| Richard Kadrey: Höllendämmerung |
| Thursday, 21 July 2011 09:05 | |||
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„Harry Potter ist ein Zauberer – ich bin ein Magier!“, sagt Stark von sich selbst. Er ist ein grob aussehender Kerl mit unzähligen Narben auf dem Körper, abgetragenen Klamotten und einigen Brandflecken. Woher diese kommen? Vom Fegefeuer, denn zu Beginn kommt unser Protagonist direkt aus der Hölle. Als junger Mann trat Stark einem magischen Zirkel bei, allerdings machte er sich dort mit seiner unbefangenen Art und der Angewohnheit, sich immer überall durchzumogeln nicht nur Freunde, und somit dauerte es nicht lange bis Mason, der Anführer des Zirkels, Stark von ein paar „Hellions“, Höllenbewohnern, direkt in deren Zuhause befördern lässt. Dort verbringt dieser elf Jahre, wird gefoltert, gequält und muss sich mit Monstern herumschlagen. Solange bis Azazel, der zweitliebste General von Teufel Luzifer höchstpersönlich, sich seiner annimmt und ihn als Auftragskiller engagiert.
Das geht gut, bis Stark erfährt, dass Parker, Masons rechte Hand, seine geliebte Alice ermordet hat. Stark bringt Azazel um, stiehlt ihm den Schlüssel zum „Raum der 13 Türen“ und verschwindet nach L.A., um sich am Zirkel zu rächen und dessen Mitglieder umzubringen. Dies gestaltet sich als nicht ganz so einfach, da Mason mittlerweile unbändige Kräfte entwickelt hat und niemand weiß, wo er sich eigentlich aufhält. Also sucht Stark sich erst mal einen Unterschlupf, und zwar bei einem anderen der ehemaligen Zirkelmitglieder, Kasabian (der heißt wirklich so!).
Diesem trennt er den Kopf ab, lässt ihn aber dennoch am Leben - für einen Magier kein Problem. Er selbst wird dabei mehrfach angeschossen und stellt fest, dass er nicht sterben kann. Hilfe für seinen Rachefeldzug holt er sich bei seinem alten Freund Vidocq, einem Alchemisten. Außerdem mit dabei: Kinski, ein magischer Arzt, und dessen Freundin Candy. Ob diese ihm bei seinem Kampf helfen, das solltet ihr selbst lesen, wenn ihr ein Fan von Fantasy-Abenteuern seid.
Das Buch ist nämlich nicht jedem Leser ans Herz zu legen. Die Atmosphäre beim Lesen gleicht der, wenn man das erste Mal den Film Fear and Loathing in Las Vegas ansieht, nur mit etwas weniger Drogen und stattdessen um einiges mehr an Gewalt, aber die psychedelische Ader kommt des Öfteren zum Vorschein. Die Geschichte hat einen abrupten Einstieg ins Geschehen, und ebenso unvorhersehbar wird mit Worten um sich geschmissen, die einer genaueren Erklärung bedürfen, denn nicht jeder kennt aufgrund seiner Allgemeinbildung Wesen wie „Jade“, so eines ist beispielsweise Candy, ein Mensch mit der Wirkung einer Tarantel, eine Art Vampir, aber eben doch nicht ganz. Auch sind die Hintergründe nicht immer einfach nachzuvollziehen oder ist es euch schon einmal passiert, dass ihr in eine Bar gekommen seid und der Mann hinter der Theke euch gleich derart sympathisch fand, dass er euch gefragt hat, ob ihr vielleicht ein paar Leute für ihn kalt machen könnt?
Auch die Tatsache, dass Stark ohne zu zögern Menschen töten kann, sich sogar einen Spaß daraus macht, ein bisschen mit ihnen zu spielen, bevor es zur Sache geht, aber eine Abneigung gegen Diebstahl hat, ist etwas unverständlich. Allerdings muss man dem Buch zu Gute halten, dass es häufig zu amüsanten Gesprächen kommt, zum Beispiel, als Stark auf seinen Ex-Zirkel trifft: „Was hast du mir zu Weihnachten geschenkt? Ach ja, Verdammnis, ein Geschenk an dem man lange Freude hat!“
Grundsätzlich kann ich mir gut vorstellen, dass das Buch seine Anhängerschaft finden wird, schließlich ist es leicht lesbar und verständlich geschrieben, wenn es nicht gerade um die Beschreibung von einem vergangenen Tathergang geht, und die Ideen sind interessant, die nicht-menschlichen Wesen gut geschildert. Aber man sollte definitiv ein Faible für derartige Geschichten haben, um sich dieses Buch zu kaufen, für einen Spontankauf ist es nicht wirklich geeignet. Simone Holmer
Richard Kadrey: Sandman Slim: Höllendämmerung Erschienen im Rowohlt Polaris Verlag (01.07.2011)
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