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Old Joy in der Filmkritik
Monday, 10 December 2007 16:02
Harr harr harr: Männerfreunschaft in Old JoyEs ist ein Film über Freundschaft und Vergänglichkeit: Old Joy handelt von ein paar wenigen Tagen, zwei Männern und den Dingen, die die Welt bewegen. Florian Zick hat sich den Film mal genauer angeschaut.


Kurt ist neu in der Stadt und nicht der Typ Mann, der viel zum Leben braucht. Er trägt ein rosa Shirt, darüber ein schlappriges Jeans-Hemd und eine graue Hose, die an den falschen Stellen zu eng sitzt. Sein Mund wird von einem Oberlippenbart fast verschluckt, darüber kräuselt sich das lichte Haupthaar. Für seinen Einstand hat er sich das Nötigste besorgt: Auf einem Bollerwagen zieht er einen kleinen Kühlschrank und einen Fernseher hinter sich her. Schwer vorstellbar ist es da, dass sich Kurt einmal in der kleinbürgerlichen Idylle eines Einfamilienhauses einrichten könnte. Sein alter Freund Mark ist da anders: Er hat seinen Frieden mit dem bourgeoisen Lebenstil bereits gemacht. Früher lebte er womöglich ebenso unbeschwert in den Tag hinein wie Kurt. Heute arbeitet er hart, verbringt seine Freizeit am liebsten barfuß im eigenen Garten und seine Freundin erwartet ein Kind. Von den Ausschweifungen eines Spät-Hippies ist wenig übrig geblieben.

 

Die beiden Jugendfreunde haben sich eine Weile aus den Augen verloren. Auf einem Wochenendausflug wollen sie die gemeinsamen Erinnerungen wieder aufleben lassen. „You can't get real quiet anymore", sagt Kurt. Deswegen hat er auch ein abgelegenes Ziel in den Cascade Mountains von Oregon ausgesucht. Doch die Reise in die Berge will nicht so recht zu einer Reise in alte Zeiten werden, zu viel hat die beiden über die Jahre getrennt. Die anfängliche Euphorie des Wiedersehens verebbt schnell und wird zu der Gewissheit, dass man mit 16 Jahren mehr Spaß miteinander haben konnte.

 

In einem bronze-farbenen Volvo brechen die beiden auf. Kurt hat immer noch das rosa Shirt und sein Jeans-Hemd an. In langen Landschaftssequenzen geht es vorbei an Industieanlagen, mit Baumstämmen beladenen LKWs und durch verlassene Täler. Woran Regisseurin Kelly Reichardt mit dieser reinen Naturdarstellung gelegen war, ist schwer abzuschätzen. Als mögliches Sinnbild für eine abgeflachte Freundschaftsbeziehung, der es nach Jahren der Trennung an Abwechslung fehlt, eignet sie sich jedoch weniger. Die minutenlangen Waldimpressionen wirken als filmischer Füllstoff eher ermüdend. Die Dialoge zwischen Kurt, gespielt von dem Folk-Sänger und Gelegenheitsschauspieler Will Oldham, und Daniel London als Mark sind dagegen überaus gelungen.

 

„Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Wald und der Stadt. Das alles ist ein einziges riesiges Ding. Da sind Bäume in der Stadt und Müll im Wald. Kein großer Unterschied." Oldhams Darstellung des bemühten Kurt, der versucht ist, das Interesse des alten Freundes mit seinen Theorien über das Leben und die Physik des Universums für sich zu gewinnen, ist überaus authentisch. Mark tut sich hingegen sichtlich schwer, diese Gedanken aufzunehmen und fortzusetzen. Symptomatisch ist es daher auch nur, dass Kurt am abendlichen Lagerfeuer zu dem Schluss kommt: „Da ist etwas zwischen uns und ich will nicht, dass das da ist."

 

Doch auch der zweite Tag bietet wenig Besserung. Kurt, immer noch im rosa Shirt, dreht sich eine Zigarette nach der anderen, während Mark vom Teppichklopfen und den Holzarbeiten im Garten redet. Es ist keine besonders neue Geschichte, die da erzählt wird: Zwei vom Leben getrennte Schulfreunde. Was Old Joy dennoch zu einem Unikat macht, ist der Verzicht auf jegliche Nebenstränge und Rückblicke. Es sprechen alleine die Bilder, untermalt von dem eingängigen Score der Folk-Band Yo La Tengo. (Florian Zick)




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