| The Beatles in der Filmkritik |
| Thursday, 01 November 2007 15:22 | |||
Es gibt viele Superlativen, für die die Beatles gerade stehen dürfen: Als erste Boygroup der Musikgeschichte gegründet, sind sie noch immer die Band mit den meisten verkauften Platten weltweit (1,3 Milliarden) und mit den meisten Nummer-Eins-Singles (22 allein in den USA).
Nach der Meinung von John Lennon waren sie populärer als Jesus, laut vieler Musikkritiker talentierter als Beethoven. Nur für eines sind sie nicht nur mit Lorbeeren überhäuft worden: für ihre skurrilen Filme. Völlig zu Unrecht, das wissen alle, die A hard day's night, Help oder Yellow Submarine gesehen haben.
Im Frühjahr 1964 erlebt die Musikwelt die Beatlemania. Den Regisseur Richard Lester fasziniert das Phänomen der durch die vier englischen Musiker ausgelösten Massenhysterie und er beschließt, einen Film darüber zu drehen. Er hat es eilig, ist er sich doch sicher, dass dieser Hype den Sommer nicht überdauern wird. Die Fab Four werden als Darsteller ihrer selbst verpflichtet, und in Schwarz-Weiß entsteht A hard day’s night, augenzwinkernd mit „ein durchschnittlicher Tag im Leben der Beatles“ untertitelt.
Denn wenn man die Beatles damals fragte, wie denn ihr Leben zur Zeit so ausschaue, dann antworteten sie: „Like a room and a car and a room and a car and a room and a car.“ Was Lester also statt einer realitätsgetreuen Dokumentation machte, war eine schwarze Komödie über den Umstand, dass John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr zu Gefangenen ihres Erfolgs geworden waren.
An der Oberfläche zeigt „A hard day’s night“ zwar lediglich, wie die Beatles ein Konzert und hinterher ein TV-Interview geben – und der entsprechende Beatles-Soundtrack ist obligatorisch. Unter dem Deckmantel dieser „Mock-Doku“ liegen aber Schichten um Schichten aus groteskem britischen Humor und der Selbstironie von vier damals gerade mal zwischen 21 und 24 Jahre alten Popidolen: Reporter: How did you find America? John: Turned left at Greenland. Reporter: Has success changed your life? George: Yes. Reporter: Are you a mod, or a rocker? Ringo: Um, no. I'm a mocker. Reporter: Do you think these haircuts have come to stay? Ringo: Well, this one has. You know, it's stuck on good and proper now. Reporter: What would you call that hairstyle you're wearing? George: Arthur. Reporter: What do you call that collar? Ringo: A collar. Doch die vier pilzköpfigen Buben trieben den Filmspaß weiter. Ein Jahr später entsteht, wieder unter der Regie von Richard Lester, „Help!“. Wieder spielen die Beatles sich selbst, allerdings in einer völlig irrwitzigen Rahmenhandlung, die das damals brandaktuelle Genre der Spionage-Filme persifliert: Ringo Starr erwirbt zufällig und unwissend einen geweihten Opfer-Ring, den er nicht mehr vom Finger bringt. Plötzlich jagen ihn fanatische Priester eines Opfer-Kult-Ordens und verrückte Wissenschaftler. In wüsten Verfolgungsszenen hetzen die Beatles in die österreichischen Alpen oder flüchten auf die Bahamas, bis Ringo Starr der Ring einfach vom Finger fällt. Die Story, natürlich um Songs der Beatles bereichert, stellt an Nonsens nahezu alles in den Schatten, was Helge Schneider jemals gemacht hat. Wer sich also bei „Texas“ vor Lachen bog, ist hier genau richtig.
„Yellow Submarine“ (1968) ist wohl der bekannteste und ob seines Kunstwillens vielleicht auch anstrengendste der Beatles-Filme. Lennon, McCartney, Harrison und Ringo Starr sind mittlerweile auf der Höhe ihres Erfolgs, haben sich gerade mal wieder als Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band neu erfunden. Sie müssen sie sich nicht mehr selber spielen, sie synchronisieren sich nur noch. Deutlich von New Age und Flowerpower geprägt, erzählen sie in einem psychodelischen Comic die parabelhafte Geschichte von Pepperland, dem Land der Liebe und Musik, das von den bösen Blaumiesen zerstört werden soll. Zu seiner Rettung sind die vier Musikmänner auserkoren worden. Entlang ihres nicht ganz gewaltfreien Wegs begegnen den singenden Weltverbesserern viele merkwürdige Kreaturen und alle feiern sie ein surreales Fest aus Farben, Formen und Tönen. Ein nebenwirkungsfreier halluzinogener Filmtrip, den vor allem die nach wie vor absurden, von eigenwilligem Humor geprägten Dialoge sehenswert machen. (Petra Schönhöfer)
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