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Das große LAXMag Bücherwichteln!
Tuesday, 20 December 2011 19:53
Spezial: Das große LAXMag Bücherwichteln!

Klar, 2011 war das Jahr von Kindle und iPad. Aber es ist nun einmal Fakt: Ein eBook kann man schlecht in rotes, glänzendes Papier hüllen und dann unterm Weihnachtsbaum verschenken. Deswegen bleiben Bücher nachwievor die beliebteste Geschenkvariante, gleich nach Badekugeln und Duftkerzen. Sind ja auch viel unterhaltsamer als Badekugeln und Duftkerzen. Nur leider kann man damit auch mehr verkehrt machen. Fünf LAXMag-Redakteure wurden mit Büchern beschenkt, die sie sich nicht gewünscht haben, und in manchen Fällen nie wünschen werden. Hier die Rezensionen zum großen Bücherwichteln.

Thomas Klupp: Paradiso

"Paradiso, es war noch nie so schön, Paradiso …" – dieser 2011er Emma6-Schlager bleibt mir automatisch in den Ohren kleben, wann immer ich das Buch aufschlage. Nur leider ist es nicht besonders schön, dieses Buch, das mir die Wichtelfee hat zukommen lassen.

Es geht darin um Alex Böhm. Dieser regt sich gerne seitenlang völlig grundlos auf. Grundsätzlich ist er ein totaler Arsch. Seine feste Freundin Johanna – die ihn von seiner großen Liebe Leni gespalten hat – hat seinen Wagen geschrottet. Also muss er von Potsdam, wo er Film studiert, nach München fahren. Hängen bleibt er dann aber in Weiden in der Oberpfalz – zumindest den Regierungsbezirk teilen er und ich, wenn man sich schon mit nichts aus dem Buch identifizieren kann -, wo er aufgewachsen ist. Sein Ziel: Zum Flughafen zu trampen, um mit Johanna nach Portugal zu fliegen. Doch es wird eher eine Reise in die Vergangenheit.

Zum Beispiel, dass er mit 14 seine Jungfräulichkeit an eine tschechische Nutte verloren hat. Überhaupt geht es proportional viel um schmutzigen Sex. Zum Beispiel verbringt er ewig viel Zeit in einem furchtbaren Videoladen für Erotik. Eine ätzend lange Szene. Und die Gespräche mit seinen Mitfahrgelegenheiten reißen das ganze Buch auch nicht mehr raus aus dieser ätzenden Langatmigkeit mit unterspurigem Ekel.

Die Stimmung ist ein bisschen so wie in den Büchern, die im Ubooks Verlag erscheinen. Doch wenn man ein Buch von Dirk Bernemann oder Ina Brinkmann aufschlägt, weiß man ja im Voraus, worauf man sich einlässt. Aber das neonfarbene Paradiso-Cover ließ mich eher eine muntere Drogengeschichte erwarten, in etwa so wie Tino Hanekamps Debütroman. Nun, was hier angepriesen wird als Generationsportrait ist Schund, der guter Coming-of-age hätte werden können, aber Dialoge finden ja noch nicht mal mit Anführungszeichen statt. Ein absolut bescheuerter Roadtrip und das sagt jemand, der Roadtrips liebt. Simone Bauer

Diverse Autoren: Eiszeit - Sommergeschichten

Unter dem halb-paradoxen Titel Eiszeit – Sommergeschichten wurden im Berliner Taschenbuch Verlag 16 Kurzgeschichten junger deutscher Autoren zusammengefasst, die sich alle inhaltlich oder zumindest metaphorisch mit dem Sommerthema auseinandersetzen wollen.

Bei einigen wenigen Geschichten geht dieses Konzept auf und man fühlt sich in sengender Stadthitze gefangen oder spürt förmlich die elektrisierte Luft aufkommender Sommergewitter. Denn Sommer bedeutet, wie von den Autoren ganz richtig erfasst, nicht nur joie de vivre mit Rotwein und Sonnenuntergang. Besonders sind die Geschichten von Susanne Heinrich, Finn-Ole Heinrich und Christiane Neudecker hervor zu heben, deren narrativer Verlauf und Dramaturgie in Roman-Liga spielen.

