war: Oliver Wnuk hat eine Tochter aus einer früheren Beziehung und eine berühmte Freundin, nämlich Yvonne Catterfeld – und er ist einer der Schauspieler, die sich schon immer irgendwie durchwuseln. Als Ulf Steinke hat er bei Stromberg Fernsehgeschichte geschrieben, doch das Schreiben generell ist eine seiner weiteren Leidenschaften neben der Schauspielerei. Nach dem One-Man-Stück Einfach nur Siggi und Texte für Catterfelds Album Blau in Blau war nun der Debütroman dran.

Mit diesem beweist er sein komödiantisches Können, wie in den Badewannen-Monologen in verschiedenen Abschnitten des Buches, genauso wie sein Gespür für Dialektik (der italienische Kellner, beispielsweise, oder Jans bester Freund Fritz aus Wien). Aber er kann auch die leisen, traurigen Töne – und das Liebevolle. Denn neben der Beziehung von Clara und Jan, beziehungsweise der zwischen Jans ehemaliger Freundin Anne und der gemeinsamen Tochter Luca, steht auch Jans demenzkranker Vater Günther im Vordergrund. Bruchteilhaft erinnert sich auch Jan an die Vergangenheit, was sein Vater schon lange nicht mehr kann. Da geht es um die früheren Generationen der Familie, da geht es um Erlebnisse, als Luca noch ganz klein war, oder um die Streits mit seiner Schwester Britta. Leider wird dieser Teil ein wenig zu kurz thematisiert und auch seine griechische Mutter scheint nur ein weiterer Störfaktor in Jans Leben zu sein, auf den es sich gar nicht näher einzugehen lohnt, denn er hat ja alle Hände voll zu tun: Papparazzi, Fritz' esoterische Einfälle, Anne, die sich verlobt, und Clara, die auch Mutter werden möchte.

Doch ist Jan überhaupt bereit, noch einmal Vater zu werden? Verletzt es ihn nicht doch mehr, als er denkt, dass Anne Steffen heiratet und Luca dann plötzlich nicht mehr so zu ihm gehört wie früher? Diese und viele andere Ängste und Gedanken spinnen sich durch das gesamte Buch und dennoch wird es nie langweilig oder verquer. Besonders die Szenen zwischen Luca und Jan sind zuckersüß. Man möchte es fast schon ein Keinohrhasen in Literaturform nennen, wäre da nicht der weitaus geschicktere Humor Wnuks. Oliver Wnuks Debütroman ist eine fesselnde, lustige Geschichte über Familie, Liebe und Ruhm, über einen Neurotiker und dessen Sorgen. Ein Tipp für alle, die genug haben von überzogenen Drogengeschichten. Simone Bauer

Oliver Wnuk: Wie im richtigen Film
Erschienen im Krüger Verlag (10.03.2011)




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