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Nicht immer lässt man sich mit erzwungenem Spaßprogramm zur Shiny Happy Person transformieren. Manchmal braucht man das volle Programm sentimentaler Ausreizung, bis es einen selbst so richtig dreckig geht. Danach kann alles nur wieder besser werden. Wer sich also mal wieder so richtig herzhaft in den Schlaf weinen will, sollte sich die Auswahl unserer besten Anti-Happy-Ends nicht entgehen lassen.
Die Träumer (The Dreamers, 2003) Für die Einen das coolste Motiv im Hipsterversum, für die Meisten allerdings das Bermudadreieck schlechten Geschmacks: Das Triangle. Obgleich die Holzfällerjungs von nebenan, die damals so ein bisschen was mit Medien gemacht haben, die Entdeckung des Triangles gerne für sich beanspruchen, gibt es dieses Motiv schon länger, zum Beispiel sehr schön in Form der Ménage-à-Trois zwischen den Parisern Isabelle (Eva Green) und Theo (Louis Garrel) und dem Amerikaner Matthew (Michael Pitt) verdeutlicht. Die französischen Wohlstandskinder sind Geschwister und sehen in Matthew Potential, ihren Geheimzirkel zu vergrößern. Es ist 1968, doch statt zu demonstrieren und auf die Straße zu gehen, ziehen sich die drei in die elterliche Wohnung der Geschwister zurück und zelebrieren ihr Leben innerhalb ihres eigenen Kosmos. Mit viel Wein, philosophischen Diskussionen, Musik von Janis Joplin, The Doors oder Edith Piaf und der Erfahrung körperlicher Liebe und seelischer Abhängigkeit. Erst das Ausarten der Demonstrationen lässt sie aus ihrem Traum erwachen.

Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber (The cook, the thief, his wife & her lover, 1989) Für alle, die zu ihrer Dinnereinladung versetzt wurden, ist Greenaways bildgewaltiger Film die perfekte Kompensation. Allabendlich trifft sich der Verbrecher Spica (Michael Gambon) mit seinen Kumpanen und Ehefrau Georgina in einem feinen, französischen Restaurant. In diesem Hauptschauplatz begegnet Spica seinen Mitmenschen, wie auch seiner Ehefrau Georgina (Hellen Mirren), mit derben Beleidigungen, Gewalt und Missbrauch. Georgina flüchtet sich alsbald in die Arme eines anderen Mannes, was auch so lange gut geht, wie ihr der Küchenchef als Komplize zur Seite steht.
Während die Inszenierung weitesgehend einem Kammerspiel gleicht, sind besonders die visuellen Mittel beeindruckend: Jean-Paul Gaultier entwarf die Kostüme und die Musik stammt aus der Feder von Michael Nyman. Je nach Raum und Situation verändern sich die Farben des Interieurs, der Kleidung der Protagonisten und die Musik. Bei dieser stilistischen Ausgewogenheit vergisst man zwischendurch schnell das gewaltdurchtränkte Thema, das umso mehr mit durchdacht gesetzten Schockmomenten wieder in den Vordergrund tritt, bis zur finalen Abrechnung mit dem Gangster Spica, nach der man so manchem verpatzten Essensdate gerne als Gericht vorsetzen würde, woran Spica in diesem Filmfinale zu beißen hat.
A Single Man (A Single Man, 2009) Tom Ford ist ein Meister der Perfektion, ob es sich um Mode, Parfumkreationen oder sein Regiedebut A Single Man handelt. Der Film ist höchst ästhetisch inszeniert, jedes kleinste Detail sitzt optisch perfekt. Doch unter dieser Oberfläche visueller Harmonie stürmen die Emotionen. Der schwule Literaturprofessor Falconer (Colin Firth) wurde durch den Tod seines Lebensgefährten in tiefe Depressionen gestürzt. Wie das stoische Bürsten seiner Schuhe, das penible Zurechtmachen seines Äußeren, gehören nun auch die Tabletten zu seinem täglichen Rhythmus. Außer seiner Arbeit und seiner Leidensgenossin, der verlassenen Ehefrau Charly (Julianne Moore), ist ihm in seiner tiefen Traurigkeit nicht mehr viel geblieben, so beschließt er zu sterben. Erst bei einem Besuch in jener Bar, wo er einst vor 16 Jahren seine große Liebe gefunden hat, begegnet er einem Menschen, der die mögliche Wende zur seelischen Heilung einleiten könnte.
