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Alexandra Potter: Träumst du noch oder küsst du schon?
Friday, 21 October 2011 13:28

Alexandra Potter: Träumst du noch oder küsst du schon?Wenn einem die beste Freundin – man stelle sie sich ruhig mit rotgefärbten Haaren und Lippenpiercing vor - ein Buch empfiehlt, dann nimmt man diese Empfehlung gerne an. Noch dazu, wenn es das neue Buch einer von sämtlichen Lieblingszeitschriften hochgejubelten Kultautorin ist. Hierbei handelt es sich um Alexandra Potter und ihr neues Werk Träumst du noch oder küsst du schon? – das im Originaltitel natürlich wesentlich besser klingt: You’re The One That I Don’t Want.

Und da sind wir leider auch schon beim ersten Kritikpunkt. Der Roman muss in seinem Originalton bestimmt gleich fünfmal witziger sein. Der Grund liegt offen auf der Hand: Die Hauptfigur Lucy ist gerade von London nach New York gezogen. Das beinhaltet dann nicht nur die Tücken des „British English vs. American English“-Konflikts, sondern auch einige englische Eigenheiten (z. B. Unterhosen von Mark & Spencer und Cockney-Akzente) gegen typische New-York-Gepflogenheiten (Mani-Pedi einmal wöchentlich).

Doch eben genau das bietet einige Szenen zu Anfang des Buches, die einem vorkommen, als würde man gerade einen New-York-Reiseführer lesen. Alexandra Potter, die selbst in Los Angeles lebt, beschreibt wichtige Touristenzielpunkte (wie das MoMA) und unwichtige (wie der Deli, in dem Harry & Sally gedreht wurde). Das gefällt stellenweisen, doch manchmal ist es schon übertrieben Travelguide-mäßig.

Aber nun zur eigentlichen Handlung des Buches: Vor zehn Jahren lernte die damals 19jährige Lucy Hemmingway aus Manchester den Havard-Studenten Nate in Venedig kennen. Die beiden verlieben sich Hals über Kopf und küssen sich unter der Seufzerbrücke. Dies ist eine Tradition, die auf einer italienischen Legende beruht – wer das tut, bleibt für immer zusammen. Dumm nur, dass Nate nach einiger Zeit Fernbeziehung verkündet, Beth zu heiraten. Und Lucy seitdem von einer unbefriedigenden Beziehung in die nächste schlittert.

Als die ehemalige Kunststudentin in einer New Yorker Galerie landet, will das Schicksal es, dass Nate ihr erster Kunde wird. Augenblicklich werden sie wieder ein Paar, nur um dann festzustellen, dass Fernsehproduzent Nate kaum kompatibel mit der chaotischen Lucy ist, die sich eine winzige WG mit der esoterischen Robyn teilt. Doch da ist eben auch der - mittlerweile - Fluch der Seufzerbrücke: Kaum getrennt, laufen Lucy und Nate ständig in einander. Die ganzen Zufälle türmen sich irgendwann in so dramatische Höhen, dass Lucy nicht mal in Ruhe mit dem Filmstudenten und Tim-Burton-Fan Adam zusammen kommen kann, der im Gegensatz zu Nate wirklich ganz liebreizend ist.

Hinzukommen weitere Tragödien – zum Beispiel um Lucys ältere Schwester Kate, deren Leben nicht ganz so perfekt ist, wie es scheint, um die Galerie, die kurz vor ihrem Aus steht, und um Robyn, die auf den Mann wartet, den ihr eine Wahrsagerin vorausgesagt hat, und deswegen jeden anderen von sich weist. Und zeitweise verkommt Lucys Versuch, sich von Nate zu trennen, zu einer peinlichen Version von Wie werde ich ihn los in 10 Tagen?.

Alexandra Potter pendelt sich irgendwo zwischen Cecilia Ahern und Sophie Kinsella ein. Das bedeutet: Sie kann wie Ahern einen feinen, fantasievollen Stoff verwerten, ohne gleich kitschig zu wirken, und stellt eine typisch tollpatschige Frauenfigur in den Vordergrund, ohne sie aber gleich so dämlich zu machen wie Kinsellas Schnäppchenjägerin. Popkulturanspielungen lockern teilweise überflüssige Passagen stets auf (über ihre exzentrische Chefin Magda: „Es wie bei einem kräftigen Käse oder Russell Brand, entweder liebt man ihn, oder hasst ihn.“). Leider sind es doch ein paar zufällige Begegnungen zu viel. Simone Bauer

 

Alexandra Potter: Träumst du noch oder küsst du schon?
Erschienen im Goldmann Verlag (19.09.2011)




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