| Henry Rollins: München |
| Thursday, 17 January 2008 00:52 | |||
Das Allround-Talent Henry Rollins war dieses Mal zur Spoken Words Tour in München und zeigt, dass er einer der besten Entertainer ist, den die Punk-Szene jemals gesehen hat. Unser Redakteur Dominik war vor Ort.
Die Punk-Ikone trat in der Münchner Muffathalle auf und zog ein gut bürgerliches, gut gemischtes und gut zuhörendes Publikum an. Letzteres ist auch nötig, da Rollins ohne Punkt und ohne Komma den kompletten Abend durch quasselte. Ein Sympathikus, der eine unglaubliche Energie und Lebensfreude ausstrahlt - er hätte bis zum nächsten Morgen seine Geschichten erzählen dürfen, es hätte ihm keiner übel genommen. Mit breiten Beinen in Punkrock-Sänger-Pose steht er auf der Bühne, einen schützenden Tisch hinter dem er sich verstecken oder festhalten kann, braucht er nicht. Ein Entertainer eben, der nur ein Mikrophon und Publikum benötigt um glücklich zu sein und einen mit seinen Anekdoten in den Bann zu reißen. Zu Beginn das übliche Bauchgepinsel: Ja, Deutschland ist super! Tolles Bier, tolles Essen, die Leute sind nett! Wirklich! Das meinte er nicht nur so, das ist so. Man nimmt es ihm auch ab. Genauso wie die versteckte Botschaft hinter den Geschichten aus seiner Musiker-Karriere, die er den Abend über erzählt: Er lebt für die Musik, ist immer Fan geblieben und sich nicht fein genug, vor Größen wie Ozzy Osbourne oder Charlie Harper der UK Subs auf die Knie zu gehen. Idole, das sind die anderen, er ist nur Henry aus Amerika, der sich wundert, wenn eine Gruppe von Teenies beim Van Halen-Konzert ihre Handykameras zückt. Er ist der Henry, der in der neunten Klasse im Plattenladen stand und neue Punk-Platten gesucht hat. Der Henry, der sich auf ein Konzert mit aufgedrehter Stereoanlage und Mikrophon im Wohnzimmer vorbereitet. Aber Henry ist nicht nur Musiker, sondern auch Weltenbummler. Seine Reiseziele sind für einen Amerikaner etwas ungewöhnlich: Er reiste nach Syrien, weil das Land schließlich - zumindest laut George Bush - zur Achse des Bösen gehört und erlitt dort einen Koffeinschock. In Pakistan verirrte er sich in eine Gruppe frommer Prediger, aus der er aber flüchtete. Wieder in Amerika angekommen musste er sich für die Besuche beim Feind vor Grenzbeamten rechtfertigen, aber das macht er ja gerne: Seinen Landsmännern mit seiner sympathischen Angriffslust erklären, was wirklich böse ist. Dominik Hoferer
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