Vicky Christina Barcelona (Vicky Christina Barcelona, 2008)  Wie es typisch bei Woody Allens Filmen ist, geht es auch hier um die Unmöglichkeit der Liebe und ihre seltsamen Verstrickungen. Vicky (Rebecca Hall) ist die Ruhige, in ihrem Verhalten fast spießig und schreibt ihre Doktorarbeit, Christina (Scarlett Johansson) ist hingegen sehr lebhaft und nach ihrem letzten Filmprojekt ohne Beschäftigung.
Gemäß ihres Charakters verfolgen sie auch in der Art ihrer Liebesbeziehungen ihre auferlegten Clichés: Vicky ist verlobt und steht kurz vor der Trauung, während Christina sich einfach nur treiben lässt und sich tiefe Liebe fast gar nicht mehr vorstellen kann. Trotz oder gerade wegen ihrer unterschiedlichen Lebenspläne sind die beiden besten Freundinnen. Als sie schließlich auf den spanischen Künstler Juan Antonio Gonzalo (Javier Bardem) treffen, werden sie bald mehr gemeinsam haben, als sie sich vorstellen konnten.
Herzensbrecher (Les amours imaginaires, 2010) Eine weitere Dreiecksgeschichte, diesmal neueren Datums, wurde von dem jungen Xavier Dolan vor zwei Jahren inszeniert. Im Vergleich zu seinem ersten Spielfilm I Killed My Mother sieht man deutlich, dass dem Regisseur ein größeres Budget zur Verfügung stand, perfekte Slow-Motion Walks durch die Straßen, untermalt von passender Musik, Vintage-Requisiten, farblich abgestimmte Locations, auf dem ersten Blick ein vorrangig ästhetisch ansprechender Film. Doch der Schein trügt auch hier.
Die neurotische Marie (Monia Chokri) holt sich zur Selbstbestätigung laufend neue Männer ins Bett, möge sie auch noch so adrett in ihrem Chanel Kostüm die Unnahbare mimen. Ihr bester Freund Francis (Xavier Dolan) besticht durch ein ähnlich lebhaftes Sex-Leben, dieses ist allerdings durchzogen von Frustration und der Suche nach dem Richtigen, was in der immer wiederkehrenden Szene, in der er Striche an seine Badezimmerwand malt, für jeden neuen Mann einen, verdeutlicht wird. Schließlich treffen die beiden auf den blond gelockten Jüngling Nicolas (Nils Schneider), der beiden in ihrem Wahn gleich einem Messias erscheint. Diese Situation entfacht einen anfangs noch subtilen Kampf um die Gunst Nicolas', die durch sein Desinteresse an den beiden Freundin geradezu weiter angestachelt wird.
Eiskalte Engel (Cruel Intentions, 1999) Zugegebenermaßen besticht dieser Film nicht gerade mit der damals vielleicht nicht allzu weit ausgereiften schauspielerischen Leistung der jungen Darsteller. Doch nicht nur wegen des bestechend guten Soundtracks (u. a. The Verve, Skunk Anansie, Placebo, Aimee Mann, Craig Armstrong), sondern auch auf Grund der Fotographie und des- vermeintlich - anbetungswürdigen Lebensstils der drei Protagonisten Kathryn Merteuil (Sarah Michelle Gellar), ihrem Stiefbruder Sebastian Valmont (Ryan Phillippe) und seiner Liebe Annette Hargrove (Reese Witherspoon), ist dieser Film zu einem Stück Jugendkultur geworden. Die Geschichte ist schnell erzählt: Die beiden verwöhnten und schon in jungen Jahren von ihrem Leben gelangweilten Stiefgeschwister schließen eine Wette ab. Sebastian soll bis zum Beginn des neuen Schuljahres mit der noch jungfräulichen Annette schlafen. Was als Intrige beginnen sollte, wird für Sebastian schnell zum Ernst und entfacht in ihm wahre Gefühle. Als Kathryn ihre Wette immer mehr zu verlieren droht, wird ihr jedes Mittel recht, ihren Stiefbruder aufzuhalten.

