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Max Goldt: München
Sunday, 22 July 2007 00:36

Max Goldt Er liest nicht einfach nur, er schafft humoristisch-literarische Meisterwerke im Zeitalter medialer Selbstverblödung.


Max Goldt ist Herr neuer Wortschöpfungen und verfügt über die sprachliche Wortgewandtheit eines niemals endenden Fremd- wie Alltagswörterbuches. Nun ist er auf Lesetour, wie er es oft ist, was nicht bedeutet, dass sich die Zahl der Zuhörer mindert. Im Gegenteil. Statt in der sonst so gemütlichen Schlachthof-Atmosphäre der vergangenen Jahre gibt Goldt seine neusten Werke der großen Nachfrage wegen in der Großen Elser Halle zum Besten.

Da sitzt er, Max Goldt, scheinbar guter Dinge, und vollzieht eine sprachliche Bewusstseinserweiterung unter der Hörerschaft. Ein Mischvolk junger Studenten und älterer Gebildeten reicht sich die Hand um beim Leseereignis dabei zu sein, ohne es sich nehmen zu  lassen, seinen eigenen Intellekt durch lautstarkes Lachen an den nicht unbedingt immer dazu auffordernden Stellen der Texte, jedoch aber bei Erwähnungen von Fremdwörtern hervorzutun.

Doch entgeht ihnen dadurch hoffentlich nicht der groteske Humor mit einer mitschwingenden Note sarkastischer Raffinesse. Goldt weist selbst darauf hin, dass nicht alle Niederschriften biografisch sind, was sich aber nicht darauf bezieht, wie sehr man sich selbst durch einige Texte ertappt und sich darin selbst wieder erkennt.

Beispielsweise wenn es um einen Begriff geht, dessen Namen man sich zwar nicht einprägen kann, dessen Bedeutung sich aber auf Personen bezieht, die an chronischer Aufschiebung dringlich zu erledigender Aufgaben leiden. Ebenso die Naturerscheinung von Müttern fast erwachsener Kinder, die sich – möglicherweise um ihre eigene Jugend zu erhalten – peinliche kleine Teddys an ihre Handtaschen hängen.

Den Titeln seiner Manuskripte lässt sich allerdings nur schwer entnehmen, von was der Text nun letztlich handelt. Ein Phänomen, das nach Hören der Abfassung zwar nicht unbedingt bereinigt ist, aber die Vorfreude auf ein weiteres Werk des Meisters steigert.

Max Goldt erzählt vom hoffentlich nie eingeführten Feiertag Masern, der zwar nichts mit der Krankheit zu tun hat, aber durchaus an bereits vorhandene Feiertage und deren klassische familiäre Abläufe erinnern mag. Oder von seinem Hass auf Platz verschwendende Kinderspielplätze und die Abschaffung des Straßensperrmülls.

Nach etwas über zwei Stunden und der schier kultigen Zugabe „Intakter Abdomen dank coolem Verhalten“ ist leider Schluss. Doch es lässt sich vermuten, dass Max Goldt, seinerseits Autor, Kolumnist, Cartoonist und Musiker, bald wieder mit neuen, tiefsinniger seienden als wirkenden Texten zurück kommt. Und da wollen wir auch wieder mit dabei sein. Nina-Carissima Schönrock

 




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