Allerdings erfordert der Großteil all dieser Kurzgeschichten durch den affektierten Sprachstil der werten Kollegen Kreativen Schreiber so viel Mühsal beim entcodieren der Neologismen und Satzkonstrukte, fast wie, ohja, wenn, Pardonnez-Moi, JAJA, wie als ob man betrunken Trambahn (dieses dunkle ES) fährt und sich auf einen Punkt auf dem Boden konzentriert, um nicht, oder vielleicht schon, oder eher nicht, oder schon, (lieber schon dachte sie) und wenn, dann wenigstens erst auf den Bürgersteig zu kotzen. So würgt das Sprachzentrum im Gehirn bei vielen Seiten und muss sich bei all dieser Verhässlichungstendenz und Sprachvergewaltigung zusammenreißen, nicht schon beim Lesen auf die Buchseiten, sondern wenn, dann wenigstens erst in den Mülleimer hinterher zu kotzen. Florian Tenk

Willy Vlautin: Motel Life

Mit meiner Kollegin Simone teile ich die Liebe für literarische Roadtrips. Von daher freue ich mich erst einmal über das Wichtel-Los, das mir Motel Life von Willy Vlautin zugeteilt hat. Schließlich endet der Klappentext bereits vielversprechend mit dem Satz: "Wir stiegen einfach in seinen abgewrackten 1974er Dodge Fury und hauten ab."

Die Geschichte von Motel Life ist im Grunde schnell erzählt: Vom Glamour der glitzendern Spielerstadt Reno haben die beiden Brüder Frank und Jerry Lee Finnigan in ihrem Leben bisher noch nichts abbekommen. Die Mutter ist früh gestorben, der versoffene Vater hat sich aus dem Staub gemacht, und die beiden Brüder schlagen sich nun mit Gelegenheitsjobs durch und wohnen in billigen Motels.

Eines kalten Tages überfährt Jerry Lee, der einst bei einer Mutprobe sein Bein verloren hat und das Pech einfach abonniert zu haben scheint, auf vereister Straße einen Jungen. In seinen Panik wirft er die Leiche einfach ins Auto und bittet seinen Bruder um Hilfe. Die beiden legen die Leiche vor einem Krankenhaus ab und machen sich zusammen mit reichlich Bier, Whikey und Willie-Nelson-Tapes auf die Flucht.

Irgendwie ist mir beim Lesen aber von Anfang an klar, dass das kein lustiger Roadtrip mit Happy End wird. Frank und Jerry Lee sind einfach die geborenen Verlierer, und zwar nicht von der sympathisch-schusseligen Sorte, die am Schluss dann doch noch Glück hat. Die beiden Brüder haben das Elend gepachtet und rutschen immer tiefer in den Schlamassel. Selbst, als Frank mit einer Sportwette viel Geld gewinnt, ist das Unglück nicht mehr aufzuhalten.

Willy Vlautin, der übrigens nicht nur schreibt, sondern auch als Musiker mit der Folk-Band Richmond Fontaine erfolgreich ist, schildert die Ereignisse derart lakonisch, dass beim Leser gar keine Hoffnung auf ein glückliches Ende aufkommen kann. Die drastische Sprache und die allgegenwärtige Verwzeiflung machen Motel Life sicher zu keiner leichten Lektüre, aber genau deswegen lesenswert. Bettina Koch

Margo Jefferson: Über Michael Jackson

Als meine Überraschungslektüre endlich den weiten Weg in meinen spanischen Briefkasten gefunden hat, riss ich das braune Verpackungspapier voller Erwartung auf und ein schwarzes Augenpaar auf dem Cover starrte über mich hinweg. Es waren die Augen eines Königs.

