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Tommy Jaud: Millionär
Thursday, 02 August 2007 14:37

Für Vollidioten: Tommy Jauds Millionär

Der Millionär ist quasi die Fortsetzung von dem Vollidiot, des ersten Buchs von Jaud. Spätestens seit der Verfilmung mit Deutschlands Vorzeige-Vollidioten Oliver Pocher sollte der Autor jedem ein Begriff sein

 

 

 

 

Ehrlich gesagt fand ich den ersten Teil nicht sonderlich amüsant. Ein Buch über einen unsympathischen eingebildeten Verlierer, der nichts dazulernt und am Schluss noch blöder da steht als vorher. Wer will denn so was lesen? Männer anscheinend. Wenn dieses Buch also angeblich den „deutschen Männerroman“ laut Spiegel wiederbelebt hat, nun, dann könnte man sagen, dass sich Jaud mit dem Millionär ein wenig dem weiblichen Geschmack angenähert hat: selten habe ich ein gleichzeitig so witziges wie liebevoll geschriebenes Buch gelesen.

 

Der Held des Romans ist selbstverständlich wieder Simon Peters. Dieser ist nun seit zwei Jahren arbeitslos, dazu natürlich immer noch unglücklich und unzufrieden. Endlich jedoch hat er eine große Lebensaufgabe gefunden hat: er wird die Welt verändern.

 

Ich habe beschlossen den Kampf aufzunehmen. Es ist kein leichter Kampf, denn meine Gegner sind schneckengleich arbeitende Pfandautomaten, Tütensuppenhersteller, arrogante Straßenreiniger und die Deutsche Bank. Aber mit ein wenig System und ein bisschen Grips werde ich diesen Kampf gewinnen und das Stückchen Welt um mich herum ein kleines bisschen besser machen. Und eines Tages wird man sagen: „Hut ab, was der Peters da erreicht hat, das hätten wir nicht gedacht.“

 

Im Alltag wird diese Aufgabe jedoch zu einer ermüdenden und wenig ertragreichen Tätigkeit: endlose Beschwerde-Emails, unzählige Anrufe bei Verbraucherhotlines oder auch ein geheimer Demoaufruf gegen die unerträglich lauten Kirchenglocken von gegenüber zeichnen den Tagesablauf von Simon ab. Dazu wird er von seinen Freunden nicht verstanden, sondern nur mitleidig belächelt, und von einer liebenden Frau an seiner Seite ist sowieso weit und breit nichts zu sehen.

 

Kein Wunder, dass sich ein Burn-Out-Syndrom in aller Tragweite an Simon abzeichnet. Als dann auch noch eine überschminkte, überhebliche, überdrehte aber offensichtlich extrem erfolgreiche Tussi als Inbegriff weiblicher Übermacht in das Penthouse über Simon einzieht, ist das Fass voll. Simon beschließt, etwas zu unternehmen. Eine Million muss her, um das gesamte Wohnhaus zu kaufen und die ungeliebte Nachbarin kündigen zu können.

 

Wie er es anstellt, sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen, dat werd isch natürlisch net verraten! Der Weg dahin ist auf jeden Fall unglaublich witzig, überraschend und – man höre und staune! – süß. Wie Frauen es eben mögen... Jauds unglaublich ehrlicher und sarkastischer Humor hat trotzdem noch an allen Ecken und Enden Platz, sich voll und ganz zu entfalten.

 

Für mich gibt es zwei verschiedene Arten von Kater: den Blitzkrieg-Kater und den Irak-Kater. Beim Blitzkrieg-Kater wacht man auf und weiß innerhalb einer Sekunde, dass man gleich vor der Schüssel kniet, um danach eine Großpackung Alka Seltzer in einem Eimer Wasser aufzulösen. Der Vorteil: Nach ein paar Stunden hat man diesen Kater meist im Griff und kann wenigstens mit einem Auge fernsehen.

 

Ganz anders der Irak-Kater: Man wacht auf und freut sich schon, dass man keine größeren Schäden feststellt. Man denkt sich: „Ach, das hätte ich mir jetzt aber schlimmer vorgestellt nach all dem, was ich getrunken habe. Vielleicht kann ich ja am Nachmittag sogar noch joggen?“

 

Einen Scheiß kann man. Warum? Zwei Gründe. Erstens: Der Irak-Kater wird völlig unterschätzt. Zweitens: Der Irak-Kater hört schon mal deswegen nicht so schnell auf, weil man seinen ganzen Körper durcheinander gebracht hat. Scheinbar verfeindete Krankheitsbilder verbünden sich mit anderen und schlagen genau dann zu, wenn man es am wenigsten erwartet. Der Irak-Kater ist ein postalkoholischer Super-Gau: Angeschossen schleppt man sich in Richtung Küche, um die Aspirin-Vorräte zu sichern, sieht aber den hämisch grinsenden Brechdurchfall nicht, der die ganze Zeit hinter dem Ikea-Regal gelauert hat.

 

Ein Bild des Grauens ist es, wenn er einen auf halber Strecke erwischt. Selbst wenn man gegen Abend die Lage unter Kontrolle wähnt, kann es Rückschläge geben. Ich erinnere mich noch genau, wie ich einmal dummdreist glaubte, mir eine kleine Nudelsuppe machen zu können, dann aber schon beim Geruch des Suppenpulvers in den Toaster gekotzt habe.

 

Ach, wie wahr... (Von Nina Carla Praun)




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