Vergiss mein nicht (Eternal sunshine of the spotless mind, 2004) Was würde man tun, wenn man die Möglichkeit hätte, eine verlorene Liebe zurückzugewinnen? Einen großen Fehler ungeschehen zu machen, nochmal von vorne beginnen zu können? Weil man doch eigentlich weiß, dass es das einzig Richtige gewesen wäre, dass man jetzt, da man so viel dazu gelernt hätte, für einander perfekt wäre. Joel Barish (Jim Carrey) und Clementine Kruczynski (Kate Winslet) haben es da einfach und lassen kurzer Hand jegliches Wissen über einander auslöschen.
Eine Liebesgeschichte in der Rückwärtsspirale, in einem surrealen Universum, das trotz seiner tragischen Atmosphäre immer wieder mit komischen Elementen aufwartet. Und was würde man tun, wenn man tatsächlich erneut aufeinander trifft?
The Fountain (The Fountain, 2006)  Gleich drei tragische Handlungssträngen verknüpft der Film von Darren Aronofsky. Immer wieder sieht man Hugh Jackman und Rachel Weisz leiden, einmal in der Vergangenheit als Conquistador Tomás und Königin Isabel von Spanien, in der Gegenwart als Dr. Tom Creo und seine todkranke Frau Izzi und in der Zukunft als Weltraumreisender Tom und - als Symbol für seine geliebte Frau - als Baum.
Wenn man nun dazu sagt, dass die Geschichte des Conquistadores und der Liebe zu seiner Königin von der kranken Izzi in der Gegenwart geschrieben wird und die Mission des Raumfahreres Tom, den absterbenden Baum in einer Blase zum ewigen Stern Xibalbá zu bringen, um damit die Geschichte der Gegenwart möglicherweise zu retten, ist die Verwirrung perfekt. Aronofsky stilisiert damit die Darstellung des Lebens auf der Suche nach dem Unendlichen, der immer wiederkehrenden Wiederholung der größten Liebe und hat damit einen Werk geschaffen, das sogar den Geist noch über das Herz hinaus beansprucht.
Shortbus (Shortbus, 2006) Schon auf dem ersten Blick scheint es um die Geschichten der vielen Charaktere nicht besonders gut bestellt: Das schwule Pärchen James und Jamie, die ihre bisher treu währende Beziehung in eher einseitigem Entschluss ein wenig offener gestalten wollen, die erfolgreiche Sexualtherapeutin, die trotz wildester Sexstellungen mit ihrem geliebten Freund, noch nie einen Orgasmus erlebt hat, Ceth, der meist nur auf seinen Adoniskörper reduziert wird oder die Domina Severin, die dem Sex schon längst überdrüssig ist, aber keine tiefen Gefühle mehr aufbauen kann.
Sie alle treffen in dem Club Shortbus aufeinander, ein geheimer Ort, an dem jeder willkommen ist, jede sexuelle Richtung vertreten, Kunst und das Leben zelebriert wird, ein Ort um sich auszuprobieren und selbst zu finden. Diese Abhandlung über Liebe und Sex ist trotz expliziter Szenen nie Pornographie, trotz absurder Momente, in denen Sofia zum Beispiel stundenlang auf ihren ersehnten Höhepunkt hinturnt, nie Komödie, trotz der tiefen Depression, die James erleidet und die ihn fast Beziehung und Leben aufgeben lässt, nie Drama: Dieser Film ist Liebe. Eine Hymne an das Leben und eine Motivation, dass oft nicht der offensichtliche Weg, jener zum Glück ist. Und dieses Glück, schon gar nicht das sein muss, worin man es vermutet hat. Florian Tenk
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Schulzkowski is super unbedingt mehr davon
Noch was zum Thema: http://likeitis93.blogspot.de/2012/03/save-olli-schulz.html
diese kritik ist sehr schön, weil sie sich ausnahmsweise mal nicht schema f<...
und was war besonders? Welche Songs in der Setlist? Wie viele Instrumente
Für diejenigen, die es interessiert: Ich hab auf meinem privaten Blog noch e...