| Rocko Schamoni: München |
| Thursday, 30 October 2008 22:48 | |||
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Zum Reinhören: Hörproben aus Dorfpunks Wie alt kann jemand sein, der von sich selbst behauptet, ein Nachwuchsstar zu sein? Nicht sehr alt, könnte man meinen. Es sei denn, derjenige blickt bereits auf eine mehr als 25-jährige Musikerkarriere zurück: Rocko Schamoni ist ein solches Phänomen und betitelt sich selbst freudig als Newcomer. Das ist er auch, wenn auch in anderen Kreisen als bisher. Die Liebe zur Literatur hat ihn gepackt, die sich auf sein Mitteilungsbedürfnis, seine Leidenschaft für tiefsinnige Zeilen und ein gutes Honorar gründet. Letzteres war ein durchschlagendes, wenn auch nicht alleiniges Argument, sich nach seinem ersten Buch noch an weitere Werke seiner selbst zu wagen. Auf sein Schriftsteller-Debüt Risiko des Ruhms folgten Schamonis Dorfpunks - ein Buch über Drogen und Frauen, das inzwischen auch als Hörbuch, Theaterstück und demnächst Kinofilm die Welt bereichert – und seine Sternstunden der Bedeutungslosigkeit. Diese Stunden hat er jetzt einem zahlreichen Publikum in München geschenkt. Zur Lesung seines neusten Buches ist Rocko Schamoni zur Bühne der Registratur gereist, bewaffnet mit einer Schachtel Zigaretten, mehreren Flaschen Bier und natürlich seinem Buch selbst. Hochmütig sieht er aus, in seiner schwarzen Anzughose, der schwarzen, zugeknöpften Weste über dem weißen, gestriegelten Hemd und seinem Halstuch, das fein säuberlich in seinem Hemdkragen verschwindet. „München, München!“, beginnt er den Abend und lobt sich selbst dafür, solch glorreiche Worte für den Anfang gefunden zu haben. Sein Plan geht auf, das Eis ist gebrochen, das Publikum bereit für seinen trockenen Humor und den Hang zur Selbstparodie. Charakterzüge, die Rocko Schamoni mit seiner Romanfigur Michael Sonntag teilt. Aus dessen Leben liest der Tausendsassa vor, nicht darum verlegen zu gestehen, dass doch mehr Figuren des Buches der Realität entsprechen als ursprünglich zugegeben. Die Zuhörer in der Registratur werden mit verschiedenen Abschnitten aus Sonntags Leben konfrontiert, die sich um die Liebe, das Leben und den Verbleib der eigenen Persönlichkeit drehen. Eine Persönlichkeit, die der Held der Geschichte irgendwo in seiner Vergangenheit verloren hat und jetzt sucht, im Schutt des Erlebten, dem Ghetto seiner Seele. Apropos Ghetto: „Habt ihr so was hier in München eigentlich auch?“ Ja, haben wir. „Hasenbergl“ raunt es aus dem Saal in Richtung Bühne zurück und hier schließt sich ein Kreis, der das Publikum noch stärker an den Entertainer Schamoni bindet als seine Witze: „Hasenbergl? Jetzt aber Achtung, in Hamburg heißt das Ghetto Mümmelmannsberg. Das gibt´s jetzt aber nicht, oder? Da ist Düsseldorf ja noch härter als wir!“ Düsseldorf, da war noch was: Schamonis bester Freund Campino will diesen Abend eigentlich mit ihm verbringen und erkundigt sich über Handy nach Rocks Befinden. Über die Lautsprecher kann man das Gespräch mitverfolgen: „Alder, ich sitz hier mit ein paar Freunden, komm doch einfach kurz durch…. Quatsch, ich sitz gerade auf der Bühne in München, ich ruf dich später zurück“. Mit Buch und Beiwerk wird der Abend zu einem komödiantischen Gesamtkunstwerk. Die Lacher sind Rocko Schamoni sicher, die Augen des Publikums haften an seinen Lippen, die offenen Münder der Besucher inhalieren seinen Zigarettenrauch. Nach etwas mehr als einer Stunde sind die roten Gauloises alle, die Bierflaschen leer, die Lesung zu Ende. Oder um es mit den letzten Worten des Romans selbst zu sagen: „Und damit fängt die Geschichte an“. Nina-Carissima Schönrock
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