Dieser König wurde in 1958 im US-Bundesstaat Indiana geboren. Nach seinem kontroversen Tod in 2009 sprießen Biografien, Dokumentationen, Erinnerungsbände und Memoiren wie Pilze aus dem Boden. Die Rede ist natürlich von Michael Jackson, dem King of Pop. Margo Jefferson, eine mit dem Pulitzer-Preis gekrönte Kritikerin für den New York Times und Dozentin an der Columbia University, beschäftigte sich schon seit den 80er Jahren mit der Erscheinung des erfolgreichsten Entertainers aller Zeiten. Zu dieser Zeit verzeichnete er mit Thriller seinen Durchbruch und größten Erfolg zugleich. Wie besessen studierte die Autorin sämtliche Aufzeichnungen über den Star, um sich 2006 an der Analyse seines Leben zu versuchen.

Mit überzogener wissenschaftlicher Objektivität fasst Jefferson die Existenz von Michael Jackson zusammen, systematisch in fünf Themenblöcke aufgeteilt. Sie schildert seine Vorliebe für alles außergewöhnliche, besondere und freakige, was ihn als Kind begeisterte und was er als Erwachsener schuf. Mit Zitaten von Verwandten und anderen Betroffenen belegt sie die komplizierte Familienkonstellation und die Schwierigkeiten eines aufwachsenden Kinderstars. Weitere Ergebnisse von Inhaltsanalysen beschäftigen sich mit dem Umgang des Stars mit seiner Hautfarbe, seinem Geschlecht, den Anschuldigungen und Gerichtsprozessen.

Für einen uninformierten, vielleicht auch uninteressierten Leser wie mich bringt das Buch wenig Aufklärung über grundlegende, im Vorbeigehen aufgeschnappte Fragen, beispielsweise ob Michael Jackson tatsächlich pädophil war oder ob seine Haut wirklich von selbst so blass wurde. Für einen treuen und belesenen Fan wird es aber vermutlich wenig neue Erkenntnisse bringen, da sich die Autorin lediglich auf Songtexte sowie bereits veröffentlichte Interviews und Biografien stützt. Ob sie durch die Neuauflage von Über Michael Jackson "Mit Nachruf auf den King of Pop" nach seinem Tod ein Verkaufschoch erlangte, bliebt unklar. Auch wenn das dünne Band schon ab einem Cent bei Amazon erworben werden kann, wären es mir die 3 Euro für den Versand nun doch nicht wert - und der Auslands-Aufpreis erst recht nicht. Edyta Sikorska

Danielle Ganek: Der Sommer, in dem wir Gatsby gelesen haben

Ein Sommerroman im Winter? Warum nicht. Die Hoffnung auf wenigstens ein paar imaginäre Sonnenstunden ist doch verlockend...aber leider nicht zutreffend.

Zwei ungleiche Halbschwestern (deren einzige Gemeinsamkeit ist, wie poetisch, ihre Liebe für den Großen Gatsby) bekommen von ihrer gerade verstorbenen Tante Lydia ein Haus auf Long Island vererbt. Testamentarische Bedingung ist, dass die Schwestern vor dem Verkauf der Hauses dort einen Monat gemeinsam verbringen müssen. Im vollgestopften Haus soll sich ein Gegenstand von großem Wert befinden den, wie soll es anders sein, Cassie und Peck Moritary nicht kennen und sich somit auf die Suche danach begeben. Soweit die Rahmenhandlung. Nie fehlen dürfen bei einem Frauenroman dieser Klasse die vielen Klischees: Partys, unmöglich kitschige Liebesgeschichten, Mode etc. etc.

Grundsätzlich können Bücher wie Danielle Ganeks durchaus gefallen, gerade wenn man entpannt und ohne groß nachdenken zu wollen ein paar vergnügliche und schnell verfliegende Stunden lesend verbringen möchte. Allerdings bleibt es hier beim Grundsatz. Jeder nicht auf den Kopf gefallene Mensch ahnt schon vor Seite 20 welches der "mysteriöse" Gegenstand von Wert ist und findet sich bis Seite 70 bestätigt. Somit wäre die Spannung die sich hätte bis zum Ende durchziehen können nicht mehr vorhanden. Die restliche Handlung wiederum ist so schlecht (inhaltlich und sprachlich), dass sie besser tatsächlich einfach nicht vorhanden wäre. Daher: Nicht geeignet als Weihnachtsgeschenk. Genauer gesagt überhaupt nicht geeignet für irgendwas. Einfach nicht kaufen. Rebekka Schwarz

 




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